Entwicklungshilfe Bringt den weißen Mann zurück!Seite 2/2
In der neuen Denkschule der »Internalisten« hingegen redet man von Selbstzerstörung, man hält Afrikas Misere für hausgemacht, und keiner tut dies so schonungslos wie Andrew Mwenda aus Uganda. Auch er studierte in Europa Entwicklungspolitik, auch er beriet die Weltbank, auch er stieg aus, als er merkte, wie verlogen der Hilfszirkus ist. Mwenda wurde Journalist in Kampala. Er schreibt regelmäßig eine bissige Zeitungskolumne und ist im Radio mit seiner Talkshow Andrew Mwenda Live täglich auf Sendung. Ab und zu, wenn seine Attacken zu scharf ausfallen, wird er eingesperrt. Aber das steigert nur seine Beliebtheit als furchtloser Tabubrecher.
Der 34-Jährige führt einen wahren Feldzug gegen die Entwicklungshilfe. Sie verhindere dringend nötige Reformen, die primären Nutznießer seien afrikanische Regime, ausländische Helfer und internationale Organisationen. Selbst der Erlass von Schulden gebe die falschen Impulse, weil er schlechtes ökonomisches Verhalten belohne und eine »Kultur der Verantwortungslosigkeit« erzeuge. Von Bono, Bob Geldof, Tony Blair, Jeffrey Sachs und ihrer Vision, die Armut durch mehr Hilfe zu überwinden, hält Mwenda gar nichts. Er ist nicht der Einzige, der so denkt. »Afrika hat das Image eines Kindes. Wir werden infantilisiert durch diese Kampagne«, sagt Tajudeen Abdul Raheem, der Generalsekretär des Pan Africanist Movement. »Blair sieht sich als Erlöser«, ätzt der kenianische Politikwissenschaftler Michael Chege. Wole Soyinka, der Literaturnobelpreisträger aus Nigeria, kann keinen Unterschied zwischen den Missionaren und Geldof erkennen.
Bob Geldof, der Erzengel, besiegt die Finsternis
Andere Afrikaner finden genau das gut. »Sir Bob Geldof / Who made the dark very bright / Thinking us to put the light«, dichtete ein junger Äthiopier in einem Leserbrief an die ZEIT. Geldof, der Erzengel, besiegt die Finsternis. 1984, als er sein erstes globales Benefizkonzert für Afrika organisierte, lebten in Äthiopien 45 Millionen Menschen, heute sind es 70 Millionen. »Die Grundprobleme sind die gleichen wie damals«, erklärte Geldof bei einem Besuch. Auf die Idee, dass das andauernde Desaster etwas mit der Regierungspolitik in Addis Abeba zu tun haben könnte, zum Beispiel mit dem Krieg gegen Eritrea, kommt der barmherzige Barde nicht.
Und so werfen afrikanische Intellektuelle ihren Rettern nicht nur grenzenlose Naivität vor, sondern auch gefährliche Kollusion mit den Mächtigen. Die Täter sind immer die anderen, die Opfer immer die Afrikaner, dieses Ritual des Beschönigens und Beschuldigens verbinde schwarze Eliten und weiße Helfer – das ist die Kernthese von Axelle Kabou. Wer sie beim Wort nimmt, muss sich fragen, ob die Einfalt der Solidaritätsgemeinde mitunter nicht an Mittäterschaft grenzt.
In einem Interview mit der Züricher Weltwoche schlug Andrew Mwenda kürzlich ganz andere Maßnahmen vor: »Wieso kommt ihr nicht und rekolonialisiert unsere Länder, stürzt unsere Politiker und bringt Schweizer Regierungsstandards nach Afrika?« Bring the colonial master back – der weiße Kolonialherr möge zurückkehren. Diese Forderung ist in Afrika immer öfter zu hören, und meistens kommt sie von einfachen Leuten, die unter ihren kleptokratischen Machteliten leiden. Sie findet ihr Echo im Norden, in der abstrusen Idee, rückständigste Länder unter Kuratel zu stellen.
In Mwendas Plädoyer drückt sich jedoch eine geradezu anarchistische Ratlosigkeit aus. Auch er hat keine brauchbaren Alternativen anzubieten. Wird er danach gefragt, beschwört er wie ein Medizinmann die kapitalistischen Marktkräfte herbei – ein Zaubermittel, das in Afrika bislang nur selten geholfen hat.
Zum Thema
Entwicklungshilfe und -politik
-
Ein Schwerpunkt mit Hintergrundberichten und Reportagen »
- Datum 29.12.2006 - 11:27 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 28.12.2006 Nr. 01
- Kommentare 22
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




also der artikel ist nich t neu vom inhalt - kritik am rückständigen afrika hat es von afrikanern immer gegeben, besonders von denen, die in afrika alle chancen hatten überhaupt auf universitäten in europa und overseas gehen zu können ...
dann sollte man bono nicht mit bob geldof in den topf werfen - da bono zu denen gehört, die reflektiert sind darüber, was sie tun - inkl entsprechender kontakte - und wenn es zu charity kommt, dann ist das eben vielleicht in afrika, was aber ebensogut in den usa sein könnte - nur macht bono bei allem mit - was hilft hilft - was übrigens sehr afrikanisch ist - das ist nicht europa - wer in afrika christ ist, kann mehrere andere religionen gleichzeitig haben (sofern er schwarzafrikaner ist - - ) ...
wenn afrikaner 'faul' sind, dann viel ehr, wenn ihnen ein europäisches system aufgezwungen wird - afrikaner sind sehr solidarisch mit hohem sinn für gerechtigkeit -
- bei einem schikanierenden job vergeben von weissen, auf dem kieker ein chinese, ein afrikaner und ich, ein weisser solidariserten sich alle sofort mit uns, afrikaner, andere chinesen ... es war erhebend, wir alle haben die arbeit verlassen und gekündigt (nicht mal das, wir sind gegangen) - es wurde nicht organisiert, es wurde wie aus einem guss gehandelt, verbunden durch den sinn für gerechtigkeit ... die leute haben geschuftet, die weisen mit aufseherallüren taten alles die arbeit schwerer zu machen ... es waren keine worte nötig, für das, was folgte ... die afrikaner und chinesen dieser arbeitsstelle sind heute in ihren ländern ingenieure ... einer sogar häuptling ...
der artikel steckt voller klischees - afrika ist in vielem nicht selbstbestimmt - frankreich bestimmt teilweise wie zu kolonialzeiten ...
programme werden afrika aufgezwungen -
ein fehler ist, dinge des westens zu verinnerlichen, die überhaupt keinen afrikanischen grund haben ...
... es fehlt im gegensatz zu china eine hegemoniale geschichte (mit der betonung auf kultur), es sind viele regionalgeschichten (kulturen) ... diese regionalismen aber sind genauso viel wert wie eine große hegemoniale kultur, diese regionalismen werden nicht ernst genommen, sie werden nicht berücksichtig, sie müssen aber berücksichtigt werden, will man erfolgreich neues einführen, bauen etc. - übersehen werden diese regionalismen gern von den europäern - auch arbeiten ist eine kulturelle betätigung, arbeit ist ein kulturfaktor - werden dinge falsch gekoppelt, nicht richtig mit den regionen konzipiert werden widerstände provoziert ...
für china gibt es managertrainings und managerberatungen, einfach, man richtet sich nach einer hegemonialen kultur, die nicht unterteilt ist in viele kleine kulturen ... diese vielen kleinen kulturen in afrika müssen aber je für sich ebenso ernst genommen werden (es gibt EIN afrika gar nicht) ...
die unabhängigen afrikanisachen regierungen wollten modern sein und verdrängten ihre eigenen roots, es wurde mit aller gewalt versucht, moderne normen durchzusetzen ... dadurch bereits ging der kontakt mit den eigenen regionen verloren, das ist selbst verschuldet durch eine elite, die nicht afrikanisch, die modern sein wollte möglichst nahtlos an paris usw ankoppeln wollte ... viele neuere afriknische kritiker haben das noch in sich, indem auf afrika geschimpft wird, anstatt es überhaupt noch wahrzunehmen, man verdrängt, was nötig ist, um einen eigenen weg zu finden ... pauschalisieren kann man das nicht, oft genug, besonders in ostafrika findet man eigene wege ...
der artikel ist zu oberflächlich -
ein klischee von afrika verbreitete besonders jemand wie jean rouch, inkl dem schildern angebl afrikanischer arbeitsmoral, ousmane sembene hätte rouch am liebsten in den hintern getreten -
dass das ausland angeblich schuld ist an allem, ist international verbreitet, in russland war das im 19 jh volkssport zu behaupten ... es seien oft deutsche gewesen, man sagt deutsche hätten usw. ... es sind immer bestimmte konstellationen, wenn soetwas behauptet wird, diese konstellationen sind keine afrikanischen erfindungen
Mitten im von Gutmenschentum verseuchten Deutschland wagt Herr Grill doch tatsächlich die Wahrheit zu schreiben.
Hut ab.
Herr Grill, Sie werden Probleme bekommen. Im Moment wird man es mit Ignorieren versuchen. Aber wenn Sie da noch mal machen, werden Sie den Zorn der raffgierigen Helferindustrie auf sich ziehen.
Was wird man Ihnen nicht alles anhängen.
Ein Neokolonialist sind Sie, mitleidlos, kein Herz für die Schwachen dieser Welt, ein Rassist und, last not least, ein Frauenfeind.
Bitte, Herr Grill, lassen Sie sich nicht beirren. Halten Sie die Stellung!
Dank auch an die Redaktion der ZEIT, dass sie diesen Artikel durch die Zensur gelassen hat.
Hi @ll
Gratulation an *Die Zeit*,ein erstklassiger Artikel.
Das im Artikel als Bsp. gebrachte Verhalten des Robert Mugabe trifft voll ins Schwarze.
Dieser Rassist richtet die die einstige Kornkammer Afrikas systematisch zu Grunde.
Die von Ihm ausser Landes geprügelten Farmer haben in ihren Exilländern ein kleines Wirtschaftswunder vollbracht.
Das vorgehen dieses schwarzen Rassisten ist symptomatisch.
Der Macht willen wird das Land ruiniert, und die eigene Bevöllkerung dann den Hilfsorganisationen vor die Füsse geworfen.
Gruss
Rene
Die handgewebten Stoffe brachten Sie ins Spiel, ich sagte ausdrücklich, dass das ein ganz anderes Thema ist.
Es gibt ein Bekleidungs-Handwerk und eine Industrie im Aufbau - und es gibt gute Argumente, diese gegen kokurrenzlos billige Altkleiderimporte zu schützen, damit sie eines Tage eben konkurrenzfähig ist. Ob das wirklich klappt, hängt von vielen Faktoren ab, von denen der Stopp der Altkleiderentsorgung nur einer und sicherlich nicht der entscheidende ist - aber das einfach abzutun mit dem Argument, es gibt doch keine (nennenswerte) Industrie, das ist völlig verfehlt und spricht, auch wenn das noch so oft behauptet wird, nicht von besonderer Expertise.
Bringt den weißen Mann zurück? Nicht unbedingt, doch ist es offenbar tatsächlich so, versicherte mir ein Afrikaner, dass seine Landsleute jetzt auf ausländische Assistenz angewiesen seien. 'Assistenz' bedeutet Hilfe, nicht Kolonialherrschaft. Seit der weiße Mann Afrika verließ, machten sich zunächst fast überall brutale Diktatoren breit. Auf religiöser Ebene wurde das Christentum allenthalben vom Islam überrannt, und neuerdings meldet sich auch China vielerorts als die neue Kolonialmacht.
Die Bevölkerungen der verarmten Länder sind viel zu schwach, um sich gegen alle
diese fremden Kräfte zu wehren. Nicht alle Länder besitzen Bodenschätze, deren Export finanzielle Hilfe schaffen kann. Dazu kommt der Klimawandel: eine jahrelange Dürre für die zentralafrikanischen Regionen ist prophezeit. Ohne Hilfe
von außen können das manche Gebiete einfach nicht verkraften. Das sollte jedoch keinen neuen Kolonialismus in die Wege leiten.
Wo soll es diese Industrie geben? Ihre Angabe ist etwas ungenau.
Ich jedenfalls habe in Westafrika (Gambia) keine gesehen. Wohl aber Händler auf den Märkten, die ihren Lebensunterhalt mit dem Handel von gebrauchten Kleidern verdienen, gerade junge Männer tragen lieber moderne Jeans als das traditionelle Gewand.
Schneider habe ich auch gesehen, die mit ihren Nähmaschinen die leicht zu nähenden traditionellen Kleider nähen. Traditionell heißt allerdings: Importierte Stoffe, die sie manchmal mit kunstvoller Batik färben; keine traditionellen Farbstoffe, sondern moderne, importierte, da die beim Waschen nicht so schnell ausbleichen. Industrie würde ich das nicht nennen. Auch sehe ich im Moment nicht, dass diese Kleider durch die gebrauchten aus dem Westen verschwinden werden.
Aber nicht alle wollen sich (halb)traditionell kleiden, neu können sie sich meist die europäische, moderne Keidung nicht leisten. Warum nicht auf dem Markt gebraucht?
sind das Ergebnis einer brutalen und ueber 600 Jahre andauernden Kolonialherrschaft, waehrend der die Europaer sich ihre Stuecke ohne Ruecksicht auf bestehende Stammesstrukturen mit dem Lineal herausschnitten, um sie anschliessend ruecksichtslos auszubeuten. Ein ganzer Kontinent ging zu Bruch und hinterliess eine Bevoelkerung, der saemtliche Eigeninitiative und die Moeglichkeit zu einer selbststaendigen Entwicklung genommen wurde. Das ist nicht mehr zu repaprieren und koennte sogar noch schlimmer werden, wenn jetzt China oder die USA anfangen, in Afrika zweifelhafte Deals mit sog. Entwicklungshilfe zu schliessen, um an die noch verbleibenden Rohstoffe zu kommen. Damit wird Afrika ein zweites Mal kolonisiert.
Hi @ll
Ihr Post ist der Beweis für die These des Vorposters.
Was bitte soll es bringen wenn Afrika hemmungslos exportiert?
Wichtiger wäre es erst mal einen funktionierenden innerafrikanischen Markt zu etablieren,den gibt es nämlich nicht.
Wünschenswert wäre auch ein offener Blick auf die Probleme,nur was sehen wir da.
-Sudan führt Krieg gegen die eigene Bevöllkerung
-Regierunschef Mbeki(Südafrika) weigerte sich bis vor kurzem das Problem AIDS überhaupt zur Kenntnis zu nehman
-Mugabe (Simbabwe)richtete innerhalb weniger Jahre die Landwirtschaft restlos zu Grunde
Die Liste lässt sich ohne viel Mühe beliebig erweitern.
Es ist absolut billig über den ach so bösen *Westen* zu quengeln erst mal selber in den Spiegel schauen.
Afrika ist absolut in der Lage sich selber zu versorgen,es gibt dort Rohstoffe in Hülle und Fülle woran es mangelt sind Regierungen die regieren.
Btw.
Die Zuckersubventionen in der EU sind drastisch reduziert worden mit dem Ergebnis das nicht der kleine afrikanische Zuckerbauer zum Zuge kam sondern der mechanisierte Großbauer in Brasilien.
Der Schuss ging komplett nach hinten los.
Also runter mit der rosa Brille.
Gruss
Rene
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren