Die Zukunft des Fernsehens Mal sehen, was auf Waffen-TV läuftSeite 3/3
Beate Uhse war an einem eigenen Sender interessiert, aber Wolf wollte nicht, weil Siemens für diesen Fall mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen gedroht hat. »Wenn das IPTV einen solchen Ruf bekommt, dass die großen Player nicht mehr mitspielen, dann habe ich ein wirtschaftliches Problem«, sagt er. Sender mit verfassungsfeindlichen und gewaltverherrlichenden Inhalten lehnt er kategorisch ab, einen eigenen Kanal des Waffenproduzenten Heckler & Koch kann er sich dagegen vorstellen: »Als Business-to-Business-Sender, zu dem man nur mit Passwort kommt, warum nicht?« Die Internet-Adresse »war-tv« gehört zu den rund 1000 Domains, die er sich schlauerweise gesichert hat – darunter die fast komplette Liste der Ländernamen auf Englisch: germany-tv.com, russia-tv.com…
www.presse-tv.netFür 1600 Euro im Monat kann ein Unternehmen bei Grid-TV einen digitalen Ausschnittdienst bestellen: Wie berichtet das Fernsehen zum Beispiel über Filialschließungen der Deutschen Post? Im Empfangsraum am Bavariafilmplatz wird das Fernsehprogramm rund um die Uhr aufgezeichnet. Zur Auswertung braucht es aber auch beim Internet-Fernsehen noch Menschen: Fünf Studenten sitzen vor Monitoren und schneiden zusammen, wie WDR und N24 über die Rede des Vorstandsvorsitzenden Zumwinkel berichten.
Einen eigenen Sender gibt’s bei Grid-TV ab 2500 Euro pro Monat. »Seit viereinhalb Jahren schreibe ich schwarze Zahlen«, sagt Ingo Wolf. »Im Moment wachsen wir viel zu schnell, und ich muss entscheiden: Investiere ich in neue Server oder mehr Personal? Da man den Menschen ja noch ein bisschen mehr Arbeit aufladen kann, gebe ich das Geld für neue Technik aus.«
Ingo Wolf gehört nicht zu den Schönrednern. Er macht kein Hehl daraus, dass ihm vor manchen Möglichkeiten des IPTV graut: »Die One-to-one-Sender werden kommen. Da kann jeder sich bei seinem Hobby filmen und ins Netz stellen. Das Ergebnis wird furchtbar sein.«
In seiner Wohnung in Pullach hat er weder Fernseher noch Computer. »Ich bin sowieso nie da«, sagt er. Morgen muss er ganz früh nach Frankfurt. Heute Abend steht noch ein Termin im Kalender, der ihm nicht wirklich unangenehm ist: Er trifft eine Tänzerin, die für tanzschul-tv den Beitrag über Salsa drehen soll.
Gegen 20 Uhr verlässt er die Firma. Es nieselt. Auf dem Parkplatz ruft er einer Mitarbeiterin hinterher: »Morgen kommen wieder zwei Sender dazu.«
Zum Thema
Das TV-Multiversum
-
Aus der Flimmerkiste wird das Portal zu einer neuen Welt »
Fußball treibt den Medienfortschritt an
-
Die Profitgier beflügelt technische Neuerungen und Geschäftsmodelle für das Bezahlfernsehen »
- Datum 28.12.2006 - 04:40 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 28.12.2006 Nr. 01
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren