Entwicklungshilfe Koloss der Hilfe

Das Entwicklungshilfeministerium will die GTZ besser steuern. Doch die mächtige Organisation wehrt sich.

Eine Idylle bietet Hessens reichste Gemeinde nicht, aber sie liegt nur 20 Minuten vom Frankfurter Flughafen entfernt, ideal für Global Player. Deshalb reiht sich in Eschborn ein Bürogebäude ans nächste: Die Wirtschaftsberater von Ernst & Young, T-Com – und die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die dafür da ist, deutsche Entwicklungspolitik in die Praxis umzusetzen.

Die Flure sind für den Lichteinfall weit geöffnet und mit neuer Wärmedämmung frisch energiesaniert. Schon der Bau steht Reklame für ein Ziel, das die GTZ auf der ganzen Welt verfolgt: nachhaltigen Energieeinsatz. »Ecosan«-Trenntoiletten betreiben ökologisches Abwassermanagement. Auf einem Bildschirm im Foyer leuchtet die Einladung zum Seminar: »Was Sie schon immer über Korruptionsbekämpfung wissen wollten«.

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Von hier aus starten deutsche Fachleute in die Welt. Leisten Nothilfe und Wiederaufbau in Afghanistan. Bilden Polizistinnen in Nicaragua zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen aus. Planen mit bei der Wasserwirtschaft Jordaniens. Fördern Ökostandards in der Kaffeeproduktion. 2282 Projekte und Programme realisiert die GTZ in 126 Ländern.

Selbst das Ziehen von Grundstücksgrenzen ist hier harte Arbeit: eine Frau nahe Kapstadt hackt in ihren neuen Grund und Boden die Linie, die ihr Land kennzeichnet

Selbst das Ziehen von Grundstücksgrenzen ist hier harte Arbeit: eine Frau nahe Kapstadt hackt in ihren neuen Grund und Boden die Linie, die ihr Land kennzeichnet

Entwicklungshelfer nennt sie ihre Mitarbeiter schon lange nicht mehr. Sie seien »Veränderungsmanager« – und ihre Arbeit sei »Weltspitze«, lobt der Leiter der Unternehmensentwicklung, Andreas Proksch, während er sich lässig gegen seinen höhenverstellbaren Konferenztisch lehnt. Nervös wirkt er trotzdem, wie viele seiner Kollegen. Die sagen jetzt oft: »Dazu können wir uns nicht äußern.« Sonst ist man von ihnen selbstkritische Reflexionen gewöhnt – zurzeit aber ist fast alles, was sie machen, toll. Der Grund: eine Fusionsdrohung. Die kann auch Bundesunternehmen treffen.

Die GTZ beschäftigt 9000 Experten im Ausland

Die GTZ, die im vergangenen Jahr knapp 780 Millionen Euro umsetzte, ist die größte Organisation im »Vorfeld« des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Sie erledigt die praktische Arbeit. Es gibt aber noch eine andere Organisation: die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), jene Entwicklungsbank im nahen Frankfurt, die im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro Steuergelder als Zuschüsse und Kredite in der Welt verteilte. Je ärmer ein Land, desto günstiger die Bedingungen.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    wenn der artikel noch mit dem soundtrack alter wochenschauen unterlegt würde, mit schmetternden hörnern und schlagenden becken

    tamm tamm --- deutscher schmarrn

    wieczorek - zeul unlängst we´re so sorry ... als entschädigungsforderungen aus südostafrika ins haus flatterten ...

    long live homo faber and the 50ies - so jedenfalls der artikel

  2. Die GTZ ist gut. Ihre Sprache versprüht Zeitgeist und Modernität und gaukelt der Entwicklungs-Community, den braven Beamten des BMZ und auch dem überforderten Steuerzahler vor, dass hier Entwicklungshilfe mit anderem Wasser gekocht werde als bei den Nicht-Regierungsorganisationen. Den Nachweis bleibt sie uns schuldig. Anders allerdings als bei den NGOs ist die GTZ eine GmbH, und zwar eine, die dank ihres staatlichen Auftraggebers niemals Pleite machen kann. So kaschiert ihr modernistischer Jargon und Gebaren, dass sich ihre Kader ganz gerne aus dem Vollen bedienen. Klar kann man da auch gut sein. Vor allem ist die GTZ aber teuer...und fürchtet nicht zuletzt deshalb ihre Privatisierung wie der Teufel das Weihwasser. Die Zeit wäre reif darüber nachzudenken.

  3. Im Falle der GTZ ist 'Durchfuehrungsorganisation' nur noch eine wenig elegante Umschreibung fuer staatlich alimentierte Consulting-Klitsche. Durch die Ausweitung des Drittmittelgeschaefts hat sie auch noch das Feigenblatt einer vermeintlichen 'Unabhaengigkeit' verspielt. Nur sozialromantische Prosa soll noch den Unterschied zu 'komerziellen' Beratungsfirmen kaschieren. Die beherrschen in dieser Branche die privaten mindestens ebenso gut. Der Vorteil der GTZ: die Leute die morgens auf der oeffentlichen Halbtagsstelle die staatlichen Gelder ausschreiben koennen sich mittags auf der 'privaten' GTZ Halbtagsstelle darum bewerben.

    Beim letzten DAC Peer Review wurde ueber die deutsche EZ eigentlich alles gesagt was zu sagen ist. Zu viele DOs, zu kompliziert, keine klare Verantwortlichkeit.
    Dabei ist den meisten nichtmal klar, dass die GTZ die fast die komplette konzeptionelle Arbeit fuers BMZ erledigt und sich deswegen selbst gut unentbehrlich machen kann. Anderswo nennt man sowas zumindest Interessenkonflikt.

    Die Loesung ist eigentlich offensichtlich: den Teil, der die konzeptionelle Arbeit fuers BMZ macht, ins BMZ eingliedern, am besten die KfW Entwicklungsbank gleich dazu und den Rest privatisieren. Pauschalzuwendungen wie an die GTZ oder das DIE auch streichen. Und den ganzen Laden gut durchlueften.

    Aber so lange das Ministerium nur ein Parkplatz fuer total fertige Politschauspieler wie die schreckliche Frau mit den roten Haaren ist, wird da wohl nix draus. Die deutsche EZ wird wohl auf lange Zeit provinziell bleiben. Brunnenbohrer im Nadelstreifen oder so aehnlich.

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