Theologie Götter und GelehrteSeite 3/3
Die breite Resonanz, die Wolf auf seine Ideen erhält, ist für ihn ein Beleg dafür, wie unverzichtbar die Theologie sei. Außerdem könne man an seinem Projekt auch zeigen, wie nötig eine thematische Breite innerhalb des Faches sei. »Warum brauchen wir an einer theologischen Fakultät 15 Professoren?«, fragt Wolf rhetorisch. »Weil man das Thema Religion und Gewalt aus christlicher Sicht nur behandeln kann, wenn man die alten hebräischen Bibeltexte zu lesen versteht. Dazu braucht es einen alttestamentlichen Exegeten und einen Religionsgeschichtler des Jüdischen. Es braucht aber auch einen Historiker und einen Kanonisten, der sich mit der Gewaltenteilung zwischen Kirche und Staat auskennt; ebenso jemanden, der das in religionspädagogischer Hinsicht analysieren, und einen Dogmatiker, der über die Lehrentwicklung der Kirche Auskunft geben kann.« Zu meinen, ein solches Projekt sei auch in einer geschrumpften theologischen Fakultät mit drei oder vier Professoren zu stemmen, sei »völliger Quatsch«. »Das wäre, als ob Sie einem Chemiker die anorganische Chemie nähmen.«
Wenn also in der Theologie schon gekürzt werden müsse, so fordern Fachleute, sei es wenig sinnvoll, alle Fakultäten gleich zu beschneiden. Statt viele kleine Standorte notdürftig zu erhalten, sollte die Vielfalt ihres Faches in einigen großen Instituten bewahrt werden – und dort am besten noch mit der Expertise jüdischer, islamischer oder anderer Religionsgelehrter angereichert werden. Doch was aus wissenschaftlicher Sicht logisch erscheint, trifft auf den entschiedenen Widerstand der Kirche. Kein Landesbischof möchte »seine« Fakultät aufgeben. Und ohne die Einwilligung der Kirche läuft nun einmal nichts in der Hochschultheologie.
Doch der Druck der Politik wächst. Auch in Hamburg hat die Theologie im Zuge der universitären Strukturdebatten in den vergangenen drei Jahren ein Drittel ihrer Stellen verloren und wurde zur Kooperation mit der Uni Kiel gedrängt. Und in Baden-Württemberg hat der Rechnungshof – ähnlich wie der bayerische vor neun Jahren – auch schon die mangelnde Auslastung der theologischen Fakultäten kritisiert.
Theologen können zwar darauf verweisen, dass die Zahl der Neuimmatrikulationen seit einigen Jahren wieder zaghaft steigt. Doch in Zeiten knapper Kassen und universitärer Reformprogramme müssen auch sie sich darauf einstellen, nicht mehr auf einer grünen Aue zu weiden. Insbesondere kleinere Einrichtungen dürften im finsteren Tal wandern. Wenn an einer Fakultät kaum noch Priester oder Pastoren ausgebildet werden, könnten irgendwann findige Juristen sogar die Staatskirchenverträge infrage stellen. Schließlich ist darin als wesentliche Aufgabe der Fakultäten die Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses definiert.
Es kommt hinzu, dass andere religiöse Gemeinschaften Ansprüche an den Staat stellen. Nicht nur die islamischen, auch christlich-freikirchliche Gruppen werden dies tun. Sie haben, etwa in Gießen, eigene private Hochschulen aufgebaut, die sich eines bemerkenswerten Zuspruchs erfreuen. Anträge auf offizielle Anerkennung (Akkreditierung) beschäftigen zurzeit den Wissenschaftsrat. Forderungen nach staatlichem Geld könnten irgendwann folgen. Mit welcher Begründung bezahlt dann die Öffentlichkeit die Ausbildung eines katholischen Pfarrers, nicht aber jene eines evangelikalen Predigers? Die Hoffnung vieler Theologen, angesichts der Aktualität des Themas Religion könne es künftig zusätzliche Mittel geben, sieht der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, skeptisch: »Es wird vermutlich keinen Aufwuchs geben, eher eine Umverteilung.«
So kann die frohe Botschaft für die Theologie nur lauten: In wissenschaftlicher Qualität liegt das Heil. Institutionen, die den christlichen Glauben in der Moderne klug reflektieren, sind auch in Zukunft unverzichtbar. Und einer Theologie, der es gelingt, Kompetenz für andere Glaubensrichtungen aufzubauen, muss vor einer pluralen Gesellschaft nicht bange sein. Wer als Theologe jedoch einzig und allein auf die schützende Hand der Kirche vertraut, braucht vor allem eines: Gottvertrauen.
- Datum 27.12.2006 - 13:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.12.2006 Nr. 01
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Von der Existenz eines Gottes abgesehen, ist Ihre Aussage 'Theologie ist keine Wissenschaft' dahinbgehend zu beantworten, als dass sich jede Rede vom Glauben/ einem Gott(also Theo-logie) heute in einem wissenschaftlichen Rahmen abspielen muss.
Das heißt, die Argumentationen müssen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, egal, ob man den Glaubensgrund für real hält oder nicht (wenn es Ihnen besser gefällt, kann man auch böswillig formulieren 'Der Wahnsinn muss Methode haben').
Mit freundlichen Grüßen,
marinatos
'Es könnte nämlich die Frage nach der Definition des Begriffes Wahrheit aufwerfen. Und wie deren Beantwortung ausgeht, ist offen weil von einzelnen Personen und deren Durchsetzungsfähigkeit abhängig.'
damit ist fast schon alles gesagt, zumindest dann, wenn man 'personen' durch gruppen, schichten, eliten, klassen ersetzt.
die welt beherrscht, wer sie definiert (und diese definition durchsetzen kann - natürlich)
Warum stellt eigentlich niemand die Existenz einer 'theologischen' Fakultaet in Frage? Diese selbsternannten 'Wissenschatler' haben an einer Universitaet nichts verloren. Mich wundert ueberhaupt, warum sich niemand an Kirchenstaatsvertraegen stoert. Ich dachte, die franzoesische Revolution haette dem Abendland die Trennung zwischen Kirche und Staat beschert, wieso ist das in Deutschland im 21. Jahrhundret immer noch nicht angekommen? Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen der Bunderrepublik und der Tuerkei in diesem Gebiet? Ich bin dafuer, nicht nur aus Geldmangel sondern schon aus Prinzip diese Charlatane aus den Universitaeten zu verbannen.
Die Theologie ist in der Tat keine Wissenschaft - es ist schwer, Wissenschaft zu betreiben über etwas, das nicht existiert. Davon abgesehen, besteht die Theologie bis auf wenige Unterfächer aus Hilfswissenschaften.
Unabdingbar und möglichst schnell sollten erfolgen die Aufkündigung aller Staatsverträge, die Neufassung der Grundlagen der 'Glaubensfreiheit': Null Toleranz gegen alle Kulte und Liturgieelemente, die gegen das GG verstoßen - das Fach 'Religion' muss endlich aus den Schulen verschwinden - zwei Stunden mehr pro Woche für wichtige Fächer. Energisches Vorgehen gehen die Umtriebe der Fundamenalisten aller Art - die evangelische Kirche z.B. sollte sich endlich hart und konsequent gegen die 'Freikirchler' und Fundamentalisten stellen, die an Schulen ihr Unwesen treiben und den Unterricht durch unsachliches Gerede stören.
Schließlich sollten endlich die endlosen religiösen Feiern aus dem TV verschwinden, ebenso die unsäglichen Sendungen zum Thema 'Pfarrrer klärt Verbrechen auf', 'Nonne betreut Gemeinde' und dergleichen Possen mehr.
MFG
U. Schmitz
Das ist doch die religiöse Wahrheit, oder ein zentraler Punkt dieser Wahrheit. Zwar ist jemand, der das friedlich-wohlorganisierte Aussterben vertritt, wie ich die Erfahrung gemacht habe, letztlich unangreifbar, wenn man so will der Größte, aber dann geht man, wenn diese Theorie und dieses Empfinden denn wirklich zutrifft, wie alle anderen, eben auch selbst, quasi rückstandsfrei, also für immer, von dieser Welt. Tut man dies bewusst, lebt man geistig schon in einer anderen, in einer himmlischen Welt, dann hat man, oder eben sein Kind, für menschenweltgeschichtlich nur kurze Zeit - aber immerhin die ganze eigene Lebenszeit(!) - den Himmel auf Erden - und den kann nun wirklich ein jeder haben...!
PS:
'Danke' für die Neugestaltung dieser Kommentarfunktion. Man kann die Beiträge nicht nur schlechter lesen - sie lassen sich jetzt auch schlechter einstellen!
Ich bin mir nicht ganz sicher, was Sie mit Ihrem Kommentar zum Artikel sagen wollen, aber vielleicht hilft ein Rat eines Abtes einer Chan- (Zen) Gemeinde, der, von seinem Stellvertreter höchst verärgert gefragt wurde, warum er sowohl ältere Mönche, als auch Novizen vor seinen Unterweisungen immer zuerst einen Tee trinken schickte, diesem antwortete:
'Trink erst mal eine Schale Tee!'
In diesem Sinne,
mit freundlichen und entspannten Grüßen,
marinatos
Eine Psychose ist ja eine krankhafte Verarbeitung der Wirklichkeit, glaub ich. Die Religion, gerade auch die christliche, kann, richtig interpretiert, aber durchaus eine richtige Verarbeitung einer – sicher erschreckenden und bedenklichen – Wirklichkeit sein.
Wir sind so wie wir sind – und können nicht anders, es musste so kommen. Die Alternative zur Apokalypse kann deshalb nur das friedlich-wohlorganisierte Aussterben, die Nachfolge Jesu sozusagen, sein. Auch andere Populationen brechen, wenn sie sich zu stark vermehrt haben, manchmal von sich aus zusammen, z.B. Mäuse nach einer Massenvermehrung wegen dem großen innerartlichen Stress.
Wenn Manche die Wirklichkeit sich schön sehen, oder eben auch noch als schön empfinden können, in Nischen oder kleineren Bereichen, dann kann das deshalb schon noch sein – die Entwicklung schreitet ja aber voran - es steht uns nicht zu, hier von einer Fehlentwicklung zu sprechen, nur damit man eigene Ziele erreicht. Es kann ja, auf jeden Fall theoretisch, auch sein, dass manche von diesen Menschen die Problematik in ihrer ganzen Härte und Dimension nur nicht sehen können und wollen, weil sie sich und den Realitäten dieser Welt nicht voll in die Augen bzw. den Abgrund der eigenen Seele sehen können oder wollen. Dann muss man Andersdenkende und –fühlende natürlich pathologisieren. Eine Einigung zwischen diesen beiden Gruppen kann hier aber, m.E. sogar relativ leicht und sogar ohne spezielle Wissenschaftler oder Theologen, auf Ebene der Sachdiskussion, durchaus erfolgen. Nur eine beschränkte Sicht der Bibel und der Religionen als auch eine beschränkte oder inhumane Sicht der Wissenschaft, ist nicht miteinander vereinbar.
Ich wäre zumindest höchst vorsichtig damit, eine so lange Denk- und Fühltradition zu pathologisieren. Wenn man dies tut, so sollte man dies sehr gut, und nicht nur von den eigenen Traumvorstellungen herkommend, belegen können.
Was Freud wohl zum Kalten Krieg gesagt hätte...
die Kanibalenreligion des Westens nimmt zu, sowohl an den Hochschulen, als auch in Geseellschaft und Wirtschaft und Staat verstärken sich sektiererische Gruppen die sich ihre Atzung aus dem Fleisch der aus ihren gottgegebenen unveräusserlichen Rechten ausgegrenzten reissen, und mit ihrer einfachen Schwein am Trog Theologie missionieren. Ein Moloch der Menschenopfer zu Millionen fordert, und weder sittliche Werte bietet noch spiritualität, noch Lebenshilfe. Ihre großen Vermögen und Wirtschaftsbeteiligungen als Machtbasis der Großkirchen zwingen die Funktionäre dieser morbiden und verderbtenGebilde sich dem Moloch zu unterwerfen und ihm zu huldigen.
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