Gesellschaft

Deutsche Angst

In manchen Gegenden Deutschlands ballen sich die gesellschaftlichen Probleme - es herrschen Abstiegsängste, Orientierungslosigkeit und Fremdenfeindlichkeit. Ein Forschungsbericht

Zwei große Themen bestimmen aktuell die Tagesordnung dieser Gesellschaft: die politischen Dauerprobleme der Arbeitslosigkeit und des Umbaus des Wohlfahrtsstaates sowie die immer wiederkehrende Debatten und Kampagnen um kollektive Identität, Patriotismus und Leitkultur. Die rhetorischen Kämpfe um die technischen Details von so genannten Reformen und die Identitätskampagnen verstellen zugleich den Blick auf die dramatischen gesellschaftlichen Veränderungen und ihre negativen Folgen, die wir seit dem Beginn unseres Forschungsprojekts 2002 beobachten und die besonders konzentriert auftreten in manchen Gemeinden, (Klein-)Städten, Regionen und Bundesländern, also sozialräumlich verdichtet. Entstehen oder verhärten sich gar Problemzonen, in denen die Ängste vor sozialer Desintegration und menschenfeindliche Mentalitäten besonders auffällig sind?

Unsere diesjährige Analyse der feindseligen Mentalitäten gegenüber schwachen Gruppen, wie wir sie in unserem jährlichen Bericht über »Deutsche Zustände« beschreiben, zeigt drei auffällige Entwicklungslinien: Das Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit mit deutlicher Zustimmung dazu, dass es zu viele Ausländer im Lande gebe und sie nach Hause geschickt werden sollten, wenn die Arbeitsplätze knapp würden, nahm in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Dies gilt auch für die subtile Abwehr jener Gruppen, gegenüber denen Etabliertenvorrechte reklamiert werden.

Ebenso hat die Islamfeindlichkeit unübersehbar zugenommen, beispielsweise die generalisierte Ablehnung der Auffassung, dass der Islam eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht habe.

Beim Antisemitismus ist bemerkenswert: Zwischen 2003 und dem Frühjahr 2006 registrierten wir einen stufenartigen Rückgang der klassischen Facetten des Antisemitismus, wie er sich beispielsweise in der Aussage, dass »Juden zuviel Einfluss haben«, zeigt. Als wir aus Anlass der militärischen Auseinandersetzung zwischen der israelischen Armee und Hisbollah im August eine Nacherhebung durchführten, zeigte sich ein Anstieg auf das Niveau von 2002. Gleichwohl ist dies kein hinreichender Grund, die aktuelle Situation mit der Stimmung »vor 1933« zu vergleichen.

Wenn es um den Mentalitätszustand dieser Gesellschaft geht, spielen weniger diejenigen eine besondere Rolle, die sich selbst an den linken oder rechten Rändern des politischen Spektrums verorten, sondern vorrangig fallen die mittleren Soziallagen und ihre Einstellungen ins Gewicht – schon allein wegen ihres Umfanges. Sie gelten bislang als Synonym für Solidität der Lebensweise, Leistungs- und Aufstiegsorientierung sowie Einstellungen ohne extreme Positionen, kurz: als Garant von Normalität und politischer Stabilität. Nun zeigt sich eine sowohl beunruhigte als auch beunruhigende Mitte, denn die Kontrolle über die eigene Lebensplanung und das Reservoir von Anerkennungsmöglichkeiten werden in der Gesamtentwicklung von Desintegrationsängsten und -erfahrungen auch für sie prekär, und feindselige Mentalitäten greifen Platz (siehe Grafik). Bisher ging man davon aus, dass solche Ergebnisse verstreut über die gesamte Republik zu finden wären, also keine Problemzonen entständen, weil sich zum Beispiel Schwierigkeiten der Platzierung im Arbeitsmarkt und neue Chancen irgendwie auspendelten.

In den vergangenenJahren haben unsere Analysen gezeigt: Desintegration, insbesondere im Zusammenhang mit Orientierungslosigkeiten, erzeugt feindselige Mentalitäten. Welche Ausmaße nimmt das an, welche Mechanismen zeigen sich? Und wo verdichten sich die Entwicklungen besonders?

Während in Städten eine Vielzahl und Vielfalt von Gruppenbildungen von Gleichgesinnten möglich sind, sind diese Angebote in Gemeinden und kleinen Städten naturgemäß geringer. Dadurch sind die Chancen, dem Konformitätsdruck in der Gruppe auszuweichen, in den Städten größer als in ländlichen Gemeinden und Kleinstädten. In ländlichen Gebieten, in denen das Verhalten eher homogen ist, bleiben die Einstellungsunterschiede durch den höheren normativen Druck eher verdeckt. Hier besteht die Gefahr, dass sich in der Bevölkerung »einheitliche« Deutungen durchsetzen, wie politische Ereignisse zu werten seien.

Nun zeigen unsere Analysen, dass sich das Ausmaß bei verschiedenen Elementen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit deutlich zwischen Land und Stadt unterscheidet. Die höchsten Zustimmungen zu feindeligen Äußerungen finden wir in dörflichen Gemeinden und Kleinstädten Ostdeutschlands. Besorgniserregend ist das deshalb, weil in Ostdeutschland eine ländlich-kleinstädtische Siedlungsstruktur dominiert. Hinzu kommt, dass mit der Abwanderung von gut ausgebildeten jungen Menschen ein systematischer Selektionseffekt entsteht. Das lässt erwarten, dass sich das Verhalten derjenigen, die bleiben, noch weiter homogenisiert. In den abwanderungsstarken Kommunen und Regionen gibt es einen niedrigeren Bildungsgrad, eine höhere Angst vor Arbeitslosigkeit, ein größeres Gefühl politischer Machtlosigkeit und stärkere mangelnde soziale Unterstützung als in abwanderungsschwachen Regionen.

Deutlich ist der Einfluss der Abwanderungsraten auf die feindseligen Mentalitäten: Je mehr Familien-, Arbeitsplatz- oder Ausbildungsplatzwanderer eine Region verlassen, umso niedriger ist das Bildungsniveau und ausgeprägter das Desintegrationsklima. Die Folge: Desto größer ist das Ausmaß an feindseligen Mentalitäten (siehe Grafik).

Nimmt man diese Befunde zusammen, dann ergibt sich ein alarmierendes Bild. Einerseits herrschen auf dem Lande ein stärkerer normativer Druck und konformes Verhalten aufgrund höherer Abhängigkeit von der Gruppe – mangels Alternativen. Zum anderen müssen die Effekte der Abwanderung bedacht werden. Das heißt: Die Schwierigkeiten, gegen eine als normal geltende Fremdenfeindlichkeit und andere feindselige Mentalitäten vorzugehen, dürften noch zunehmen.

Beeinflusst das Leben in wirtschaftlich aufwärtsstrebenden , gleich bleibenden oder abwärtsdriftenden Regionen die menschenfeindlichen Einstellungen in der jeweiligen Bevölkerung? Die Ergebnisse der subjektiven Bewertung der Lebensumstände in den Regionen haben ein einheitliches, erwartbares Muster: Sowohl die Angst vor sozialem Abstieg als auch die vor Arbeitslosigkeit sind in abwärtsdriftenden Regionen signifikant größer (siehe Grafik). Dieses Ergebnis setzt sich analog fort, wenn man die Orientierungslosigkeit in Zahlen misst. Auf Feindseligkeit stoßen die zugewanderten Fremden gerade in den abwärtsdriftenden Regionen. Angesichts der geringen Anzahl von Fremden in Ostdeutschland einerseits und der besonders großen Zahl abwärtsdriftender Regionen befürchten wir, dass das Diskriminierungs- und Gewaltrisiko zunimmt. Immer wieder neu entstehende, unkalkulierbare Angsträume für Minderheiten sind die Folge, die Bewegungsfreiheiten einschränken.

Und wie sieht es aus, wenn man die rechtsextremen Tendenzen, in denen sich solche Entwicklungen politisch zuspitzen, nach Bundesländern aufschlüsselt? Insgesamt nehmen rechtsextrem motivierte Gewalttaten nach einem leichten Abfall seit 2004 wieder zu. Weitaus höher und steigend sind die Propaganda- und Volksverhetzungsdelikte, die auf intensivierte politische Aktivitäten hinweisen. Schließlich lassen sich deutliche Unterschiede sowohl von Gewalt- und Propagandadelikten als auch von lokalen wie regionalen Wahlerfolgen etwa der NPD beobachten. Zwar gibt es keine statistischen Analysen über den Zusammenhang von regionaler Gewalt, Volksverhetzungsdelikten, Wahlerfolgen und Einstellungsmustern der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Aber wie immer man den Blickwinkel wechselt: Auch wenn man die Ausmaße in den alten Bundesländern nicht übersehen darf, so sind die Verdichtungen von Kombinationen der angeführten Elemente im Osten am auffälligsten (siehe Grafik).

Die Ergebnisse zeigen: Wo solche Problemzonen verdichtet sichtbar werden, geht es auch um die Substanz der demokratischen Ordnung, Demokratieentleerung entsteht. Mehr noch: Probleme können sich zu Strukturen entwickeln, also auf Dauer gestellte Verhältnisse werden, die nicht mehr umkehrbar sein könnten. Deshalb stellt sich die zentrale Frage, wie die politischen und ökonomischen Eliten reagieren.

Solche sozialen Spaltungen und Desintegrationen werden nicht zu Topthemen auf der öffentlichen Agenda. Dafür nimmt die Intensität von Identitäts- (»Du bist Deutschland«), Patriotismus- und Nationalstolz-Kampagnen sichtlich zu. Ist dies der Versuch, die individuellen Erfahrungen von Desintegration, Ängsten und Orientierungslosigkeiten zu kompensieren? Wie groß ist die positive Wirkung solcher Kampagnen, verstärken sie negative Tendenzen der Abwertung und Diskriminierung schwacher Gruppen?

Unsere These lautet: Diese Art der Kompensation ist höchst ambivalent, wenn nicht gar gefährlich. Allzu leicht verbinden sich national gewürzte Identifikationsformeln mit den Ressentiments, die oft gegenüber fremden Gruppen bestehen. Man kann zwei Semantiken beobachten: auf der einen Seite die Betonung des Nationalstolzes und die Besinnung auf Identität und Kultur, auf der anderen Seite den problematischeren Komplex der Abwertung des Fremden. Wobei gleichzeitig die eigene kulturelle Überlegenheit betont wird, etwa gegenüber Menschen islamischen Glaubens, oder die Wertschätzung des Homogenen, die sich zum Beispiel in Leitkulturdebatten zeigt und alles Heterogene besonders laut kritisiert oder ablehnt. Doch der Grat zwischen diesen beiden Polen ist schmal. Der »Identitätsdiskurs« kann sich unter den Bedingungen sozialer Desintegration schnell gefährlich einfärben und menschenfeindliche Züge annehmen.

Empirisch können wir zeigen: Desintegrationsprozesse gehen mit wachsender Orientierungslosigkeit einher. Es ist also keine Überraschung, dass in Zeiten wie diesen solche Kampagnen angefacht werden. Sie dienen als eine Art Ersatzanker in stürmischen sozialen Gewässern. In der Tat zeigen die Ergebnisse unserer Analyse, dass für Menschen, die sich orientierungslos fühlen und darunter leiden, der Stolz, Deutscher zu sein, eine wichtige Stabilisierungsfunktion zu haben scheint. Aber: Je größer der Nationalstolz bei den Befragten ist, desto weniger wichtig sind ihnen demokratische Errungenschaften.

Es ist daher riskant, soziale Desintegration mit Nationalstolz kompensieren zu wollen. Dies hat sich auch bei der Fußballweltmeisterschaft gezeigt. Der »neue« Nationalstolz in Schwarz-Rot-Gold wurde allgemein begrüßt. Die Auswertung der Daten unserer Längsschnittstudie von 2002 und 2006 zeigt jedoch, dass Nationalstolz einen signifikanten Einfluss auf fremdenfeindliche Einstellungen hat: Je höher die Identifikation mit Deutschland und je größer der Stolz auf die eigene Gruppe, desto stärker werden Fremdgruppen abgewertet. Dies ist zusätzlich problematisch, weil sich empirisch zeigt, dass die Integrationsbereitschaft der Mehrheit gegenüber Minderheiten und insbesondere gegenüber Muslimen abnimmt.

Soziale Desintegration mit Hilfe von Identitäts-, Patriotismus- und Leitkulturkampagnen zu kompensieren hat also höchst ambivalente Folgen. Solche Kampagnen können nicht nur Zugehörigkeitsgefühle zum »großen Ganzen« stärken, sondern sie grenzen auch aus und werten damit ab: Ein starkes Deutschland kann keine Schwachen gebrauchen. Dagegen werden die politisch beeinflussbaren Steuerungs- und Interventionsinstrumente immer knapper. Das gilt für die Ansiedlungspolitik, mit der Abwanderungen verhindert werden sollen, genauso wie für den öffentlichen Wohnungsbestand, den die Kommunen immer mehr privatisieren und damit dem Markt überlassen, von dem nicht bekannt ist, dass er sich um desintegrierte Sozialräume bemüht. Fazit: Die Politik sollte weniger auf Kampagnen setzen und dafür mehr konkrete Antworten geben, wo es um die Ausgrenzungen und Diskriminierungen, um benachteiligte Landstriche und Kommunen sowie um die Angst in der Mitte vor Absturz und Deklassierung geht.


Der Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer erkundet mit seinen Mitarbeitern seit fünf Jahren "Deutsche Zustände". Einmal im Jahr präsentiert der Bielefelder Professor die Ergebnisse der Langzeitstudie in der ZEIT



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Leser-Kommentare

    • 14.12.2006 um 16:49 Uhr
    • endis
    Es sollte heißen:eine Suche starten nach den Begriffen:zeit finis germaniae
  1. hey endis. ich habe mir tatsächlich die mühe gemacht und diesen Artikel von Heinsohn durchgelesen. und du findest das gut? er hebt die 'Anglowelt' unkritisch als einzig zivilisiertes modell in den himmel, und spricht von Muslimen wie von robotern die darauf programmiert sind zu töten. mit keinem Wort kommt er darauf zu sprechen, dass erst gerade durch das ignorante und brutale und andere kulturen verachtende vorgehen der usa hass in der muslimischen welt erzeugt wird. zynisch rechnet er zusammen, dass bis jetzt noch mehr iraker durch hussein umgekommen sind als in dem jetzigen bürgerkrieg im irak und man deswegen noch nicht sagen könne, der krieg habe sich nicht gelohnt. dann beschwert er sich auch noch, dass es dem amerikanern im kampf gegen die terroristen nicht erlaubt ist, massenvernichtungswaffen einzusetzen, und so ein ami gegenüber mehreren Gegnern auf verlorenem posten stehe. ich habe noch ein paar kommentare von anderen benutzern gesammelt: Aber auch selbst ernannte Aufklärer wie Herr Heinsohn sind gefährlich. Weil sie mit der Angst der Leute spielen, obwohl sie ganz genau wissen, was Panik bedeutet. Diejenigen ihrer Leser, die ihnen glauben, werden womöglich bald nach Erstschlägen schreien. Ist es doch bei einem Verhältnis von 600 Millionen brutalen, 'überzähligen' Nachgeborenen aus bevölkerungsreichen Hungerleiderstaaten zu 20 Millionen schlapp-verwöhnten Einzelkindern aus der ersten Welt allemal besser, den im Ansturm befindlichen Young-Bulg-Horden eine Atombombe aufs Haupt zu werfen, als die eigenen Töchter oder Ehefrauen an sie zu verlieren. Diejenigen Leser hingegen, die womöglich nach der Lektüre noch immer daran zweifeln, dass der (männliche) Mensch als Monster geboren wird und auch nur als Monster sterben kann, werden mundtot gemacht. Sie werden einfach überrannt, zugekippt mit Statistiken, die so lange geschüttelt (nicht gerührt!) wurden, bis sie blutig-rot leuchten. Keine Zusammenhänge, keine Nachfragen und keinerlei Zweifel - kurz und gut: keine Gefangenen!Es gibt viel weniger gottgegebene und unbeeinflussbare Mechanismen, als die Propheten aller Länder einem weis machen wollen.Übrigens: Im Vietnamkrieg ist von den vier und mehr Söhnen einer Familie nur jeweils ein einziger von Staatswegen eingezogen worden. Ein Gesetz hat es jedem zweit-, dritt- oder achtgeborenen freigestellt, sich zur Armee zu melden, oder weiter auf dem Reisfeld zu arbeiten. Dass viele Jungs dennoch an die Front oder zu den Partisanen gegangen sind, kann unter Umständen daran gelegen haben, dass es in Vietnam seinerzeit Landstriche gegeben hat, in denen die Amerikaner weder ein Feld, noch ein Dorf oder auch nur einen Menschen übrig gelassen haben in ihrem Bestreben, ihre Sicht auf die Welt zum Allgemeingut der 'Ungläubigen' zu machen.Daß 'Standard and Poors' die deutsche Staatsverschuldung für das Jahr 2050 bei 307% des BIP sieht, stimmt zwar. Aber nur unter der Annahme, daß Geburtenrate, Fiskalpolitik und andere Parameter gleich bleiben. Was ich nicht glaube. Außerdem verschweigt er, daß auch die USA unter diesen Annahmen bei 160% (Japan gar bei 490%) landen werden. Vom Tilgen 'aus der linken Tasche' kann also keine Rede sein! Oder diese Aufzählung der größten Unternehmen... Absurd! Als ob die Anzahl der Großkonzerne etwas über die (technologische) Leistungsfähigkeit einer Nation aussagt! General Motors ist noch der größte Autokonzern der Welt, und geht vielleicht bald pleite. CocaCola mag vielleicht eine tolle Marktkapitalisierung haben, aber es ist doch nicht technologisch innovativ! Oder bei den Patentanmeldungen. Wenn man anstatt des US-Patentamt das Europäische nimmt, dann steht dort Deutschland mit 23000 vor Japan mit 20600 und relativ knapp hinter den USA mit 32600 Anmeldungen, weit vor GB und Frankreich, an zweiter Stelle. Wenn man bedenkt, wieviel größer die USA sind, ziemlich erbärmlich für die 'Amis'.Merkwürdig auch, daß er alle englischsprechenden Nationen unter den 'Anglos' zusammenfasst, als ob sie eine 'Achse' bilden würden. Dabei sind Kanada und Neuseeland im Irak gar nicht dabei, dafür aber Länder wie Polen, Kasachstan oder Italien.Ich will damit gar nicht sagen, daß das Phänomen des 'youth bulge' wahrscheinlich eine wichtige Voraussetzung für den Terrorismus ist. Es kommt in der öffentlichen Diskussion viel zu wenig vor.Wie andere schon angemerkt haben, wieso gibt es in Indien und vielen anderen Ländern keine Terroristen? Wieso gab es soviele Kriege ohne 'Youth Bulge'? Und vor allem, warum ist der Autor darauf nicht eingegangen? Interessant wäre es auch, zu ergründen, warum ehemals so fortschrittliche islamische Staaten so weit hinter dem Westen zurückgeblieben sind.Und dieser soziologenartikel ist zeitverschwendung. keine einzigen neuen erkenntnisse. und im bezug auf die journalistische qualität würde ich mir wünschen, der autor würde sich ein wenig mit Ernst A. Rauter beschäftigen.
  2. Glosse FeuilletonDas sind Zustände!15. Dezember 2006 Weniger als die Hälfte aller Deutschen sagt heute, der Islam habe 'eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht'. Wem es gelingt, aus diesem Umfragebefund einen klaren Schluß zu ziehen, bei dem muß es sich um einen Vorurteilsforscher handeln. Für alle anderen Leser von Wilhelm Heitmeyers gerade vorgestellter Studie über abwertende Meinungen in der Bevölkerung bleibt die normale Urteilsfähigkeit übrig. Die könnte zur Rückfrage beim Bielefelder Pädagogen führen, was denn überhaupt gemeint war? Eine gegenwärtig vom Islam hervorgebrachte Kultur, welche immer das wäre - die in Marokko, Indonesien oder Neukölln -, oder eine einstmals existierende? Gern auch hätten wir erfahren, ob jene knappe Hälfte, die nach wie vor bewundert, auch anzugeben vermag, was genau sie denn bewundert. Aber zur Vorurteilsforschung gehört es ja nicht, Sympathie genauso zu analysieren wie Ablehnung, etwa als kenntnisfreies, wohlfeiles Vorurteil. Ihr genügt es, daß der Islam, egal welcher, heute weniger bewundert wird als noch vor ein paar Jahren, und schon hat sie Zahlen in der Rubrik 'Islamophobie' produziert. Ein solches Krankheitsbild hat Heitmeyer nämlich ermittelt. Es gehört für ihn in eine Reihe mit anderen Erscheinungsformen 'gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit': Antisemitismus, Vorurteile gegen Fremde, Frauen, Behinderte oder Homosexuelle. Aha, der Islam ist also eine Gruppe, und die Fremden sind es auch? Man sollte Heitmeyer zum Bachelorstudium der Soziologie zulassen, in Bielefeld hätte er da hohe Chancen zu erfahren, was eine Gruppe im Unterschied zu einem Personenmerkmal ist. Im Kern, berichtet in der 'Süddeutschen Zeitung' ein Mitstreiter Heitmeyers, gehe es jeweils um dasselbe: die Abwertung von Andersartigen und Entbehrlichen. Und die nehme zu. Hat man sich bei den Befragten auch erkundigt, inwiefern sie Frauen für entbehrlich und andersartig halten? Oder reden so nur Vorurteilsforscher, deren Kategorienbildung unbegreiflicherweise so lausig ist wie begreiflicherweise die Islamkenntnis der Leute? Am liebsten fragen sie die Bevölkerung genau so blöd, wie sie glauben, daß sie sei - um dann alle Dummheiten und Rohheiten, die sie aus ihr herausgefragt haben, aufzuaddieren, weil so der Effekt natürlich noch viel dramatischer ist. Dann kann man beispielsweise sagen: Es gibt Vorurteile gegenüber Behinderten, Juden und Muslimen. Aber die soziale Realität hinter den Phrasen, etwa die Anteile dieser 'Gruppen' an der Gesamtbevölkerung oder in einzelnen Stadtquartieren oder in Hauptschulen oder in den Kriminalstatistiken oder an den Fürsorgeempfängern oder an den Analphabeten, sind damit überhaupt nicht berührt. Und damit auch nicht ein immerhin in Betracht kommender Grund für Vorurteile: die Wirklichkeit. 'Deutsche Zustände' heißt die Buchreihe, in der Heitmeyer sein Geforsch publiziert. Der Zustand der Vorurteilsforschung ist ein verwahrloster. kauText: F.A.Z., 16.12.2006, Nr. 293 / Seite 35
  3. bei Ihren Untersuchungungen sollten Sie den Ausländeranteil den die Türken in unserem Land ausmachen rausrechnen, bei meine täglichen Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln 3 Std 10 Miinuten habe ich noch keine Auslanderfeindlichkeit in den SSB Stuttgart festgestellt. Ich bin der Meinung, daß das Ergebnis mächtig gekippt wrden würde.
  4. eom
  5. ...wo denn?....... :-)))
  6. Radikalisiserung, Verdummung, wachsenden Fremdenfeindlichkeit. Warum? Weil die Zahl der gebildeten jungen Leute abnimmt. Weil zu wenig geboren werden, und diese weit überproportional in sozial schwachen Verhältnissen. Weil die Gebildeten es sich leisten können, abzuwandern, wenn zu Hause die Verhältnisse immer schlechter werden. Ein Teufelkreis.Doch man will die Zeichen nicht sehen. Auch die ZEIT ist in den Kreis der Beschwichtiger eingeschwenkt - mit ihrem 'Demographie Special' tut sie ihr Bestes, die kommende Misere hinwegzufabulieren.Wir erleben im Osten nur einen Vorgeschmack! Auch im Westen beginnen strukturschwache Regionen auszubluten. In den Städten steigt derweil die Zahl der Migranten rasant. Jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat heute einen Migrationshintergrund, in der nächsten Generation wird es - gleichbleibende Verhältnisse vorausgesetzt - wohl jeder zweite sein. Das bedeutet: in hundert Jahren ist die Migrationsbevölkerung in Deutschland in der Mehrheit, in der Zwischenzeit nimmt sie so rasant zu, daß an eine zwischenzeitliche kulturelle 'Assimilierung' überhaupt nicht zu denken ist.Es wird immer größere kulturlelle Konflikte geben, Steilvorlagen für fremdenfeindliche Parolen. Früher oder später wird diese Gemengelage auf die Wirtschaft durchschlagen, insbes. auf die Innovationsfähigkeit und Produktivität (schon heute fehlen uns nicht nur Ingeneure, sondern auch Facharbeiter). Resultat wird eine Dauerrezession sein, mit steigender Arbeitslosigkeit -- und das vor dem Hintergrund der bald einsetzenden Überalterung.Gebildete junge Menschen werden dann nicht mehr innerhalb Deutschlands wandern, sondern innerhalb Europas. Sie werden Deutschland in Scharen verlassen, und die Abwärtsspirale damit weiter anheizen. Mit der Finanzierbarkeit des Sozialstaates wird der soziale Friede verloren gehen und Raum schaffen für die Abschaffung von Demokratie und Rechtsstaat. EIn Milosevic wird dann auch bei uns jederzeit vorstellbar sein.Noch könnten wir das Schlimmste verhüten - aber NUR mit einer mittelstandsorientierten Bevölkerungspolitik. Wir müßten alle Barrieren systematisch beseitigen, die die staatstragenden Schichten in dieserm Land daran hindern, Kinder in die Welt zu setzen, und die massive Bevorteilung Kinderloser vor allem in den Sozialversicherungen beenden.Aber ach, wer will es hören? Ich sehe schon jetzt die Artikel in der ZEIT von 2040, in denen die Schreiberlinge jammern werden, wie wir heutigen so blöd sein und die verqueren politischen Rahmengedingungen aufrechterhalten konnten. Es ist wie beim Klimawandel: kollektives Ignorieren aller Warnzeichen, bis es zu spät sein wird.
    • 14.12.2006 um 16:58 Uhr
    • endis
    Es sollte heißen:eine Suche starten nach den Begriffen:zeit finis germaniae
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  • Von Wilhelm Heitmeyer
  • Datum 14.12.2006 - 11:41 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 14.12.2006 Nr. 51
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