Entwicklungshilfe Koloss der HilfeSeite 4/4

Verwirrte Regierungen, unnötige Kosten

Bloß kommen sich die beiden Organisationen dabei ins Gehege. Da plant die GTZ Steuerbehörden und Kataster von Osteuropa bis ins südliche Afrika mit, doch auch die KfW lässt Kredite und Zuschüsse in den Verwaltungsaufbau fließen. Oft beraten sie dann die gleichen Leute in den Empfängerländern, und nicht immer gelingt ihnen eine saubere Abstimmung. Oder sie arbeiten gleich gegeneinander, weil jeder Berater vor allem sich und die eigene Institution profilieren will. Außerdem buhlen GTZ und KfW beim BMZ um das gleiche Haushaltsgeld – etwa wenn jetzt beide erneuerbare Energien oder Mikrofinanzsysteme fördern wollen. Weil noch weitere, kleinere »Vorfeld-Organisationen« aktiv sind, spricht auch Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik von einer »heillosen Fragmentierung«. Sie verwirre Empfängerregierungen und bürde ihnen unnötige Kosten auf.

Anfangs schien es, als werde die Ministerin den Institutionenstreit zugunsten der KfW entscheiden und ihr die GTZ einverleiben. Schließlich transferiert die KfW mit weniger Mitarbeitern mehr Geld in die Länder und fügt durch Mischkredite noch neues hinzu. Aber an Wieczorek-Zeuls Argumenten entzündete sich eine Debatte. Ihre Logik folgte auch der aktuellen Entwicklungshilfe-Mode, lieber Regierungsbudgets in Partnerländern direkt zu stärken. Bei der technisch ausgerichteten Beratung der GTZ hingegen bleiben die Summen in deutschen Händen; ein Mangel an Transparenz führte in manchen Ländern zu Irritationen.

Andreas Proksch bringt vor, dass dieser Trend zur »Budgethilfe« erst recht eine »Renaissance der technischen Zusammenarbeit« hervorgebracht habe. Ausgerechnet dann solle ihr Stellenwert in einer Institutionenreform geschwächt werden? Nein, ergänzt seine Kollegin Cornelia Richter, die Expertise der GTZ sei wichtig und hoch politisch. Deutschland und Europa könnten Werte demonstrieren. Auch Hansjörg Elshorst, früherer Geschäftsführer der GTZ, sähe als Berater »lieber mehr demokratisch sensible GTZs als neoliberale McKinseys«.

Im Augenblick gilt es wieder als offen, wie die Ministerin ihr »Vorfeld« neu organisiert. Katz und Maus, GTZ und KfW, sitzen jetzt sogar selbst zusammen und erarbeiten Kooperationsvorschläge, um zu verhindern, dass sie in einer ganz neuen Entwicklungsagentur aufgelöst werden. So könnte aus Eschborn doch noch Ort einer Idylle werden.

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Leser-Kommentare
  1. 1.

    wenn der artikel noch mit dem soundtrack alter wochenschauen unterlegt würde, mit schmetternden hörnern und schlagenden becken

    tamm tamm --- deutscher schmarrn

    wieczorek - zeul unlängst we´re so sorry ... als entschädigungsforderungen aus südostafrika ins haus flatterten ...

    long live homo faber and the 50ies - so jedenfalls der artikel

  2. Die GTZ ist gut. Ihre Sprache versprüht Zeitgeist und Modernität und gaukelt der Entwicklungs-Community, den braven Beamten des BMZ und auch dem überforderten Steuerzahler vor, dass hier Entwicklungshilfe mit anderem Wasser gekocht werde als bei den Nicht-Regierungsorganisationen. Den Nachweis bleibt sie uns schuldig. Anders allerdings als bei den NGOs ist die GTZ eine GmbH, und zwar eine, die dank ihres staatlichen Auftraggebers niemals Pleite machen kann. So kaschiert ihr modernistischer Jargon und Gebaren, dass sich ihre Kader ganz gerne aus dem Vollen bedienen. Klar kann man da auch gut sein. Vor allem ist die GTZ aber teuer...und fürchtet nicht zuletzt deshalb ihre Privatisierung wie der Teufel das Weihwasser. Die Zeit wäre reif darüber nachzudenken.

  3. Im Falle der GTZ ist 'Durchfuehrungsorganisation' nur noch eine wenig elegante Umschreibung fuer staatlich alimentierte Consulting-Klitsche. Durch die Ausweitung des Drittmittelgeschaefts hat sie auch noch das Feigenblatt einer vermeintlichen 'Unabhaengigkeit' verspielt. Nur sozialromantische Prosa soll noch den Unterschied zu 'komerziellen' Beratungsfirmen kaschieren. Die beherrschen in dieser Branche die privaten mindestens ebenso gut. Der Vorteil der GTZ: die Leute die morgens auf der oeffentlichen Halbtagsstelle die staatlichen Gelder ausschreiben koennen sich mittags auf der 'privaten' GTZ Halbtagsstelle darum bewerben.

    Beim letzten DAC Peer Review wurde ueber die deutsche EZ eigentlich alles gesagt was zu sagen ist. Zu viele DOs, zu kompliziert, keine klare Verantwortlichkeit.
    Dabei ist den meisten nichtmal klar, dass die GTZ die fast die komplette konzeptionelle Arbeit fuers BMZ erledigt und sich deswegen selbst gut unentbehrlich machen kann. Anderswo nennt man sowas zumindest Interessenkonflikt.

    Die Loesung ist eigentlich offensichtlich: den Teil, der die konzeptionelle Arbeit fuers BMZ macht, ins BMZ eingliedern, am besten die KfW Entwicklungsbank gleich dazu und den Rest privatisieren. Pauschalzuwendungen wie an die GTZ oder das DIE auch streichen. Und den ganzen Laden gut durchlueften.

    Aber so lange das Ministerium nur ein Parkplatz fuer total fertige Politschauspieler wie die schreckliche Frau mit den roten Haaren ist, wird da wohl nix draus. Die deutsche EZ wird wohl auf lange Zeit provinziell bleiben. Brunnenbohrer im Nadelstreifen oder so aehnlich.

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