Der berühmteste Wald der waldreichen deutschen Literatur ist der Spessart. 1827 erschien Wilhelm Hauffs Wirtshaus im Spessart, und seither gilt das dicht mit Bäumen bewachsene Mittelgebirge, das sich westlich der Rhön von Hessen hinab nach Bayern erstreckt, als schaurige Räuberhöhle.Auch der Märchensammler Ludwig Bechstein fuhr eines regnerischen Abends beklommen durch dessen »tropfende Waldung«. Er suchte ein Nachtquartier und fürchtete die »Mordgewehre« der Wegelagerer, doch fand er ein harmloses Wirtshaus und einen gesprächigen Förster, der ihn mit Sagen aus der Region unterhielt. Bechsteins Nacht im Spessartwalde von 1853 ist nicht so sehr Reisebericht wie Selbstinszenierung eines unermüdlichen Dokumentaristen.Interessanter als seine im Vorübereilen skizzierten Erlebnisse sind seine reflexive Erzählmethode und seine eigene Poetik der Sage.Der Verleger Eric Erfurth erläutert beides in einem prägnanten Nachwort, das Grund genug böte, dieses sorgsam edierte, modern illustrierte Büchlein zu kaufen, auf dass es den Jahresbeginn erhelle. Ludwig Bechstein: Eine Nacht im Spessartwalde Wandergeschichte - Nachw.Eric Erfurth, Ill.Konrad Franz - Logo Verlag, Obernburg 2006 - 173 S., 15, Nicht nur Hauff und Bechstein, auch Friedrich Schlegel, Clemens Brentano, Carl Maria von Weber haben den »Spehtshart«, wie er im Nibelungenlied hieß, bedichtet.Doch nur bei Karl Immermann ist er licht und lieblich, ein von zartgrünen Kronen überwölbter, von Vogelgezwitscher erfüllter Palast der Natur.Überraschend heiter beginnt dieses Kunstmärchen, aber je weiter man sich hineinbegibt, desto unheimlicher wird es.Die Wunder im Spessart ereignen sich auf der Grenze zwischen irdischer und überirdischer Welt, sie verlocken den Leser zum baldestmöglichen Ausflug in die magische Sphäre des Waldes. Karl Immermann: Die Wunder im Spessart Waldmärchen - Nachw.Barbara Mahlmann-Bauer, Ill.Ulrichadolf Namislow - Logo 2005 - 125 S., 15,