Collien Fernandes zupft ihr Dekolleté zurecht, Rosalind Baffoe flirtet mit den Kameras, und Felicitas Woll setzt sich einen kleinen weißen Eimer auf den Kopf. Das wird ein fantastischer Abend. Zumindest für die Fotografen. BILD

Klatschreporter lieben Schauspielerinnen, die sich auf dem roten Teppich etwas einfallen lassen. Erst recht, wenn sie gekommen sind, um Gutes in die Welt zu bringen. »Tribute to Bambi« ist mehr als eine Party. Ein »Charity-Ereignis«, eine Benefiz- und Spendengala, die mit herkömmlichen Formen der Wohltätigkeit ungefähr so viel gemein hat wie ein Showroom von Prada mit dem Wartesaal beim Sozialamt. Am Vorabend der Bambi-Verleihung sind mehr als 800 geladene Gäste nach Stuttgart gekommen, um notleidenden Kindern zu helfen. Die Kinder selbst sind nicht hier. Stattdessen Prominente, die man auf vielen roten Teppichen antrifft: Lou Bega, Jasmin »Blümchen« Wagner und die Klitschko-Brüder. Stars und Sternchen aus Film und Fernsehen inklusive Verona Pooth, geborene Feldbusch. Küsschen links, Küsschen rechts.

»Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen«, schreibt Autor Georg Franck in dem Buch Die Ökonomie der Aufmerksamkeit. » Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz.« Diesem Leitsatz folgt auch Tribute to Bambi. » Attention based charity«, nennt Philipp Welte das Konzept. Er ist Organisator der Veranstaltung und noch bis zum Jahresende Geschäftsführer beim Medienkonzern Burda. »Stars schaffen Aufmerksamkeit, und wir nutzen diese konzentrierte mediale Öffentlichkeit, um auf einen sozialen Missstand hinzuweisen und dabei ganz gezielte Hilfe zu leisten.«

Spendensammelpartys mit Prominenten haben sich zu einer Wohltätigkeitsindustrie entwickelt. Die Spanne reicht von José Carreras’ Benefizgala in der ARD über das von Thomas Gottschalk moderierte Herz für Kinder bis hin zu den Ballnächten der Düsseldorfer Society-Lady Ute-Henriette Ohoven. Deutschlands High Society präsentiert ihre Version von sozialer Verantwortung.

Angesichts von Massenarbeitslosigkeit, Bildungsnotstand und vernachlässigten Kindern ist dagegen nichts Grundsätzliches einzuwenden. Trotzdem gerät das Modell Charity immer wieder in die Kritik. So lieferte sich das Magazin stern vor erst einigen Monaten mit Ohoven einen heftigen Streit. Es ging um die Frage der Finanzierung einer luxuriösen Charity-Party, bei der angeblich viel Geld im opulenten Champagner-Etat versickerte, statt den Bedürftigen zugute zu kommen. Ohoven bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Doch wo das Geld aus solchen Benefiz-Veranstaltungen hingeht, ist nur eine Frage. Wo es herkommt, eine ganz andere. Charity ist ein Geschäft, von dem jeder seinen Nutzen haben will – und bei dem sich ein Teil der Kosten ohne großen Aufwand auf den Staat abwälzen lässt.

Die Illusion des Miteinanders: Zu einer guten Party gehören ein roter Teppich und die passende Beleuchtung. Das alte Postpaketamt am Stuttgarter Nordbahnhof wurde für Tribute to Bambi gesellschaftsfähig rausgeputzt. Ein wenig Industrieromantik, ordentlich Exklusivität und jede Menge menschliche Wärme. So steht es auf dem weißen Streifen, hoch oben an der Wand: »Gemeinsam. Verständnis. Toleranz. Vertrauen. Gleichheit. Menschlichkeit. Gemeinschaft. Mut. Vielfalt. Freude. Nähe. Erkennen. Lernen. Verstehen. Glück. Geben. Leben. Jeder. Wissen. Erfahrung. Wir. Ich. Zusammen.«