Kalte Füße am großen Lagerfeuer
DIE ZEIT: Frau Piel, wie sieht ein ganz normaler Fernsehtag im Jahre 2015 aus? Monika Piel: Ich gehe davon aus, dass die meisten Leute morgens immer noch Radio hören werden.Aber der Fernsehfreak geht morgens zuerst an seinen Computer, ruft die Nachrichten der letzten Nacht ab und wird, ohne hinzuschauen, eine Morgensendung laufen lassen.Beim Warten an der Haltestelle guckt er auf seinem Handy eine Soap, nicht länger als ein, zwei Minuten.Im Büro arbeitet er ausschließlich am Computer. Wahrscheinlich ist er Mitglied einer Web-Community, mit der er erst einmal Kontakt aufnimmt.Fernsehen und Internet werden eins sein, übers Fernsehen der Zukunft zu reden heißt, übers Internet zu reden. ZEIT: Was macht der Zuschauer der Zukunft am Abend? Piel: Es kommt darauf an, wie alt dieser Mensch ist.Ob er sich noch gemeinsam mit anderen ein klassisches Programm anguckt.Ich glaube, dass es noch etwas geben wird, was die Leute zusammenhält.Oder er sucht sich vollkommen selbstständig seine Inhalte.Er hat alles Mögliche abonniert und wählt aus den Angeboten aus.Und dann wird er sich abends noch einmal bei seiner Community melden, ehe er ins Bett geht. ZEIT: Kommt er im Laufe des Tages beim WDR vorbei? Piel: Davon gehe ich aus.Gerade bei Nachrichten will er sicher sein, dass die stimmen.Und dann klickt er auf wdr.de. Hubertus Meyer-Burckhardt: Er kommt beim WDR nur vorbei, wenn es bis zu diesem fernen Jahr gelungen ist, die Marke WDR präsent zu halten in den Köpfen der Menschen.Ich glaube, alles wird individueller werden, virtueller.Der Lagerfeuer-Effekt, der Versammlungs-Effekt des Fernsehens wird völlig vorbei sein.Das Fernsehen wird Portalcharakter haben.Markus Englert, Vorstand bei ProSiebenSat.1, sagt: Unsere Strategie heißt »on all screens«.Es wird also einen Wettbewerb der Marken geben ZEIT: um die Plätze auf allen denkbaren Bildschirmen von Fernsehen, Computer, Handy? Piel: Ich glaube nicht, dass der Lagerfeuer-Effekt vorbei sein wird. Menschen meines Alters, aber auch zehn oder 15 Jahre Jüngere sind noch damit sozialisiert. Meyer-Burckhardt: Was mich skeptisch macht, ist mein 15-jähriger Sohn: Der hat virtuelle Communities, Menschen, mit denen er fast jeden Abend via Internet kommuniziert.Wenn ich dem zur Strafe Fernsehverbot geben würde, würde er mich hilflos ansehen und sagen: Kein Problem. ZEIT: Schon jetzt liegt das Durchschnittsalter der WDR-Zuschauer bei über 60 Jahren.Werden in Zukunft junge Leute überhaupt noch fernsehen? Piel: Das weiß im Moment keiner.Wird noch irgendein junger Mensch die ZEIT lesen? Meyer-Burckhardt: Ein Stichwort in der Plattenindustrie heißt pre-bundling: Man bündelt zwölf Songs auf einer CD, darunter drei Hits, aber neun Lieder müssen Sie mitkaufen.Das akzeptieren die jungen Leute nicht mehr.Die Folge ist der iPod und das Existenz-Problem des Radios.Im Fernsehen wird es ähnlich sein.Pay TV und Video on Demand haben ihre große Zeit noch vor sich. Piel: Aber wie viel Geld werden die Deutschen zusätzlich für so ein Programm ausgeben?Ich sehe als Kern weiter die linearen Programme. Die Medienlandschaft wird undurchsichtiger und stellt immer mehr Ansprüche an die Nutzer irgendwann werden die Menschen die Nase davon voll haben.Es ist zu aufwändig, sich alles selber zusammenstellen zu müssen.Menschen nehmen auch gern passiv ein Angebot entgegen und sagen, Gott sei Dank, da hat einer für mich ausgesucht. Meyer-Burckhardt: Reden wir von jüngeren Leuten, glaube ich an die Programmschiene nicht mehr.Da hat sich über den Generationssprung etwas strukturell verändert, nicht bloß konjunkturell.Es ist die erste Generation, für die nicht nur ein Produkt cool sein muss, sondern auch der Vertriebsweg.Musik runterladen ist ja nicht cool nur wegen der Musik, sondern der Weg selbst, auf dem sie zu meinem Sohn kommt, ist cool.Also wird Bezahlfernsehen eine Rolle spielen: Pay TV ist Community und damit cool. ZEIT: Was kann man zum Beispiel beim WDR schon jetzt an Fernsehprogramm herunterladen? Piel: Wir haben im Moment noch riesengroße Rechteprobleme.Wenn das Urheberrecht nicht in vielerlei Hinsicht geändert wird, sieht das für alle Anbieter schlecht aus.Als Öffentlich-Rechtliche halten wir uns an die Regeln und können nicht einfach alles online stellen.Ab 2007 werden wir zum Beispiel auch ein Regio-Portal anbieten.Da kann man unsere regionalen Hörfunk- und Fernsehbeiträge und -sendungen abrufen. Regionalisierung ist in dieser komplizierter werdenden Welt ein ganz wichtiger Punkt.Umfeld, Heimat, einen sicheren Anker haben.Aber man darf auch nicht vergessen: Noch ist die Zielgruppe für solche Dienste sehr klein.Man muss sich genau überlegen, wie viel Geld man da hineinsteckt.Schädige ich mein Hauptprogramm und investiere in eine Richtung, die cool wirkt, aber mir nicht nutzt? Meyer-Burckhardt: In Wahrheit sind die Nutzerzahlen vieler Portale im Geleittross des Fernsehens überall nicht doll.Offensichtlich gibt es immer noch die Trennung zwischen lean forward und lean backward: Am Computer sitze ich aufrecht, das ist die Arbeitssituation.Abends will ich mich zurücklehnen, das ist am PC gar nicht möglich. Piel: Für die meisten ist Fernsehen immer noch das Chill-out-Medium. ZEIT: Werden die technischen Veränderungen die Ästhetik des Fernsehens verändern?Es ist ja ein Unterschied, ob Sie ein Programm fürs Handy oder für den riesigen Plasmabildschirm machen. Meyer-Burckhardt: Die Ästhetik des Fernsehens gibt es gar nicht.Schon jetzt präsentieren sich Viva oder MTV ganz anders als ProSieben oder Tagesschau.Bestimmte Telenovelas pflegen extra den dirty look, um die Akzeptanz ihrer Zielgruppe zu finden. Piel: Nachrichtensendungen funktionieren auf Handybildschirmen ganz ordentlich, alles Fiktionale aber bisher nicht.Auch weil Sie unterwegs gar nicht die Zeit haben, einen langen Plot zu gucken.Sie müssen ein eigenes McTV machen mit kurzen Formaten von ein bis drei Minuten.Es gibt eine englische Studie, die Handy-TV nicht so große Erfolgschancen zumisst.Vielleicht werden auch nur selbst eingestellte Videos der Renner, also eine Art SMS mit Bild.Das Einzige, was im Moment über UMTS und Handy ökonomisch funktioniert, ist bezeichnenderweise die Pornoindustrie. Meyer-Burckhardt: Hubert Burda hat neulich auf die Frage »Warum entstehen Sachen wie YouTube nicht in Deutschland?« die sehr kluge Antwort gegeben: Das entsteht nicht nur in Deutschland nicht, das entsteht vor allen Dingen in großen Konzernen nicht!Die screenen lieber den Markt der Garagenfirmen, bevor sie selber einem Hauptabteilungsleiter in ihrem Haus sagen: Seien Sie doch einmal revolutionär in Ihrem Leben! ZEIT: Wird es Massenphänomene wie Thomas Gottschalk und Wetten, dass? weiterhin geben? Meyer-Burckhardt: Der Gottschalk, der Jauch, der Schmidt haben sich nur zu Superstars entwickeln können, weil sie noch aus der öffentlich-rechtlichen Zeit kommen und das ganz große Publikum erlebt haben.Alle Moderatoren, die heute 25, 30 sind, werden naturgemäß eher Zielgruppenstars sein. ZEIT: Und für die einzelnen Sender zur Profilbildung immer wichtiger sein.Da kann es Ihnen, Frau Piel, nicht gefallen, wenn Günther Jauch sowohl bei Ihnen in der ARD wie bei RTL zu sehen ist. Piel: Ich rede jetzt nicht über einzelne Personen.Aber im Sinne der Markenpflege wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, dass jemand in beiden Systemen auftritt.Entweder ist einer bei uns oder bei den Kommerziellen. ZEIT: Darf ein öffentlich-rechtlicher Moderator weiterhin Werbung machen? Piel: Wenn ich mir die Wirklichkeit so backen könnte, wie ich wollte nein.Das ist aber unrealistisch.Leider.Die Werbung zahlt für diese Leute sehr viel, es wäre nicht möglich, einen solchen Verdienstausfall zu kompensieren.Wenn jemand eine Unterhaltungssendung macht, habe ich kein Problem damit, solange die Werbeverträge nicht schädlich sind für unser Image.Alles andere wäre wirklichkeitsfremd.Aber Leute, die im journalistischen Bereich arbeiten, können nicht werben. ZEIT: Wenn Günther Jauch die Nachfolge von Sabine Christiansen antritt, ist das nicht mehr Unterhaltung, sondern Journalismus.Und er wirbt weiter für die Süddeutsche Klassenlotterie und anderes. Piel: Ja, das wäre ein Problem. Meyer-Burckhardt: Der Streit um die Werbeverträge der Moderatoren ist bis zu einem gewissen Punkt eine absurde Neiddebatte.Heikel fände ich, wenn der oder die Betreffende die Tagesschau moderiert.Aber solange es sich um Unterhaltung dreht, hätte ich damit kein Problem. ZEIT: Herr Meyer-Burckhardt, Sie haben mal gesagt, das deutsche Fernsehprogramm sei das beste der Welt.Wie kommen Sie darauf? Meyer-Burckhardt: Das ist meine tiefe Überzeugung.Nennen Sie mir ein Land, wo es zwei Kulturkanäle gibt, zwei sehr gute öffentlich-rechtliche Systeme und zwei sehr gute private Familien!Wir haben die besten Fernsehspiele und Telemovies der Welt.Wir haben die besten Programm-Marken, denken Sie allein an Sperling oder Stubbe. ZEIT: Aber ist das deutsche Fernsehen innovativ? Meyer-Burckhardt: Was heißt innovativ?Das Wort treibt mich zum gedämpften Wahnsinn.In Wahrheit haben Sie bei jedem Fernsehspiel nur zwei Modelle: Boy meets Girl oder Whodunit.Es gibt nix dazwischen. Sie können das mit neuen Lichteffekten garnieren.Aber schon dann darf man nicht mehr das große Publikum erwarten.Erneuern?Filme machen ist wie kochen: Jeder geht auf denselben Markt, holt dieselben Zutaten, und der eine macht daraus ein Drei-Sterne-Menü, und beim anderen verbrennts. ZEIT: 24, die Echtzeitserie von Fox, hat wirklich etwas Neues gebracht. Meyer-Burckhardt: Der von mir sehr verehrte Produzent Wolfgang Rademann hat mal gesagt: Wenn du in Deutschland Quote machen willst, musst du sie in der Provinz machen.Das ist in Amerika nicht so.Dort wird nur ein Teil der Erlöse aus dem heimischen Markt genommen, der Rest kommt aus dem Vertrieb from all over the world.Die holen mit einer Serie das urbane Publikum weltweit ab.Das geht in Deutschland nicht.Nicht, weil wir blöder sind, es hat strukturelle Gründe.Wir sind ein reines Lizenznehmerland, wir saugen irrsinnig viel von draußen rein.Gehen Sie zum Programmdirektor vom WDR, und schlagen Sie ihm 24 vor: Kein billiges Programm, und wenn wir elf Prozent Marktanteil kriegen, freuen wir uns schon sehr.Der geht mit Ihnen, wenn Sie Glück haben, in der Kantine noch einen Kaffee trinken, dann sind Sie schon wieder draußen vor der Tür. ZEIT: Aber die neue Ästhetik im Internet ?? schnelle, preiswerte Bilder, mehr Gewalt, Interaktivität hat doch die Erwartung an Fernsehbilder verändert. Meyer-Burckhardt: Da widerspreche ich Ihnen zaghaft, aber mit fester Stimme.Ich als Produzent bin doch das, was amerikanische Soziologen als New-Amish-Phänomen bezeichnen, nach den Amish People, die noch zu leben versuchen wie im 19.Jahrhundert.Es gibt immer antizyklische Bewegungen.Keine Industrie ist vom Internet so zerbombt worden wie die Plattenbranche.Hat das Auswirkungen auf die künstlerischen Darstellungsformen gehabt?Wohl nicht.Neil Young hat Epigonen rauf und runter.Die teilweise auch zerstörerische Kraft des Internet hat zunächst mal auf Inhalte überhaupt keinen Einfluss. Piel: Aber die Videoclip-Ästhetik hat die fiktionalen Stoffe doch sehr verändert.Schnellere Schnitte, viel kürzere Szenen Meyer-Burckhardt: Das stimmt.Ich habe neulich eine Wiederholung von Bios Bahnhof gesehen: Der zog in dieses Straßenbahndepot ein ich dachte, das hört gar nicht mehr auf! Piel: Und ich meine auch zu beobachten, dass all die seltsamen selbst gedrehten Videos im Netz ein Element sind, das immer häufiger in professionell gemachte Stoffe einfließt. Meyer-Burckhardt: Aber im Moment ist einer der größten Kinoerfolge in Amerika Little Miss Sunshine: ein traditionelles Roadmovie.Nur hätte man vor 20 Jahren in den Familienbus keinen kokainsüchtigen Opa gesetzt.Ansonsten war er gemacht für Sehgewohnheiten der achtziger Jahre. Piel: Ich glaube, dass Teile des Publikums nicht mehr unseren Qualitätsmaßstäben folgen.Dass es Menschen gibt, die mit Lust anschauen, wie einer sich zu Hause mit der Videokamera verwackelt stundenlang selber ins Gesicht filmt Ich weiß nicht, wer sich das anguckt, da bin ich sprachlos. Meyer-Burckhardt: Das fing 1977 auf der Documenta in Kassel an und hieß Videokunst. Piel: Da jeder selbst ein Video drehen kann und solche Filme auch überall zu sehen sind, ist das einzige Kriterium: dabei sein. ZEIT: Wird die Qualität des Nachrichtenjournalismus darunter leiden? Piel: Die Gefahr ist da.Ich kann mir viele Situationen vorstellen, in denen Videoreporter gut sind.Aber die Grenzen sind da, wo die Kamerabedienung den Reporter von seiner eigentlichen Aufgabe abhält. In einer Pressekonferenz soll er zuhören und kritisch nachfragen und sich nicht damit beschäftigen, ob er die besten Bilder bekommt.Ich möchte, dass Journalisten die klügsten Köpfe bleiben. Meyer-Burckhardt: Die Frage ist doch, ob man von etablierten Marken überhaupt Innovation erwartet.Von Computerspielen, die mittlerweile 30 Milliarden Dollar weltweit umsetzen, erwarte ich Innovation, bei Geschäftsideen im Internet.Als Zuschauer würde ich es aber sehr skeptisch sehen, wenn die ARD eine Kommission »Innovation« einsetzen würde mit dem Ziel, die Tagesschau mal so richtig umzukrempeln.Ich find die prima, wie sie ist. ZEIT: Was werden in Zeiten der totalen Zersplitterung Erfolgsparameter für Sie sein?Die Quote sicher nicht mehr.Ist man erfolgreich, wenn man aus einer Sendung eine lukrative Verwertungskette schmiedet, über die dann das Geld reinkommt? Piel: Für mich heißt Erfolg: Qualität.Auch wenn die Quote mal leidet. Aber Sie sehen mich relativ entspannt - dass in Kürze alles zusammenbricht so weit ist es einfach noch nicht.Gerade die Internet-Communities sind komplett sprunghaft.Da haben wir noch Zeit genug zu schauen, was zu uns passt.Aber ich gehe davon aus, dass kommerzielle Sender und die Öffentlich-Rechtlichen noch deutlicher unterscheidbar werden.Eine unserer Aufgaben heißt doch auch: Lebenshilfe zu geben.Viele Menschen schaffen es gar nicht, ohne Hilfe in diese virtuellen Welten hineinzukommen.Das ist eine Generations-, aber auch eine Bildungsfrage.Wir haben ein riesiges Integrationsproblem in dieser Gesellschaft, da sehe ich viele Aufgaben für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Meyer-Burckhardt: Sie müssen immer eine Relation herstellen zwischen dem Geld, das Sie investieren, und der Zuschauerzahl, die Sie für die Refinanzierung brauchen.Sie müssen ein bestimmtes Publikum erreichen, sonst gehen Sie einfach Pleite. Piel: Wir haben das Gebührenprivileg, aber auch wir sind nicht völlig frei von der Quote.Es gibt diese Zwickmühle: Wir würden von politischer Seite sofort unter Druck gesetzt, wenn wir nur die Qualität und nie die Quote im Blick hätten, weil es dann hieße: Wofür sollen alle denn noch zahlen, wenn ihr nicht mehr genug Menschen erreicht?Und wenn wir auf die Quote schielen, heißt es, wir vernachlässigten die Qualität.Aber massenattraktive Stoffe sind nun mal häufig trivial. ZEIT: Wird das duale System für immer bestehen? Piel: Was die Öffentlich-Rechtlichen angeht: ja.Weil kein privater Sender sich bemühen würde, eine massenattraktive Plattform für den gesellschaftspolitischen Diskurs bereitzustellen.Damit lässt sich kein Geld verdienen, aber eine solche Debatte halte ich für unverzichtbar. ZEIT: Wird es den politischen Willen zu so einer Plattform weiter geben?Der mündige Bürger kann sich doch im Internet alle Informationen besorgen, die er braucht. Piel: Ich kenne genug Menschen, auch junge, die nicht in der Lage sind, sich diese Informationen selbst zu besorgen.Der Grundtypus des Menschen wird sich nicht ändern, nur weil die Zukunft digital ist. Meyer-Burckhardt: Aber die totale Individualisierung kommt, zumindest bei jungen Leuten.Das ist der Trend: dass es keinen Trend mehr gibt. ZEIT: Aber wird es nicht auch hier den New-Amish-Effekt geben?Am Ende sitzen wir alle gemeinsam wieder vor Einer wird gewinnen. Meyer-Burckhardt: Beim Laufenden Band, das jetzt auch reanimiert wird, sitzen Sie wie vor dem Fotoalbum der Familie, in dem Sie sich angucken, wie Sie 1972 in kurzen Hosen durch Italien gewandert sind. Sie benutzen die Formate als Zeitmaschine: Mei, ist das schön, dass es das noch gibt.Sie haben aber ja auch Gewohnheiten, mit denen Sie zu sich selbst im Widerspruch stehen: mit dem Mercedes zu Aldi zu fahren. Für meine Mutter wäre das undenkbar gewesen.Es bricht alles auf, was an Verabredungen galt.Der Gott, zu dem wir beten, ist die individuelle Ich-AG. ZEIT: Finden Sie die Zukunft, in die Sie nun blicken, genauso gülden wie die, in die Sie vor 20 Jahren geschaut haben? Meyer-Burckhardt: Ich bin ein Optimist bis an die Grenzen der Besinnungslosigkeit.Das ist meine Energiequelle.Und dann bin ich im Herzen ein, wenn auch sozialer, Wirtschaftsliberaler: Man muss den Markt so nehmen, wie er ist. ZEIT: Frau Piel, fühlen Sie sich im Hinblick auf die Zukunft in der Defensive? Piel: Es gibt nichts Langweiligeres als den Status quo.Wenn man Lust hat zu gestalten, hat man auch Lust auf Zukunft.Ich habe keine Angst vor ihr. Monika Piel, 55, ist die neue Intendantin des WDR, der größten ARD-Anstalt.Schon als Studentin arbeitete sie bei dem Sender, assistierte dann beim »Internationalen Frühschoppen«. 1998 wurde sie Hörfunkdirektorin des WDR.TV-Zuschauer kennen sie als Moderatorin des »ARD Presseclubs« Der TV-Produzent Hubertus Meyer-Burckhardt, 50, ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Polyphon-Gruppe in Hamburg, die unter anderem das »Traumschiff« herstellt.Er hat über 30 Filme produziert und war Mitglied der Vorstände von Axel Springer und ProSiebenSat.1 Das Gespräch führten Götz Hamann und Christof Siemes
- Datum 28.12.2006 - 13:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT Nr.01 vom 28.12.2006, S.39
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