Entwicklungshilfe Die Rückkehr der Retter

Eine neue Garde von Milliardären und Wissenschaftlern will die Armut abschaffen. Warum soll es diesmal gelingen?

Am 9. September 2004 begann Patrick Mutuos Auftrag in Sauri. Er fuhr an Lehmhütten mit Blechdächern vorbei, hinterließ Reifenspuren im aufgeweichten Hochlandboden, und hinter seinem Auto liefen Trauben staunender Kinder her. Besuch kam selten in dieses 5000-Einwohner-Dorf in Kenia. Es gab hier keinen Strom und keinen Arzt, viele Kinder hungerten, und jeder zweite Bewohner litt an der Malaria. Mutuo wollte mit den Leuten von Sauri reden, sie beriefen eine Dorfversammlung ein. 350 Leute kamen und lauschten dem kräftigen Mann mit der festen Stimme und der Gelehrtenbrille auf der Nase.

Am 5. Dezember 2006 schickte Mutuo eine EMail an die Vereinten Nationen, seinen Auftraggeber. »Malaria-Rate auf 12 Prozent gefallen«, stand darin, und es war nicht der einzige Erfolgsbericht aus Sauri. Zwei Jahre sind vergangen. Imprägnierte Moskitonetze verschleiern jetzt die Schlafplätze. Die Kinder essen jeden Tag in der Schule. Die Erwachsenen haben auf ihren Feldern eine Rekordernte eingefahren, in der Lagerhalle stapeln sich 10000 Maissäcke, jeder 90 Kilo schwer. Woher dieser Wandel, warum in so kurzer Zeit?

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Mutuo, ein studierter Forstwirt und Ökologe, erklärte den Landwirten von Sauri damals, warum sie von ihrem Mais kaum noch überleben konnten. Die lehmigen Böden waren von der jahrelangen Monokultur ausgelaugt, ihnen fehlten Phosphor und Stickstoff. Mutuo redete nicht nur schlau daher, er brachte auch Geld für Kunstdünger mit, und unter seiner Anleitung zogen sechs Entwicklungshelfer in Sauri ein.

Mutuo konnte so viel in Bewegung bringen, weil er zu den 256 Entwicklungsexperten im Team von Jeffrey Sachs gehört. Dieser selbstbewusste Professor an der Columbia-Universität in New York hat ein fast unmögliches Ziel: Er will die Millenniumsziele der Vereinten Nationen (UN) doch noch verwirklichen, die sich 189 Staatschefs im Jahr 2000 gesteckt und seither regelmäßig bekräftigt haben. Dafür müsste bis 2015 die »extreme Armut« halbiert werden, also die Zahl derer, die weniger als einen Dollar pro Tag zum Leben haben. Aids und Malaria müssten bekämpft werden, alle Kinder zur Grundschule gehen und dergleichen mehr. Jeffrey Sachs hat Patrick Mutuo nach Sauri geschickt, damit er zeigt, wie man das macht.

Eine neue Generation von Machern glaubt, dass man die Armut wirklich abschaffen kann. Es sind andere Akteure als früher, Milliardäre wie George Soros oder Bill Gates und ehrgeizige Ökonomen wie Sachs. Sie versuchen, in kürzester Zeit sichtbare Erfolge zu erzielen, ignorieren Bedenken ihrer erfahreneren Vorgänger und verbreiten gerne Optimismus. Sachs zum Beispiel hat ein unbescheidenes Buch über das Ende der Armut geschrieben, pflegt Beziehungen zu Staatschefs und milliardenschweren Spendern, wirbt gelegentlich mit Prominenten wie Angelina Jolie und Bono für mehr Armenhilfe. »Wir können aufhören, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen«, sagt Sachs. »Unsere Instrumente zur Armutsbekämpfung sind leistungsfähiger denn je.«

So ähnlich denkt sich das auch der reichste Mann der Welt. Bill Gates und seine Frau Melinda wollen drei Milliarden Dollar jährlich ausgeben und damit überwiegend Krankheiten in armen Ländern bekämpfen: Malaria und Tuberkulose, Aids und Kinderlähmung. Ihre Bill & Melinda Gates Foundation legt Impfprogramme auf und lässt professionell wie ein Pharmakonzern neue Arzneimittel erfinden. Auch den UN-Vizechef Mark Malloch-Brown kann man zu dieser Gesellschaft von Optimisten zählen: Er leitete lange Zeit das Entwicklungsprojekt der Vereinten Nationen (UNDP), will technische Errungenschaften zu den Armen bringen und das am liebsten mit Partnern aus der Unternehmenswelt tun.

Leser-Kommentare
    • 2306
    • 30.12.2006 um 10:47 Uhr

    vielen, vielen dank für den kurzen und treffenden kommentar...

    ignoranz, auch wenn sie noch so sozial verkleidet daherkommt, bleibt dennoch was sie ist, ingnoranz. und damit unangemessen und in heutiger zeit im wahrsten sinne wohl asozialer und lebensgefährlicher denn, je für fast alle auf diesem möchtegern-menschen-planeten.

    aber der mensch ist und bleibt teil der natur, mitsamt ihren 'naturkatastrophen', und daher wohl auch eine fussnote, nur vielleicht früher als ihm eigentlich lieb ist.

    wer glaubt, nur die 'entwicklungsländer' müssten sich 'entwickeln', hat es in letzter konsequenz auch nicht anders verdient, und muss so angemessenerweise auch weiterhin an sich selbst scheitern.

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    Ich bin begeistert von der Essenz die ich in diesem Kommentar lese! Da hat jemand das "unaussprechliche" -sichtbar & - aussprechlich gemacht! Da kann Ihnen folgende Organisation gefallen: "SOCIAL NETWORKING FOR A MORE PEACEFUL AND FAIR WORLD" www.comitasintergentes.org. Viele bewerten diese Idee als Spinnerei oder geben bestenfalls zu, dass sie selbst ja auch einmal an "soetwas" glaubten. Doch auf genannter Seite da tut sich etwas; da entwickeln sich viele weiter ...

    Ich bin begeistert von der Essenz die ich in diesem Kommentar lese! Da hat jemand das "unaussprechliche" -sichtbar & - aussprechlich gemacht! Da kann Ihnen folgende Organisation gefallen: "SOCIAL NETWORKING FOR A MORE PEACEFUL AND FAIR WORLD" www.comitasintergentes.org. Viele bewerten diese Idee als Spinnerei oder geben bestenfalls zu, dass sie selbst ja auch einmal an "soetwas" glaubten. Doch auf genannter Seite da tut sich etwas; da entwickeln sich viele weiter ...

    • QUOTE
    • 30.12.2006 um 16:17 Uhr

    ...daß die 'Macher' in ihrem vorgeblichen Krieg gegen die Armut in der 3. Welt die 1. Welt durch ihre ungezügelte Profitgier in die Armut treiben - oder was glauben die Autoren, wohin die neoliberale Ideologie des angelsächsischen Amok-Kapitalismus uns führen wird?

  1. das ist der einzige Weg.

    die Systeme erhalten sich nur von Geld, und wer zahlt dieses Geld?

  2. 4. Wohin

    sollen 'die' sich eigentlich 'entwickeln' ?
    Zu Habgierigen Freizeitsportlern mit 'Uhr', 'Auto' und 'Handy', getrieben von Geldwährung, Kaufsucht und Blödheit ?
    Sollen das alles Milliardäre werden, sollen alle Menschen vergessen, woher sie kommen und wohin sie gehen ?
    Sollen jetzt alle Bewohner dieses Möchtegern-Menschen-Planeten arme Schweine werden, die sich im Geld baden ?
    Danke für die Entwicklungshilfe !

  3. Die bisher geleistetet Entwicklungshilfe war Marktöffner zum Nutzen der höher entwickelten Staaten. Die neuen Chancen werden sich in Luft auflösen, wenn es an die Gestaltung einer ordentlichen Nationalökonomie geht. Da wird man sehr schnell feststellen, dass die Produktivität des Weltmarktes der Maßstab ist, welcher über Leben und Tod entscheidet. Diese ist aber mittlerweile so hoch, dass nur besonders große Länder und Länder mit gefragten Rohstoffen überhaupt die Möglichkeit zu den notwendigen Investitionen zu leisten. Keine Chance für andere. Ewiges Sichtum.

    Dennoch: Alles was hilft um Hunger zu lindern ist begrüssenswert.

  4. 6.

    die doppelautoren schreiben munter drauf los und verschweigen munter drauf los - alles was nicht passt --

    für die sog. dritte welt wurden immer und eben auch von der uno programme gefördert, die auf nachhaltigkeit beruhen, nicht auf gnadenloses machertum und kunstdünger ... der bericht sprudelt denn auch munter sofort mit ergebnissen los ohne einen längeren zeitraum abzuwarten ...

    ... mit mr. microsoft lässt sich sicher reden, was gewisse hardcore - aktivisten nicht fertig bringen - in der medikamenten-frage bringt gates denn auch eine wichtige nuance - in der frage bringt nachhaltigkeit keine punkte, es sind industrielle produkte absolut notwendig um den leuten zu helfen ...

    ... ob das auf die landwirtschaft ausgedehnt werden kann ist die frage ... kunstdünger ist auch eine art medikament, für den boden ... angesichts von klimawandel kippt vielleicht das ganze nachhaltigkeitskonzept über den haufen, es taugt unter den bedingungen nicht mehr ... denn die klimafrage müsste und muss in diese fragen einbezogen werden, in der klimafrage hat das konzept der nachhaltigkeit bereits versagt, es ist zu spät ... man muss sich ergo fragen, welche rolle der kunstdünger nun spielt, vielleicht als eine art bereits notwendiger herzschrittmacher ...

    ... man darf die leute dort nicht für konzepte und ideologien missbrauchen, wenn die zeitläufte gegen die richtung laufen ... kunstdünger wäre eine art robustes mandat ... aber das mandat muss kontinuierlich erfolgreich sein und nicht kurzfristig ...

    man muss sich bewusst darüber sein, warum die macher notwendig sein könnten ... das fehlt im artikel, der die macher feiert ohne dies zu hinterfragen ... man kann den leuten dort keine zumutungen abverlangen, wenn sich dinge bereits völlig anders in höherem rahmen entwickeln ... ich schließe dabei auch genmanipulierte pflanzen nicht mehr aus ... warum , weil man an anderen punkten berits komplett versagt hat (bspw. eben klima) ... man darf die leute dort dafür nicht bestrafen, indem man an nicht mehr aufrecht erhaltbaren konzepten fest hält ...

    ... monokulturen allerdings wurden fremd eingeführt, das ist keine afrikanische erfindung bspw. ............................ Leute wie Bono oder Jolie haben recht, weil die Welt sich verändert hat ... die änderungen sind an den traditionellen aktivisten vorbei gegangen ... aber kein grund, sich nicht zu verbünden PLUS ... gibt es längst ausgebildete leute von dort - es ist verständlich, dass die nicht mehr lange fackeln, wie teils beschrieben ... mit ideologie in den fragen hat das nichts mehr zu tun ...

    ... konzepte von nachhaltigkeit gehörten vermutlich einer heilen welt an, die ist nicht mehr heil ... high tech nachhaltigkeit ist realistischer ... und den leuten zu gönnen ... good luck dabei

  5. Ich bin begeistert von der Essenz die ich in diesem Kommentar lese! Da hat jemand das "unaussprechliche" -sichtbar & - aussprechlich gemacht! Da kann Ihnen folgende Organisation gefallen: "SOCIAL NETWORKING FOR A MORE PEACEFUL AND FAIR WORLD" www.comitasintergentes.org. Viele bewerten diese Idee als Spinnerei oder geben bestenfalls zu, dass sie selbst ja auch einmal an "soetwas" glaubten. Doch auf genannter Seite da tut sich etwas; da entwickeln sich viele weiter ...

    Antwort auf "ja, wohin nur?"

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