»Uuuund? Wann ist es so weit?« Bisher war das für werdende Mütter eine Routinefrage. Wenn man sie in diesen Tagen stellt, kann es sein, dass die Antwort darauf etwas länger ausfällt. Denn ab 1. Januar 2007 um Mitternacht gibt es das Elterngeld. Ob das Kind davor oder danach kommt, kann über große Einkommensunterschiede entscheiden – und den Lebensstil für lange Zeit prägen. Wie bei Verena und Frank Steinbrecht aus Hannover, deren Kind Anfang Januar auf die Welt kommen soll. Die monatelange Debatte um das Elterngeld haben sie genau mitverfolgt, sie haben ihre Fragen per E-Mail ans Familienministerium geschickt. Mit anderen werdenden Müttern tauscht sich Verena regelmäßig in einem Internet-Forum zum Thema Geburtstermin und Elterngeld aus. BILD

Im Gegensatz zum Erziehungsgeld, das bisher gezahlt wurde, ist das Elterngeld vom Einkommen desjenigen Elternteils abhängig, der wegen des Kindes aufhört zu arbeiten. Wer viel verdient, bekommt auch mehr fürs Kind, nämlich 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens des Elternteils, der sich für die Kinderbetreuung entscheidet, maximal 1800 Euro im Monat. Gezahlt wird das neue Elterngeld zwölf Monate lang, bis zu vierzehn Monate, wenn auch der arbeitende Partner mindestens zwei Monate lang Babydienst schiebt.

Ohne dieses Geldversprechen wäre Verena Steinbrecht womöglich nicht schwanger. »Das Geld war schon ein entscheidender Grund, doch noch diesen Schritt zu gehen«, sagt die 35-Jährige. »Schon länger hatten wir über ein Kind nachgedacht. Als es sich dann auch von der politischen Seite her günstiger entwickelte, haben wir gesagt: Jetzt oder nie!« Seit Jahren verdienen beide gut, er ist Sachbearbeiter in einer Bildungsakademie. Sie arbeitete als Sozialpädagogin, bis im September ihr Vertrag auslief. Jetzt ist sie arbeitslos.

Es gibt ein paar Hausmittel, aber das Kind kommt, wann es will

Das Kinderzimmer ist bereits komplett eingerichtet. »Wartet das Baby nicht bis ins neue Jahr, weiß ich nicht, wie wir unsere hohen Fixkosten bewältigen sollen«, sagt Verena Steinbrecht, und ihre Stimme klingt fast ein bisschen empört. »Dass es nun so schnell passierte, ist schon ein bisschen bedauerlich, denn der Arzt hat uns gesagt, dass es nach zehn Jahren Verhütung ein paar Monate dauern kann, bis ich schwanger werde. Es geschah dann schon nach dem zweiten Monat.«

Kommt das Kind noch in diesem Jahr, bekäme das Paar 300 Euro Erziehungsgeld. Dieses wird bis zu zwei Jahre lang gezahlt. Doch wenn ein Paar – wie im Fall der Steinbrechts – mehr als 30000 Euro netto im Jahr verdient, nur sechs Monate, danach liefe die staatliche Unterstützung aus. »Ich müsste mich sofort nach dem Mutterschutz, also acht Wochen nach der Geburt, wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen, um wenigstens Arbeitslosengeld I zu bekommen«, sagt Verena Steinbrecht. In ihren Albträumen sieht sie sich viel zu früh wieder arbeiten gehen und aus der großen Wohnung in eine kleinere umziehen, in die dann die alten Möbel genauso wenig passen wie die Vorstellungen, die sie sich von ihrem Leben gemacht hat. An Elterngeld, hat sie ausgerechnet, bekäme sie 900 Euro im Monat.

So ist die Schwangerschaft nun noch mehr zu einer Übung in Schicksalsergebenheit geworden. »Wir können die Situation nicht ändern und würden der Natur nie ins Handwerk pfuschen«, sagt sie. Wehenhemmer während der Geburt kämen nicht infrage, vielleicht wird Verena Steinbrecht das wehenverzögernde Magnesium etwas länger nehmen, aber mehr gestattet sie sich nicht.