Russland »Putin ist extrem clever«
Der russische Oppositionspolitiker und ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow über seine Angst vor einem Giftmord, die Macht des Präsidenten und seine Ausladung bei »Sabine Christiansen«
DIE ZEIT: Herr Kasparow, vorletztes Wochenende haben Sie in Moskau gemeinsam mit anderen Politikern, die sich für Demokratie einsetzen, den »Marsch der Nichteinverstandenen« organisiert. Es kamen 3000 Menschen – und 8000 Polizisten. War die Demonstration ein Erfolg?
Garri Kasparow: Jede Demonstration, die zustande kommt, ist momentan ein Erfolg. Wir wollten den Zusammenhalt unserer neuen Koalition »Das andere Russland« testen – und der wurde unter Beweis gestellt. Dass so viel Polizei da war, hat gezeigt, dass die Regierung noch nicht einmal in der Lage ist, mit einer solch harmlosen Gruppe umzugehen wie uns. Wir wollen nur diskutieren.
ZEIT: Wer war da?
Kasparow: Es war eine sehr bunte Mischung, weil Das andere Russland ein Zusammenschluss der verschiedensten politischen Gruppierungen ist. Wichtig für uns aber war: Es waren alle Altersgruppen da, Leute, die normalerweise nicht unbedingt für Politik auf die Straße gehen.
ZEIT: Wieso tun sie es jetzt?
Kasparow: Viele glauben, dass demokratische Freiheiten wichtig sind. Ihnen wird immer bewusster, dass dieses autoritäre Regime die Zukunft aller Bürger bedroht, egal in welcher Position.
ZEIT: In den Büros Ihrer Bürgerfront gab es eine Razzia, einen Tag vor der Demonstration.
Kasparow: Nun, sie haben etwas gesucht, was sie gegen uns verwenden können. Mit Hilfe eines neuen Gesetzes gegen politischen Extremismus, das gerade verabschiedet wurde, kann man Leute inhaftieren, die zum Beispiel Schriften gegen die Regierung verbreiten. Sie haben ein paar Dinge, Buttons und Zeitungen, mitgenommen; die Polizei hat eine Untersuchung angekündigt. Diese Aktion hat aber nur gezeigt, dass die Regierung, oder sagen wir besser das Regime, versucht, Stärke zu zeigen; am Ende hat sie aber nur gezeigt, dass sie schwach ist. Sie hat unsere Anhänger nur noch mehr überzeugt. Was aber wirklich gefährlich ist: All diese Aktionen gegen Oppositionelle werden nicht von der Polizei ausgeführt, sondern vom Geheimdienst FSB und von einer speziellen Einheit zum Kampf gegen Organisiertes Verbrechen.
ZEIT: Haben Ihnen die Morde an der Journalistin Anna Politkowskaja und dem Ex-Agenten Alexander Litwinenko Angst gemacht?
- Datum 27.12.2006 - 07:40 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.12.2006 Nr. 01
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Als Schachspieler habe ich ihn geschätzt, was er sagte in seinen Auftritten ( Maischberger) klang plausibel. Was ich aber in jüngster Vergangenheit höre und sehe macht ihn für mich unglaubwürdig. Ich habe die Tagesschaubilder gesehen. Die Korrespondenten waren voller Lob über die sen Schachspieler. Ich sah weiß-rote Fahnen, wo anstelle des Hakenkreuzes Hammer und Sichel in schwarz eingaßt waren. Ich sah einige dunle Gestalten, kaum Frauen. Es sah so gespenstisch aus wie Demos einer nationalen Partei in Deutschland, welche auch in unseren Medien verdrängt wird. Was ich nicht sah, war die Opposition Jabloko, Herrn Jarowlinski, ich sah nicht die oppositionellen Kommunisten. Diese werden ihre Gründe haben nicht mit Herrn Kasparow zusammen gesehen zu werden. Herr Kasparow spricht davon, dass er nicht in den Medien auftreten darf, weil die systemnah sind oder von ihnen gelenkt. Ich kenne solche Sätze. 'Das sind Behauptungen systemtreuer Medien, die uns nicht zu Wort kommen lassen. Aber auch Politiker wollen durch solche Debatten von ihrer Verantwortung für das Elend in unserem Land ablenken....' Zitat Timo Lange Stelv. Fraktionsvorsitzender der NPD im Landtag Mecklenburg- Vorpommern. Die Thesen ähneln sich. Ich wundere mich schon über die überwiegende Mehrheit, die gerade der russischen Opposition mehr Aufmerksamkeit als der eigenen schenkt. Wer setzt sich in der BRD damit auseinander, dass die gesamte Linksfraktion im Bundestag nachrichtendienstlich vom Verfassungsschutz überwacht wird. Oder wird das als selbstverständlich betrachtet? Wenn dem so ist, ist es auch selbstverständlich, dass der russische Staat Oppositionelle der Spezie Kasparow auch besonders aufmerksam beobachtet.
Warum muss eigentlich die russische Politik in unseren Medien ausgefochten werden und dann immer parteiisch gegen den Staat. Ist das die Aufgabe der deutschen Medien? Bei uns kommt die Oppositon des deutschen Bundestages, und ich meine nicht die FDP oder die Grünen, in der Tagesschau oder anderen Sendungen vor. Oder hier im Blatt. Nichts liest man, obwohl 4 Mill Menschen die linke Opposition gewählt haben. Dafür kommt so ein russischer Bürger mit amerikanischen Pass ausführlich zu Wort, der eine fragwürdige Gruppierung repräsentiert.
Wenn man schon Kasparov mit den NPD-Leuten vergleicht, dann fehlt mir schwer eine korrekte Diskussion mit den Holger zu führen. Haben Sie sich Mühe gegeben, mal die Kasparovs Biografie zu lesen? Offenbar nicht! Waren Sie Holger mal in Russland? Haben Sie mal eine russische Zeitung in der Hand gehabt?
Ich habe die Möglichkeit gehabt Russland 29 Jahre hautnah zu erleben!
Glauben Sie: Putins-Regime hat viel mehr Menschen ungebracht, als Pinochet.
Aber Westen schweigt und wird weiter den „lupenreinen Demokrat“ hervorrufen.
Geschäft über alles!!! Vielleicht kauft uns die Regime (entschuldigen, Gasprom!) noch ein Fußballclub?! Wenn der Rubel rollt, soll den Gewissen schweigen! Bitter!
Fragen Sie bei 2 Mio Ex-Russen, die aus dem Land geflohen sind, ob alle es wg. Wurstchen und Bier gemacht haben? Es stinkt in Russland gewaltig. Nun nicht jeder, wie Kasparov, hat den Mut sich gegenüber den übermächtigen „Demokraten“ zu stellen. Ich leider nicht!
Darum bin ich hier seit 13J.
PS. Ukraine, Georgien, Weissrußland… Wann Gasprom seine Preise für Deutschland lupenreich demokratisch um 4-fache erhöht, melden Sie sich bei mir, lieber Holger.
Valeriy
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