Fussball »Nie ausschließen«

Jürgen Klinsmann spricht über die WM, seine Gefühle, die Zukunft - und über die Möglichkeit, wieder deutscher Nationaltrainer zu werden

Bei der letzten Begegnung, vor dem WM-Spiel gegen Argentinien, war er einer der berühmtesten Männer der Welt, abgeschirmt, sich selbst abschirmend. Heute kommt er uns in der South Coast Plaza entgegen, der größten Shopping-Mall im südlichen Kalifornien, 25 Kilometer von seinem Wohnort Huntington Beach entfernt – unbeachtet, entspannt. Er lebt seit 1998 in den USA mit seiner amerikanischen Frau Debbie, sie sind seit 1995 verheiratet. Über zwei Stunden Spanisch, Einzelunterricht, liegen hinter Jürgen Klinsmann, es ist mittags. »Spanisch lernen, das nehme ich mir zweimal in der Woche raus«, sagt er, »die Eins-zu-eins-Situation mit der Lehrerin ist ideal, da gibt es kein Entkommen.« Klinsmann hatte vorgeschlagen: »Wir treffen uns am Kinderkarussell.« Beim Italiener bestellt er Wiener Schnitzel. »Das machen meine Frau Debbie und ich oft, wenn wir hier sind«, sagt der Mann, der Deutschland das Sommermärchen ermöglichte und dann verschwand.

DIE ZEIT: Herr Klinsmann, während in Deutschland die Rückblicke auf 2006 Ihr Werk nochmals als wichtigstes Ereignis des Jahres feiern, bleiben Sie in Deckung. Warum?

Jürgen Klinsmann: Weil es nicht um meine Person geht, sondern um diese großartige Zeit im Sommer.

ZEIT: Natürlich geht es auch um Sie…

Klinsmann: Was will man von mir? Dass ich für fünf oder zehn Minuten, zwangsläufig oberflächlich, etwas kommentiere, was für die meisten, die es betrifft, viel, viel tiefer ging? Das ist nicht meine Sache.

ZEIT: Man wollte Sie auszeichnen, Ihnen Preise verleihen. Sie haben abgelehnt.

Klinsmann: Woher wissen Sie das? Wissen Sie, was die Wahrheit ist: Entweder jemand bekommt einen Preis wegen seiner Leistung oder weil er zusagt, zur Preisverleihung zu kommen. Wenn er dann nicht kommt, kriegt er eben den Preis nicht. So läuft das. Das ist im Übrigen das gute Recht jedes Preisverleihers.

ZEIT: Das Bundesverdienstkreuz haben Sie verliehen bekommen – in Ihrer Abwesenheit.

Klinsmann: Die Verleihung empfinde ich als große Ehre. Der Bundespräsident weiß, dass ich es sehr gerne persönlich entgegennehme, wenn ich das nächste Mal in Deutschland bin. Es gibt da keine Missverständnisse. Ansonsten können wir es gerne auch in Los Angeles machen.

ZEIT: Haben Sie eigentlich die Endfassung von Sönke Wortmanns Sommermärchen gesehen?

Klinsmann: Nein, ich kenne nur den Rohschnitt. Vielleicht schauen wir uns das mit der Familie über die Weihnachtstage an.

ZEIT: Erkennen Sie sich und Ihre Arbeit in der Rohfassung des Films wieder?

Klinsmann: Nein, aber auch hier ging es nicht um mich. Als ich mit Sönke Wortmann die Rohfassung angeschaut habe, ging es darum, ob Spieler, Betreuer irgendwie unglücklich wegkommen. Das war die Absprache – und meine Aufgabe, als ich den Rohschnitt sah.

ZEIT: Es geht in dem Film vor allem auch um Sie. Finden Sie sich sympathisch?

Klinsmann: Wenn Sie auf die Kabinenansprachen anspielen, so kann ich nur sagen: Das ist ein Ausschnitt, kein wichtiger, das sind die letzten Minuten vor einem Spiel, eine Ausnahmesituation. Die authentischen Situationen laufen in den zwei Stunden davor ab, wenn ich mit den Spielern einzeln spreche, sie beobachte. In der Kabine ist das dann reine Intuition, da geht es nur darum, die Jungs positiv emotional aufzuladen. Da verliert man dann schon mal ein Stück weit die Kontrolle über seine Wortwahl.

ZEIT: Haben Sie sich erschrocken?

Klinsmann: Nein, aber als ich das gesehen habe, habe ich gedacht: Um Gottes willen, wie führst du dich denn da auf?

ZEIT: Das bleibt bei Millionen Deutschen als Bild des Trainers Klinsmann hängen. Unangenehm?

Klinsmann: Nein. Die Menschen, die mir wichtig sind, kennen das wirkliche Bild.

ZEIT: Können Sie versuchen, es den Nichtwissenden zu beschreiben?

Klinsmann: Ohne jetzt wirklich pathetisch zu werden: Ich glaube, dass mich mit der Mannschaft und den meisten aus dem Trainerstab wirklich etwas verbindet, was für immer bleibt, vor allem emotional. Die Leute wissen, dass, wenn sie ein Problem haben, ich mich noch in der Nacht in den Flieger setzen würde, um ihnen zu helfen. Vielleicht kann man so eine Beziehung nicht zu allen gleichermaßen aufbauen.

ZEIT: Nennen Sie doch einen, von dem man es nicht vermuten würde.

Klinsmann: Ich möchte damit nicht hausieren gehen, aber nehmen Sie unseren Busfahrer Wolfgang Hochfellner. Der weiß: Wenn er mich braucht, bin ich da.

ZEIT: Manche Spieler, aber auch Leute aus dem Umfeld sagen heute, sie hätten manchmal Angst vor Ihnen gehabt.

Klinsmann: Ich glaube, mit Verlaub, dass niemand Angst vor mir haben musste. Was richtig ist: Ich habe nicht zugelassen, dass während des Turniers die Spannung nachlässt. Wir haben 1994 die WM versemmelt, weil drei, vier meiner Mitspieler persönliche Dinge in den Vordergrund gestellt und den Fokus verloren haben. Das habe ich den Jungs gesagt: Wenn einer von euch auch nur einen Tag nicht unter Strom steht, vermasselt er uns das Turnier. Dass dies als Druck wahrgenommen wurde, glaube ich gern. Das war auch so beabsichtigt.

ZEIT: Ihr Nachfolger Joachim Löw scheint auch ohne auszukommen.

Klinsmann: Ich habe dem DFB nach der WM gesagt, es gibt nur einen in Deutschland, der unsere Philosophie fortführen kann – und das ist Jogi Löw in seiner unglaublich sympathischen Art. Und die Erfolge geben ihm Recht.

ZEIT: Es gibt die Aussage von Ihnen, die anscheinend im Widerspruch zu Ihren Kabinenauftritten vor der Nationalelf zu stehen scheint: Wer vor dem Spiel ein Lächeln im Gesicht trägt, kann gar nicht schlecht Fußball spielen.

Klinsmann: Das ist auch so. Wenn Sie wüssten, wie viel wir gelacht haben in den zwei Jahren, Sie hätten Ihre Frage nach der Angst nicht gestellt. Meine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass der Hebel wieder umgelegt wird.

ZEIT: Wenn Sie heute Bundesligaspiele schauen, ertappen Sie sich dabei, dass Sie noch als Cheftrainer denken, zum Beispiel: »Der Gomez aus Stuttgart, das wäre ein Stürmer für uns«?

Klinsmann: Nein, so weit geht es nicht mehr. Aber wenn mir einer auffällt, dann erwähne ich das oft beim nächsten Telefonat mit dem Jogi. Meistens sind wir da, wie früher, einer Meinung.

ZEIT: Gab es während der vier Weltmeisterschaftswochen auch nur eine Sekunde, in der Sie erwogen haben, von Ihrem zuvor gefassten Entschluss Abstand zu nehmen, nach dem Turnier zurückzutreten?

Klinsmann: Der Entschluss stand nicht fest. Ich wusste und habe das auch mit meiner Frau Debbie so besprochen: Lass uns das Turnier leben und genießen. Was danach kommt, war während dieser Zeit total ausgeblendet. Debbie hat immer gesagt: Du musst wissen, was für uns gut ist.

ZEIT: Auch so kann Druck entstehen.

Klinsmann: Komplett falsch interpretiert. Ich war und bin frei, zu entscheiden. Und es war meine Entscheidung, zu gehen. Dafür bin ich meiner Frau sehr dankbar. Die Kinder nicht aufwachsen zu sehen, das wäre ja auch zu meinen Lasten gegangen und nicht nur zu ihren.

ZEIT: Es war wirklich offen, ob Sie bleiben?

Klinsmann: Zugegeben, die Chance war sehr gering. Aber entschieden haben wir das erst nach dem letzten Spiel um Platz drei in Stuttgart.

ZEIT: Was hat die kleine Chance zerstört?

Klinsmann: Dass wir, als Familie, dieses Leben der vergangenen zwei Jahre nicht weiterleben wollten. Man kann so einen Job nicht mit einer Ehe und zwei kleinen Kindern verbinden. Oft habe ich in den letzten zwei Jahren, wenn ich zu Hause war, gedacht: Mensch, jetzt bist du bei der Familie, aber eigentlich im Kopf ganz woanders. Meine Tochter ist fünf, mein Sohn neun Jahre alt. Ich würde mir nicht verzeihen, wenn ich sie in dieser Phase vernachlässigen würde.

ZEIT: Beneidenswert unabhängig, werden manche sagen. Weltfremd, urteilen andere.

Klinsmann: Ich glaube, dass jede Familie für sich entscheiden muss, wie man Beruf und Privates unter einen Hut bringt. Jeder hat dabei eine andere Ausgangsposition. Aber ich kann mir nicht ständig Gedanken machen, wie das andere Leute beurteilen würden.

ZEIT: Aber möglicherweise künftige Arbeitgeber. Schon als Spieler galten Sie als Flüchtiger.

Klinsmann: Es ist wahr, dass ich immer, wenn es mir an der Zeit schien, mich weiterzuentwickeln, dies auch vorangetrieben habe. Das war im Übrigen, jenseits aller Erfolge oder Misserfolge, auch das Maß der Dinge für die WM: Alle sollten danach einen Schritt weiter sein. Ich glaube, das haben wir in den allermeisten Fällen erreicht. Das gilt auch für mich.

ZEIT: Sie sagen, dass Sie schon bald wieder als Trainer arbeiten wollen – wie geht das mit der Devise »family first« zusammen? Das klingt eher nach Söldnertum.

Klinsmann: Absurd! Man muss differenzieren. Ich weiß, dass ich, solange die Kinder nicht selbstständig sind, wohl kaum als Vereinstrainer arbeiten werde. Das Engagement bei einem Spitzenverein ist mit einem Familienleben schwer zu vereinbaren. Was nun den Job als Nationaltrainer angeht, so habe ich nur mit den USA verhandelt, weil dies im Moment die einzige Möglichkeit gewesen wäre, Beruf und Privatleben zu verbinden. Dass es nicht geklappt hat, ist schade.

ZEIT: Es gab also keinen Plan B?

Klinsmann: Natürlich gab es den, und der hieß: meinen Full-Time-Job bei der Firma Soccer Solutions, deren Teilhaber ich bin, weiterzumachen.

ZEIT: Hat Sie auch die Aussicht auf triste EM-Qualifikationsspiele davon abgehalten, Deutschland weiter zu trainieren? Die Furcht vor den Niederungen des Alltags?

Klinsmann: Glauben Sie im Ernst, dass es leichter war, über zwei Jahre Freundschaftsspiele auszutragen, als eine EM-Qualifikation, bei der man die Spieler viel zielbewusster einstimmen kann?

ZEIT: In der ersten Juli-Woche hätten Sie vermutlich in Deutschland bei demokratischen Wahlen absolute Mehrheiten erzielt. Sie galten als Hoffnungsträger der Nation. Ist Ihnen Deutschland in diesem Jahr näher gekommen?

Klinsmann: Mir persönlich ist dieses Land immer nahe gewesen, auch in den sechs Jahren, bevor ich Nationaltrainer wurde und in den USA lebte. Ich bin gut informiert, über das Internet, habe Spiegel, stern und kicker abonniert. Ich empfange deutsches Fernsehen. Mir ist wichtig, was die Menschen in Deutschland bewegt.

ZEIT: Das kommt bei den Menschen in Deutschland aber nicht wirklich an.

Klinsmann: Möglicherweise hat das damit zu tun, dass viele Nähe mit physischer Präsenz gleichsetzen und mit Ritualen. Beides war mir nie wichtig. Auch als Spieler musste ich nicht mein Bier trinken oder meine Bockwurst essen, um mich als Deutscher zu fühlen. Auch damals habe ich schon lieber italienisch gegessen, aber Deutschland ist meine Heimat, das Land meiner Eltern, das Land, das ich liebe.

ZEIT: Und das Sie nicht mehr wirklich kennen.

Klinsmann: Ja, das mag schon sein. Die Familie meines Vaters stammt aus der DDR, ein Teil unserer Familie lebt also in Ostdeutschland. Diesen Landesteil irgendwann einmal meiner Frau und meinen Kindern zu zeigen, das wiedervereinigte Deutschland auch selbst kennen zu lernen, das ist ein großer Wunsch. Im Augenblick steht das aber nicht an. Zum einen, weil ich es nicht ungestört tun könnte, zum anderen, weil die Kinder noch zu jung sind.

ZEIT: Können Sie sich vorstellen, irgendwann einmal wieder in Deutschland zu leben?

Klinsmann: Natürlich. Vor allem aber denke ich auch da an unsere Kinder. Vielleicht wollen die ja mal in Deutschland studieren. Das wird dann spannend, das Land wiederzuentdecken; durch die Augen der Kinder. Ja, das wäre faszinierend.

ZEIT: Ihre Familie war während der Weltmeisterschaft in Deutschland unterwegs, unerkannt. Was hat sie Ihnen berichtet?

Klinsmann: Debbie und die Kinder sind viel Zug gefahren, obwohl ich immer gesagt habe: Mensch, fliegt doch lieber. Kurz vor dem Endspiel wollten sie noch mal von Berlin in den Schwarzwald, da hat mein Sohn Jonathan gesagt: Was sollen wir fliegen, acht Stunden Autofahrt sind doch nicht viel. Da kam der Amerikaner in ihm durch.

ZEIT: Was waren die bleibenden Eindrücke?

Klinsmann: Natürlich war diese Euphorie auch für sie dominierend. Sie haben auf dieser Autofahrt die Fahnen an den Fenstern gesehen, die Begeisterung der Menschen. Das war auch für meine Frau überraschend. So hatte sie sich Deutschland nicht vorgestellt. Seien wir ehrlich: Keiner hätte sich das vorher so vorgestellt.

ZEIT: Hat irgendetwas, irgendwer Ihr Herz erreicht in diesen vier Wochen?

Klinsmann: Ja, aber das ist gar nicht so einfach. So eine wirkliche Verbindung kann nur entstehen, wenn beide Seiten unabhängig sind, wenn nicht einer vom anderen abhängig ist.

ZEIT: Das klingt sehr kopfgesteuert. Als Angela Merkel Sie nach dem Spiel um Platz drei in den Arm nahm und die Augen schloss, glaubte man zu sehen: Die mag Sie wirklich, ganz kopflos.

Klinsmann: Ja, die Kanzlerin hat dies mit unserer Umarmung wirklich wunderbar ausgedrückt. Das war Ehrlichkeit pur. Sie war stolz, und sie war glücklich, was wir geleistet haben. Sie ist unabhängig in ihrer Welt, ich bin es in meiner. Sie braucht mich nicht, sie verspricht sich keinen Nutzen von mir, wie auch? So findet man zueinander. Das sind Momente, in denen man, würde man in den USA sagen, eine Win-win-Situation hat. Beide geben etwas – und beide gewinnen.

ZEIT: Sie brauchen Unabhängigkeit, um geben zu können?

Klinsmann: Lassen Sie uns das jetzt nicht überhöhen. Aber ich weiß von mir: Ich kann mehr aus mir rausholen, mehr aus mir herausgehen, wenn ich weiß, dass es keine äußeren Zwänge, keine Abhängigkeiten gibt.

ZEIT: Bedeutet Unabhängigkeit auch immer, jederzeit gehen zu können?

Klinsmann: In diesem Sinne ist mir Unabhängigkeit überhaupt nicht wichtig. Manchmal ist die Unabhängigkeit auch ein falscher Ratgeber.

ZEIT: Geben Sie uns ein Beispiel dafür?

Klinsmann: Damals, als es die Schwierigkeiten mit Lothar Matthäus und dem FC Bayern München gab, hätte ich das vermutlich durchziehen sollen, in München bleiben, anstatt von meiner Unabhängigkeit Gebrauch zu machen und zu gehen. Wäre ich geblieben, hätte das zu einer richtig festen Verbindung führen können.

ZEIT: Ein sehr theoretischer Gedanke: Wären Sie noch deutscher Nationaltrainer, wenn es möglich gewesen wäre, die Nationalelf und Ihr Familienleben unter einen Hut zu bekommen?

Klinsmann: Natürlich, dann hätte ich sofort weitergemacht. Diese Mannschaft, das Team drum herum, das war über zwei Jahre lang mein Leben.

ZEIT: Sie wären trotz der aller Voraussicht nach weiterbestehenden Widerstände, all der Kommentatoren und der Boulevardpresse geblieben?

Klinsmann: Eine der Lehren, die ich aus dieser unglaublichen Zeit im Sommer gezogen habe, ist, dass sich auch die Beziehungen zu Menschen verändern, bei denen man es nicht glaubt.

ZEIT: Wer von jenen, von denen Sie als Totengräber des deutschen Fußballs beschrieben worden sind, hat sich bei Ihnen entschuldigt?

Klinsmann: Niemand, aber darauf kommt es gar nicht an. Ich glaube, die Menschen, auf die Sie anspielen, frühere Mitspieler, Bundesligamanager, Kommentatoren, haben für sich aus der Entwicklung in diesen Jahren auch gelernt. Genau wie ich.

ZEIT: Das klang während des Turniers noch ganz anders.

Klinsmann: Die, auf die es ankommt, nehmen Sie als Beispiel Franz Beckenbauer oder auch Uli Hoeneß, sind auch unabhängige Menschen, die müssen sich nicht entschuldigen, um mir Respekt zu bekunden. Dass ich, vom Ergebnis her gesehen, in vielen Fragen Recht behalten habe, spielt auch keine Rolle. Es hätte auch anders kommen können, dann wäre ich gefeuert worden. Dieses Bewusstsein meinerseits reicht aus, um ihnen zu signalisieren, dass es durchaus eine gemeinsame Basis, sogar eine gemeinsame Zukunft geben kann, irgendwo, irgendwann. Vielleicht.

ZEIT: Können Sie ausschließen, irgendwann wieder in Deutschland zu arbeiten, sei es als Nationaltrainer oder im Verein?

Klinsmann: Im Augenblick: ja.

ZEIT: Aber bemühen wir – es geht ja auf Weihnachten zu – kurz die Ewigkeit.

Klinsmann: Die Ewigkeit? Da reicht mir schon die Dauer meines Berufslebens. Wenn man mir vor drei Jahren gesagt hätte, dass ich die deutsche Nationalmannschaft trainieren würde, hätte ich das für ausgeschlossen erklärt.

ZEIT: Und heute?

Klinsmann: Heute weiß ich, dass man Dinge, auch das, nie ausschließen sollte.

Das Gespräch ist zu Ende. Auf dem Weg zu einem der Großparkplätze der Shopping-Mall die letzte Frage: Wann feiern Sie mit den Kindern Weihnachten? Am 24. Dezember, wie in Deutschland, oder am 25., wie in den USA? »Am 24. abends gibt’s die Geschenke aus Deutschland«, sagt Klinsmann, »und am 25. morgens die von der amerikanischen Verwandtschaft.«

Jürgen Klinsmann, 42, führte die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der WM im Sommer als Bundestrainer auf Platz 3 – und zog sich anschließend ohne viele Worte wieder zu seiner Familie nach Kalifornien zurück

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Leser-Kommentare
  1. Herrn Klinsmann wollte doch zu Anfang niemand!

    Kein richtiger Trainer, zumindest keine ausreichende Erfahrung, dazu muss man ein wenig aelter sein als er!

    Weil sich aber niemand anderes fand, hat man Klinsmann akzeptiert!

    Nie war er die erste Wahl!

    Warum nicht?

    Weil er nur die Rosinen rauspicken wollte!

    Der deutsche Fussball hat sich keinen Gefallen getan fuer die Nationalmanschaft einen unerfahrenen Trainer zu akzeptieren, der auch noch in den USA lebt!

    Kyoto-Protokoll, Energiesparen: alles voellig egal, wenn es um Fussball geht!

    Mehr als laecherlich!

    Herr Klinsmann soll in Frieden mit seiner Familie leben, in den USA, aber mit seiner Arroganz aufhoeren: die Steuern, die ich zahlen muss, damit er in Los Angeles sein Bundesverdienstkreuz umgehaengt bekommt, die haette ich bitte sehr gerne zurueckueberwiesen auf mein Konto!

    Ein Trainer in Deutschland, der haette den Titel geholt!

  2. Ein Trainer aus Deutschland hätte den Titel geholt??? So wie bei der EM 2004 (Endstation Vorrunde unter Völler) oder bei der EM 2000 (Vorrunde unter Ribbeck) oder wie bei den WM 1994 und 98 (jew. Viertelfinale unter Vogts)? Ausnahmen waren lediglich die WM 2002 (Finale) und die EM 1996 (Titel).

    Aber ich vergaß, dass Herr Klinsmann in den USA lebt, ist natürlich ein geradezu unglaubliches Verbrechen, das er mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden müsste, stimmt's?

    Wissen Sie, wenn ich Ihren Kommentar hier so lese, dann bin ich froh, dass wir am Ende nicht Weltmeister geworden sind. Die Spieler hätten's verdient gehabt, aber viele Bürger offenbar nicht. Dieses endlose, minderwertigkeitsgesteuerte, neidbehaftete, antiamerikanische Geseiere ist einfach unerträglich. Was hat denn Fußball verdammt noch mal mit dem Kyoto-Protokoll zu tun? Wie viele Diktaturen waren denn bei der WM dabei und sind von Leuten wie Ihnen mit offenen Armen empfangen worden?

    Ich kann für Sie und viele Ihrer Mitstreiter nur hoffen, dass Sie es schaffen mögen, an Ihrem Charakter zu arbeiten. Bis dahin bleibt bei mir in bezug auf einem Gewinn internationaler Fußball-Titel ehrlich gesagt ein gewisses Unwohlsein.

  3. Ob Sie es nun glauben oder nicht, ist mir das relativ wurscht, wer Weltmeister war oder wird!

    Ich schreibe manche Dinge provokativ und verfolge Ziele, die erst beim Nachdenken offensichtlich werden!

    Und da habe ich doch mal wieder recht: wissen Sie was das Kyoto-Protokoll beinhaltet?

    Das hat nichts mit Diktaturen zu tun, auch wenn ich sehr regelmaessig darueber schreibe!

    Was Sie noch nicht begriffen haben, ist:

    es gibt viele wichtigere Dinge als Fussball!

    Wenn ein deutscher Fussballtainer zu jedem Training eingeflogen werden muss, dann ist das nicht akzeptabel, weil er die Luft unnoetig weiter belastet!

    Alle Vereinbarungen zur Reduktion des Kohlendioxid-Ausstosses werden doch hinfaellig, wenn man so etwas akzeptiert!

    Herr Klinsmann ist ein laechelndes und bewundertes Beispiel, wie man mit bestem Gewissen unsere Erde zugrunderichtet!

    Auch ich kann mich ueber Fussball freuen, auch ueber deutsche Erfolge, aber bitte doch nicht um jeden Preis!

  4. Wenn es Ihnen doch nur um politische Dinge geht, warum schreiben Sie dann in dieser Rubrik und nicht in einer, die sich z.B. mit dem Kyoto-Protokoll befasst? Oder ist der Punkt am Ende nicht doch ein ganz anderer? Wäre Herr Klinsmann nicht aus Amerika eigeflogen worden, sondern aus einem anderen Land, dann hätten Sie diesen Kommentar so nicht geschrieben, stimmt's?

    Wir müssten natürlich - würde man Sie ernst nehmen - auf Fußball-Weltmeisterschaften und andere sportliche Großereignisse ab sofort verzichten. Allein die Anreise der Sportler ist ein unerträgliches Vergehen an der Umwelt. Ach - bevor ich es vergesse - bitte fliegen oder fahren Sie nie wieder in den Urlaub, Sie verpesten damit die Luft. Denn Urlaub ist etwas sehr schönes, aber doch nicht um jeden Preis, nicht wahr?

    Aber im Ernst, Ihr charakterliches Defizit liegt einfach darin, dass Sie für sich Dinge in Anspruch nehmen, die Sie anderen nicht zugestehen. Sie teilen dieses Defizit mit vielen Landsleuten, leider.

  5. So habe ich mir das vorgestellt:

    bevor die Welt sich aendert, muss ich ersteinmal ein Heiliger werden: nur noch zu Fuss, Fahrrad, mein Auto verkaufen, auf Urlaub verzichten!

    Das ist nicht so, doch bin ich in der gluecklichen Lage zur Arbeit mit dem Fahrad fahren zu koennen, was ich ansonsten soweit moeglich auch tue!

    Allerdings habe ich ein Auto und war dieses Jahr auf Kreta!

    Ha, erwischt!

    Weil ich einmal im Jahr in Urlaub fliege, darf Herr Klinsmann zwischen Kalifornien und Deutschland pendeln!

    Und da sage ich eben No!

    Das hat kein Mass mehr!

    Jeder von uns produziert Kohlendioxid solange er atmet!

    Auf die Menge kommt es an!

    Und dieses Thema gehoert ueberall hin, auch in den Sportteil!

    PS: Wenn Herr Klinsmann in Australien leben wuerde, dann waere das uebrigens doppelt so schlecht gewesen!

  6. Nur mal zu Ihrer Information: Ob Herr Klinsmann nun mit dem Flugzeug einfliegt, oder nicht, und woher, ist eigentlich relativ egal, weil der Flieger ohnehin geht, ob nun mit Herrn Klinsmann an Bord, oder ohne ihn. Sie müssten dann schon für eine generelle Reduktion des Flugverkehrs eintreten, tun Sie aber bisher nicht. Ihr Kommentar hatte eine ganz andere Stoßrichtung. Übrigens: Australien oder die USA, was Ihrer Meinung nach schlimmer ist, war nicht der Punkt meiner Entgegnung. Ich sagte, dass Sie den Artikel so nicht geschrieben hätten, würde Herr Klinsmann aus z.B. Australien einfliegen.

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