Ulla Unseld-Berkéwicz beugt sich leicht vor. "Was so gemein ist", sagt die Verlegerin: "Jetzt ist alles ruhig, alles schön, alles versteht sich gut, wir haben die tollsten Pläne – und jetzt kommt so eine hässliche Geschichte!" Und nach einer Pause, kühler im Ton: "Die juristische Seite ist sicher. Wir werden mit diesen Leuten nichts zu tun haben."

"Diese Leute", das sind Hans Barlach und Claus Grossner, zwei Hamburger Investoren, die vor wenigen Wochen die Anteile der Schweizer Unternehmerfamilie Reinhart an Suhrkamp gekauft haben: 29 Prozent. "Die hässliche Geschichte" indessen steht mittlerweile im Plural. Lauter hässliche Geschichten fliegen zwischen Frankfurt und Hamburg hin und her. Gerüchte, Drohungen, SMS, in sich steigerndem Tempo und Tremolo.

Mag sein, die Buchbranche ist eine besonders hysterische. Aber Suhrkamp ist eben auch ein besonderer Verlag. Ein Triumvirat stand am Anfang: Hermann Hesse, Georg Reinhart, Siegfried Unseld – der Dichter des Siddhartha, dessen Schweizer Unternehmerfreund als literaturliebender Aktionär und eben Unseld. Geist, Geld und ein junges Verlegertalent im alten, emphatischen Sinne. Was für ein schönes, goethezeitliches Bild.

Hesse ist lange tot, Unseld seit vier Wintern. Sein Sohn enterbt, das Verhältnis zur Witwe des Vaters zerrüttet. Ein geschäftsführender Kronprinz nach dem anderen rausgeworfen, wichtige Autoren gegangen. Walser, Kehlmann, Kertész. Und nun beendet Andreas Reinhart über 50 Jahre Geschichte seiner Dynastie mit Suhrkamp und verkauft seine Anteile an die beiden Hamburger. Für rund acht Millionen Euro, wie zu hören ist.

Die seien doch bloß Strohmänner, hinter ihnen stehe irgendein Konzern, der den unabhängigen Suhrkamp Verlag schwächen und am Ende fressen wolle – funkt Frankfurt. Hamburg dementiert das heftig und meldet seinerseits nach erster Akteneinsicht, unter dem Regime der Witwe herrsche unkontrolliertes Missmanagement. Sogar die Tatsachen sind strittig. Der Verkauf der Schweizer Anteile an die Hamburger sei null und nichtig, sagt Frankfurt. Aktien dürften nur mit Zustimmung der anderen Aktionäre verkauft werden.