Die Zukunft des Fernsehens Steilpässe ins Portemonnaie

Fußball treibt den Medienfortschritt an. Die Profitgier beflügelt technische Neuerungen und Geschäftsmodelle für das Bezahlfernsehen.

In Zukunft werden nur noch wenige »Leuchttürme« die zerklüftete Medienlandschaft überstrahlen; das Publikum wird sich fragmentieren. Aber eine gemeinschaftsbildende Kraft wird im Fernsehen ganz sicher bleiben: der Fußball.

Er war und bleibt ein Treiber der Medienentwicklung. Im Jahr 1954, als Deutschland Weltmeister wurde, gab es gerade einmal 88278 Fernsehgeräte. Für die meisten Fans war der Sieg der Elf um Fritz Walter ein Radio-Erlebnis. Im WM-Jahr 2006 gaben die Deutschen allein für Flachbildschirme 3,6 Milliarden Euro aus. Die Spiele der Nationalmannschaft brachten es auf Marktanteile von bis zu 86,3 Prozent, zusätzlich verfolgten schätzungsweise zwischen 6 und 11 Millionen Menschen die Spiele beim Public Viewing. Nun ist eine Weltmeisterschaft Ausnahme und Feiertag; aber auch die mediale Verwertung des Alltags lohnt sich. Allein aus der Ersten Bundesliga werden 306 Spiele pro Saison live ausgestrahlt und zeitversetzt zusammengefasst. Fußball ist ein nachhaltiger Wachstumsmarkt – und hat sogar den Vorteil, nicht an einen Sender oder einen Moderator gebunden zu sein.

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Die Insolvenz des Medienkonzerns von Leo Kirch hat die Dynamik nur vorübergehend abgebremst. Der neue Medienvertrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat ihr Mehreinnahmen von 140 Millionen Euro pro Jahr erbracht – ein Anstieg von 46 Prozent. Dass mit dem Bezahlsender arena ein neuer Spieler das Feld betrat und einen munteren Wettbewerb um die Rechte für das Pay TV entfachte, hat diese Entwicklung befördert. Abzusehen ist ein Ende nicht. Im Gegenteil. Die Entwicklung einer »Pay-TV-Mentalität« steht in Deutschland erst am Anfang. Noch nicht einmal in jeden zehnten TV-Haushalt ist es bisher vorgedrungen. Der Kunde gewöhnt sich erst langsam daran, für Inhalte direkt zu bezahlen. »Ohne Fußball klappt Pay-TV nicht«, sagt selbstsicher und zukunftsgewiss der DFL-Geschäftsführer Christian Seifert. Fußball-Liga und Medienindustrie wissen: Da ist noch Musik drin.

Der Neuling arena überträgt live die Bundesligaspiele für bislang frisch geworbene 1 Million Abonnenten; Premiere hält noch 3,5 Millionen Kunden und sendet Live-Spiele der Champions League. Obwohl diese Aufteilung nicht kundenfreundlich ist und in manchen Gegenden sogar zwei Boxen für den Empfang nötig sind, gibt es so viele Pay-TV-Kunden wie nie zuvor.

Im Ausland bringt Fußball den Pay-TV-Sendern große Gewinne

Leser-Kommentare
    • keox
    • 04.01.2007 um 17:53 Uhr

    so ist das gedacht, geplant, und peu à peu umgesetzt. arbeit und ressourcenzugang für schlappe 20 prozent, für den rest gibt es tittitainment.

    daß deutsche bei prallen rundungen zunächst an fußball denken - ist halt ein infantiles volk.

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  • Quelle DIE ZEIT, 28.12.2006 Nr. 01
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