Weinheim Puff überm Fahrradladen
Warum eine Kleinstadt in Baden-Württemberg zum Sex-Treff der Region wird.
Das Städtchen Weinheim, beschaulich am Rand des Odenwalds gelegen, zu Füßen zweier Burgen, sieht sich laut Eigenwerbung als »Erholungs- und Wohlfühlstadt«. Von den Großstädten der Region aus ist Weinheim mit dem Auto gut zu erreichen, aber auch nicht zu gut, was gewisse Vorteile hat, denn zur verkehrsgünstig gelegenen Wohlfühlstadt gehören zahlreiche, durchaus dezent untergebrachte Bordelle, diverse «Terminwohnungen« und ein Swingerclub, von dem noch die Rede sein wird – alles Etablissements, auf deren Schwellen die Besucher aus Frankfurt und Mannheim sicher ungern ihren Nachbarn über den Weg laufen würden.
Zu verdanken hat Weinheim die Ansiedlung dieses Gewerbes einem Standortfaktor besonderer Art. Es kommt nämlich auf die Größe an! – jedenfalls in Baden-Württemberg. Nicht etwa ihre Gelüste, allein die schiere Zahl der 42000 Weinheimer hebt ihren Wohnort heraus aus der Masse all jener noch kleineren Städte und Gemeinden im einwohnerstarken Rhein-Neckar-Kreis, die weniger als 35000 Einwohner haben, weshalb dort nach Landesrecht die Prostitution »zum Schutze der Jugend und des öffentlichen Anstandes« verboten ist. Weiter nördlich, im angrenzenden Hessen, werden Sperrbezirke oft noch restriktiver ausgewiesen, was das Einzugsgebiet der Weinheimer Bordelle vergrößert.
Noch prägen die Bordelle hier nicht das Stadtbild. Das »16« etwa, unweit vom Bahnhof und nur über eine Außentreppe zu erreichen, wirkt von außen unspektakulär. Viele Weinheimer begriffen überhaupt erst nach Jahren, wer sich da über einem Fahrradladen angesiedelt hat. Ein anderes Bordell befindet sich gegenüber von einem Spielplatz. Ein typisches Biedermeierhaus; einzig die rote Glühbirne und das Gitter vor der Tür deuten auf ungewöhnliche Aktivitäten hin.
Doch die Zeit der diskreten Kleinstadtprostitution scheint vorbei. Immer mehr private Investoren entdecken Weinheim als Sex-Standort ersten Ranges. Von »einer Flut von Anträgen« spricht Stadtbaudirektor Henning Keune und von 7000 Quadratmeter Rotlichtgewerbefläche, die Weinheim demnächst haben könnte.
Der Investor kündigt einen Shuttle-Service für Sextouristen an
Im April vergangenen Jahres genehmigte der Weinheimer Gemeinderat auf Empfehlung der Stadtverwaltung eine folgenreiche Bauvoranfrage: In einer baufälligen, denkmalgeschützten Mühle, die hoch über der Stadt aufragt, soll ein dreistöckiges Luxusbordell errichtet werden. Der Investor kalkuliert mit 100 Kunden pro Tag. In einer öffentlichen Veranstaltung malte sein Anwalt den Weinheimern in aller Unschuld eine goldene Zukunft im Massensextourismus aus, mit eigenem Shuttle-Service zwischen der Bordellmühle und dem Frankfurter Flughafen.
Möglicherweise war dieser Auftritt ein Fehler. Jedenfalls gibt es inzwischen eine Bürgerinitiative gegen das Weinheimer Zentralbordell, die Bündnis für Weinheim heißt und mit Gleichgesinnten aus anderen Ortschaften (etwa der BI Kein Bordell für Schorndorf) zusammenarbeitet. Drei dem Bündnis vorstehende Damen sitzen im Schlosscafé und schimpfen auf den Oberbürgermeister. Dieser gebe vor, gegen das Bordell zu sein, unternommen habe er aber wenig. Sie weisen auf Merkwürdigkeiten im Genehmigungsverfahren hin: dass etwa die Stadt kurz vor dem Bauantrag das Areal um die zerfallende Mühle zum Gewerbegebiet erklärt habe, wodurch die Puffanfrage doch erst möglich geworden sei.
Es sei »immer das gleiche Muster«, klagen die Bordellgegnerinnen: Die Stadtoberhäupter »kämpfen mit den Argumenten der Bordellbesitzer«. Stadträte würden unter Druck gesetzt, man drohe ihnen mit Schadenersatzforderungen und dass man sie persönlich haftbar machen werde.
Die Damen haben allerlei Belege und Zeitungsartikel gesammelt, ein Anwalt, der sich gut im Baurecht auskennt, begleitet sie. Sie bezeichnen Weinheim, ohne jede Ironie, als »Wolkenkuckucksheim« und als bedrohte »Insel der Seligen«.
Die Bürgerinitiative hat einen Bündnispartner, dem derlei Rhetorik fremd ist. Peter Lang, seines Zeichens Präsident des europäischen Swingerverbandes, ist Besitzer des Weinheimer Swingerclubs Quicky. Lang komme aus »gutem Hause«, wie er sagt. Er trägt graumelierte, lockige Haare, Schal und Pullover und könnte rein optisch auch als Filmemacher oder Art-Direktor durchgehen. Er fürchte das kriminelle Milieu (»Zuhälter und Luden«), das zusätzlich nach Weinheim gelockt würde, weshalb er die Bürgerinitiative, »diesen Rentnerclub«, erst einmal »aufgeklärt« habe, wie er es ausdrückt. Ihm, der aus dem »Kleinen Steuereinmaleins für Sexualdienstleister« zitiert, geht es aber auch um etwas anderes: Lang hofft mit seinem Engagement in der »Stadt aus Spießbürgern« auf soziale Akzeptanz.
Und was sagen die Weinheimer zu dem Konflikt? Die meisten reagieren auf die Frage nach der Bordellstadt halb belustigt, halb genervt. Ein junger Mann, der für Freudenberg, Weinheims größte Firma, arbeitet, nennt die Bürgerinitiative intolerant. »Die leben in ihrer heilen Welt und ignorieren, dass es käufliche Liebe gibt.« Auch Jimena Encarnita, die Wirtin der Kneipe Zapfhahn, in der manch Prostituierte gern trinkt und raucht, sieht das so: »Die gab es schon bei Jesus.«
Der Bürgermeister fordert ein »tragfähiges Bordellkonzept«
Wahre Experten für die örtliche Rotlicht-Infrastruktur sind Weinheims Taxifahrer. Einige werben regelrecht für dieses oder jenes Bordell. Es gibt aber durchaus auch Weinheimer, die die Entwicklung mit Sorge beobachten. »Wenn die Politiker nicht aufpassen, entsteht hier Chicago zwei«, unkt eine junge Mutter auf dem Weihnachtsmarkt.
Oberbürgermeister Heiner Bernhard, seines Zeichens Jurist, reagiert auf die Vorwürfe der Bordellgegner gelassen. Es herrsche nun einmal »Baufreiheit«, sagt er, und dass der Stadt das Mühlengrundstück nicht gehöre. Weinheim, sagt er, müsse jetzt erst einmal ein tragfähiges »Bordellkonzept« entwickeln.
Zum Thema
Gesang im Bordell
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Der Sänger Roger Stein forscht über Chansons käufliche Liebe »
- Datum 11.12.2006 - 13:13 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 07.12.2006 Nr. 50
- Kommentare 7
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Was der 'AlteDessauer' dazu schreibt, besonders im ersten Absatz ist sowas von Dumm, kaum auszuhalten. Freischuss für den OB, wo ist hier Dein Wertegefühl für andere Menschen geblieben.
Was der Verfasser (Schlieben) hier verzapft hat, ist seriösem Journalismus der 'ZEIT' nicht würdig. Objektivität ist hier nicht gefragt, sonst hätte er die Reaktionsmöglichkeiten einer Stadt auf solche Anfragen richtiger dargestellt.
Alleine der Satz: 'denkmalgeschützte Mühle, die hoch über der Stadt aufragt', ich frage mich wo der Herr war, in welcher Stadt. Kein Mensch sieht bei uns die Mühle, es sei denn er fährt direkt dran vorbei'. Soviel zum Wahrheitsempfinden des Herrn Schlieben.
Leute, was ist bloß los bei euch?
Der Text wird ohne jeden Absatz wiedergegeben. Das sieht ja zum Kotzen aus!
Bekommen das eure Lehrlinge nicht hin, oder was ist da los? Das hat doch vorher auch geklappt.
Direkt nach dem Absenden*) sieht es richtig aus, sehe ich es mir aber im IE 7 oder Firefox an ist alles zusammengeklatscht. Kein zeilenumbruch, kein Absatz.
*)Schicke mal einen Screenshot davon an kommentare@...
Ja, ein Schrott diesen neuen Kommentare. Ich will da auch nicht draufklicken müssen, damit die flicker flacker runter klappen und ich weiter lesen kann. Keep it simple.
Trotzdem waere es mir etwas zu weit, es sei denn die Damen sind handverlesen und koennen auch etwas Deutsch, das Interior ist gediegen und es gibt eine schicke Bar. Aber wahrscheinlich wird es nur eine Absteige, trotz Muehle.
Ein 'Mühlen-Luxusbordell', schau, schau. Und das auch noch in so einem Provinzkaff. Dem Oberbürgermeister kann man nicht ernsthaft einen Vorwurf daraus machen, daß er hier umgefallen ist. Wahrscheinlich haben ihm die künftigen Betreiber einen 'Freischuß' pro Woche in ihrem Luxuspuff angeboten, und da kann so ein gestandenes Mannsbild schon schwach in der Hose werden.
Aber etwas stört mich ja doch an der ganzen Sache, dieser Mühlen-Luxuspuff ist ein direkter Frontalangriff auf die Sexy-Hauptstadt der Nation. Das kann Berlin so nicht einfach hinnehmen, aber wie läßt sich das noch überbieten; neudeutsch toppen? Hier mein Vorschlag an Party-Wowi: Ein Bordell im Fernsehturm am Alexanderplatz.
Welche Stadt auf diesem Planeten hat schon einen Puff, einen Edelpuff, in 300 Meter Höhe?
Wer hat es schon mal in einem 300 Meter hochgelegen Puff getrieben, der sich auch noch um seine Achse dreht? Na also! Damit stünde Berlin wieder ganz oben, so wie es sich für eine Sexyhauptstadt auch gehört. Diese Herausforderung wird den Provinzlern da unten noch leid tun.
Weinheim, zieh dich warm an!
Und technisch sowie designerisch besch***en umgesetzt. Giftgrün unterlegte Titelzeilen!
Muss das sein?
Was soll uns das sagen?
Zeitweise war für mich das Forum unter Mozilla gar nicht verfügbar.
Beim Schreiben dieser Zeilen fallen mir margentafarbene Accessoirs in zwei Anzeigen auf in denen die ZEIT für sich selbst wirbt. Ist die ZEIT vielleicht von der ehemaligen Bundespostbehörde gekauft worden? Die heute mit zu den übelsten Schreihälsen im Internet gehört. Vielleicht bekommen ZEIT-Abonenten und Premium-Kunden ja demnächst auch einen Klingelton in der Woche zum freien Download geschenkt.
Wie schön war doch der schlichte, elegante, ZEITlose Stil vor diesem Müll!
Haben Sie bei der ZEIT denn keine CI/CD-Beauftragte?
Und technisch sowie designerisch besch***en umgesetzt. Giftgrün unterlegte Titelzeilen!
Muss das sein?
Was soll uns das sagen?
Zeitweise war für mich das Forum unter Mozilla gar nicht verfügbar.
Beim Schreiben dieser Zeilen fallen mir margentafarbene Accessoirs in zwei Anzeigen auf in denen die ZEIT für sich selbst wirbt. Ist die ZEIT vielleicht von der ehemaligen Bundespostbehörde gekauft worden? Die heute mit zu den übelsten Schreihälsen im Internet gehört. Vielleicht bekommen ZEIT-Abonenten und Premium-Kunden ja demnächst auch einen Klingelton in der Woche zum freien Download geschenkt.
Wie schön war doch der schlichte, elegante, ZEITlose Stil vor diesem Müll!
Haben Sie bei der ZEIT denn keine CI/CD-Beauftragte?
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