Medizin-Studium Erst wählen, dann lernen
Wer in Mannheim Medizin studiert, kann sich schon früh auf eine Fachrichtung spezialisieren
Katharina Ruppel ist sehr zufrieden. Sie ist eine von 16 Medizinstudenten, die sich an der Medizinischen Fakultät Mannheim erfolgreich um einen Platz im Modul »Wissenschaftlich arbeiten« beworben haben, nur jeder Dritte wurde genommen. »Ich erlebe das Programm als einen wunderbaren Einstieg in die Forschung«, sagt die 25-Jährige, die zweimal im Jahr an mehrtägigen Intensivkursen teilnimmt, die ihr vermitteln, wie wissenschaftliche Artikel zu interpretieren, zu schreiben, die Statistik zu bewerten und die Labormethoden zu verstehen sind. Um ganz in die internationale Wissenschaftswelt einzutauchen, finden alle Kurse auf Englisch statt. Katharina Ruppel ist davon überzeugt, dass ihre Doktorarbeit ohne diese Kurse bestimmt nicht so gut vorankäme. Die angehende Ärztin untersucht bei Mäusen die Auswirkungen von Unfallverletzungen auf die unterschiedlichen Gewebe.
Die zusätzliche Anleitung für wissenschaftliches Arbeiten war bislang noch nicht Teil des regulären Curriculums, doch seit diesem Wintersemester gibt es in Mannheim einen Reformstudiengang, der unterschiedliche Programme in das Studium integriert. »Unsere Studenten sollen so speziell nach ihren Neigungen ausgebildet werden und Zeit sparen«, sagt Harald Klüter, Studiendekan der Medizinischen Fakultät Mannheim.
Ein Medizinstudium ist lang. Durchschnittlich brauchen Medizinstudenten 13 Semester, bis aus ihnen Ärzte werden. Und dann beginnt erst die Facharztausbildung, die meist noch fünf Jahre dauert und nicht selten von weiteren Zusatzqualifikationen ergänzt werden muss. Deshalb ist es von Vorteil, wenn eine gewisse Spezialisierung früh einsetzt.
Es gehe nicht darum, frühzeitig »Fachidioten« zu drillen, sagt Klüter, sondern darum, neben einer umfassenden klinischen Ausbildung zusätzliche Talente der Studenten zu stimulieren. Nach dem ersten Staatsexamen können sich die Mannheimer Medizinstudenten künftig für mehrere Qualifizierungswege bewerben: für einen Masterstudiengang in Gesundheitsökonomie oder Medizintechnologie sowie für das Modul »Wissenschaftlich arbeiten«. In der Planung sind Medizinische Psychologie und Neurowissenschaften. Die Plätze sind allerdings begrenzt, nur knapp ein Drittel der Studenten nimmt an einem solchen Programm teil. Für die anderen steht die klinische Ausbildung im Vordergrund, die zeitlich keinesfalls weniger intensiv ist. Für die eher klinisch interessierten Studenten gibt es ergänzend Ultraschallkurse oder ein Training in Notfallmedizin, »sodass sie besser für die Praxis gerüstet sind«, so Harald Fritz, der Beauftragte des Reformstudiengangs.
Um den Studenten bei der Entscheidung zu helfen, welcher Ausbildungsweg sich am besten für sie eignet, gibt es ein Mentorenprogramm: Jeder Professor soll etwa zehn Studenten von Beginn des Studiums an besser kennen lernen, damit er sie umfassend beraten kann.
Die meisten Mediziner halten eine Gliederung ihres Studiums in Bachelor und Master für unmöglich, weil dieses System der Komplexität des Faches nicht gerecht würde. Die Einführung eines Masterabschlusses in Mannheim bedeutet auch keinesfalls eine Entwicklung in Richtung Bachelor und Master in der Medizin.
- Datum 27.12.2006 - 04:45 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.12.2006 Nr. 01
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