Entwicklungshilfe Eldorado im ArmenhausSeite 4/4

Zerplatzt da wieder eine Hoffnung? Nicht unbedingt. Höhere Preise für Lebensmittel helfen den Bauern, auch denen in der Dritten Welt. Weil viele Arme von der Landwirtschaft leben, linderten steigende Preise sogar ihre Not, sagt IFPRI-Chef von Braun. Nachteile müssten allerdings die hinnehmen, die keine Überschüsse verkaufen könnten – es sei denn, die landwirtschaftliche Produktivität stiege drastisch an. Dies, und nur dies, könnte dafür sorgen, dass die nutzbare Landfläche der Erde ausreicht, um für beides zu sorgen: für Nahrung und Sprit.

Heute werden weltweit fünf Milliarden Hektar als Acker oder Weide genutzt, oft nur mit einfachsten Mitteln bewirtschaftet. Mehr Bewässerung und besseres Saatgut, womöglich auch gentechnisch manipuliertes, mehr Dünger, mehr Pflanzenschutzmittel und mehr Maschinen könnten den Flächenbedarf für die Nahrungsproduktion deutlich sinken lassen. Laut Copernicus-Institut ließe sich die im Jahr 2050 benötigte Kalorienmenge so auf nur noch einem Drittel der heutigen Fläche erzeugen – trotz wachsender Bevölkerung, trotz steigendem Pro-Kopf-Verbrauch und ohne den Schutz der Wälder und die biologische Vielfalt zu beeinträchtigen. Rund zwei Drittel des fruchtbaren Bodens stünden dann der Spritproduktion zur Verfügung. Genug, um die Energienachfrage zu decken.

Theoretisch. Denn aller Erfahrung nach wird der notwendige Produktivitätsschub sozial- und umweltverträglich nur dann erfolgen, wenn Politiker den richtigen Rahmen errichten. Wenn sie tatsächlich dafür sorgen, dass Nahrung Vorrang vor Sprit hat, Urwälder geschützt und Kleinbauern nicht durch Agrarkonzerne verdrängt werden.

Sollte das gelingen, könnten die Afrikaner hoffen. Denn nirgendwo sind die Potenziale zur Produktivitätssteigerung größer, weil Ackerbau und Viehzucht gegenwärtig auf bescheidenstem technischem Niveau stattfinden. Eine grüne Revolution könnte Afrika zu den Gewinnern der Biosprit-Ära werden lassen. Auf diese Revolution warten die Afrikaner allerdings schon lange.

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Leser-Kommentare
  1. Winzige Massen von Sonnenkollektoren in allen besonnten Wuesten der Erde,
    zum Sammeln,
    satellitengesteuerte Luftenergiekanaele, zum Transport.

    Haeuser aus Sonnenkollektoren
    Autos aus Sonnenkollektoren
    Wintermaentel mit Sonnenkollektorenheizung
    usw.

    • zozo
    • 02.01.2007 um 14:31 Uhr

    Biotreibstoff ist eine art von Sonnenenergie: die Pflanzen machen aus Wasser (H2O) und Kohlendioxyd (CO2) Sauerstoff (O2) und Kohlehydrate (HxCyOz) durch Photosynthese, also mit Sonnenlicht.

    H20 + CO2 + hv (photon) ---> O2 + HxCyOz

    Sonnenenergie so zu gewinnen ist billig, einfach, lässt sich leicht lagern und transportieren.

  2. 3.

    böse gebe ich zu, den artikel aus guten gründen gar nicht gelesen zu haben - als quelle verweie ich auch nur auf greenpeace ohne mir weitere mühe zu geben : bereits jetzt werden auf wertvollen für die nahrungsmittelerzeugung viel sinnvolleren böden industriebiostoffe angepflanzt, darunter eben auch zutaten für biodiesel usw usw usw --- weshalb greenpeace sehr skeptisch und gemischt einer biotreibstoffeuphorie gegenüber steht ................... wertvoller boden zur nahrungsmittelerzegung wird entfremdet - ... unfug also

  3. Waere die Erforschung, Entwicklung und Nuetzung von Sonnenenergie nicht
    die bessere Loesung?

    • gee81
    • 02.01.2007 um 13:03 Uhr

    Nachwachsender Rohstoff Hanf :

    Das von Henry Ford entwickelte Hemp Car hatte eine Karosserie aus Hanffasern. Es wurde mit Methanol betrieben, den Ford ebenfalls aus Nutzhanf gewann.
    Hanf ist als nachwachsender Rohstoff wegen seiner problemlosen Zucht und vollständigen Nutzbarkeit beliebt. Es werden keinerlei Herbizide benötigt, weil die Pflanzen bereits nach wenigen Tagen den Boden vollständig beschatten, sodass kein Unkraut mehr Licht findet. Außerdem ist er äußerst schädlingsresistent und pflegeleicht. Hanf produziert mehr Biomasse als jede andere heimische Nutzpflanze. In der Wirtschaft ist Hanf äußerst vielseitig einsetzbar und wird wegen seiner hohen Haltbarkeit, Umweltverträglichkeit und niedrigen Energiebilanz geschätzt.

    Im Zuge der aufgrund von Ölverknappung und Klimaschutz immer attraktiver werdenden Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen könnte Hanf die Zukunft der Mobilität sichern helfen. Ein Hanffeld bringt bis zu 15 Tonnen Trockenmasse pro Hektar, was 3.000 bis 4.000 Litern Kraftstoff entspricht. Sein Potenzial als universeller Rohstoff aber könnte Cannabis auf den 20 Millionen Hektar stillgelegter Landwirtschaftsflächen in der EU ausspielen. Den o.g. Ertrag zugrundegelegt, könnte auf dieser Fläche 60 Mrd. Liter Kraftstoff erzeugt werden. Bei einem Verbrauch von 6 l/100 km und 10000 km zurückgelegter Strecke/Jahr könnten damit 100 Mio. Pkw betrieben werden. Unter für die Energiegewinnung optimierten Methoden und in Kombination mit Vor- oder Folgefrüchten lässt sich sogar noch ein deutlich höherer Energieertrag erzielen.

    Aus Hanf können über 40.000 verschiedene Produkte aus allen Bereichen des täglichen Lebens hergestellt werden:

    1. Werkstoffe
    * Baustoffplatten
    * Dämmstoffe
    * Dichtmaterial (Werg)
    * Zuschlagstoff für Hohlraumziegel
    * Faser-Verbundwerkstoffe u. a. für automobile Anwendungen
    * Pflanzensubstrate
    * Einstreu
    2. Kosmetika
    * Cremes
    * Massageöl
    * Seife
    * Shampoo, Schaumbad
    3. Medikamente
    * Extrakte
    * Kombinationspräparate
    * Monopräparate, beispielsweise Dronabinol
    * Inhalationspräparate NLe
    * Drogen
    4. Nahrungsmittel
    * Futtermittel
    * Öl (Hanföl), Margarine, Fette
    * Samen, Wurzel Hanfriegel
    5. Biomasse, Öle, Ölprodukte
    * Regenerative Energiequelle (z. B. Verbrennung der Biomasse im Elektrizitätswerk)
    * Öl zur Herstellung von Druck- bzw. Ölfarben sowie Kitt- und Spachtelmassen
    * Heizöl
    * Kunststoffe aus Öl
    * Tenside
    * Treibstoffe: Biodiesel oder voll synthetisierte Kraftstoffe (Synfuel)
    6. Papiere, Vliese, Zellstoffe, natürliche Dämmstoffe
    * Bücher sowie deren textile Bindung und Einbände
    * Standard- und hochwertige Spezialpapiere und -zellstoffe
    * Vliese
    7. Stoffe (Kurz- und Langfasern)
    * Bekleidung und Textilien
    * Bestandteil von Brems- und Kupplungsbelägen
    * Fäden, Netze, Seile
    * Geo- und Agrartextilien (Abdeckungen gegen Erosion, Trennmatten, Schutz des Ballens von Bäumen beim Transport)
    * Planen, Säcke, Segeltücher, Tücher
    * Teppiche

    Aus Wikipedia.de

    • keox
    • 02.01.2007 um 19:58 Uhr

    gott schütze afrika.

    was für eine perspektive - hilfstankstelle der welt. welcher zynismus hier raum greift zeigt folgende rechnung: 'Die Getreidemenge für die Tankfüllung eines Mittelklassewagens mit Bioethanol könnte auch einen Menschen ein Jahr lang ernähren'

    daß ein land dem hunger preisgegeben ist, weil es die landwirtschaftlichen erzeugnisse als viehfutter in den westen verkauft und deshalb lebensmittel importieren muß ist heute schon keine seltenheit. diese monokulturen erzeugen extreme abhängigkeit, armut - natürlich nicht für die korrupten eliten -, umweltschäden, kurz: eine breite verelendung.

    das dämmert auch dem autor, der folgerichtig formuliert:

    '... aller Erfahrung nach wird der notwendige Produktivitätsschub sozial- und umweltverträglich nur dann erfolgen, wenn Politiker den richtigen Rahmen errichten. Wenn sie tatsächlich dafür sorgen, dass Nahrung Vorrang vor Sprit hat, Urwälder geschützt und Kleinbauern nicht durch Agrarkonzerne verdrängt werden'.

    damit ist fast alles gesagt.

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  • Quelle DIE ZEIT, 28.12.2006 Nr. 01
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