Mehrsprachig im Café Ich arbeite ein Jahr lang in Berlin für ein Programm des Europäischen Freiwilligendienstes.Wir entwerfen Poster für eine Imagekampagne der EU.Bei uns arbeiten junge Leute aus den Niederlanden, Schweden und Italien.Mit Deutschen habe ich keinen Kontakt.Aber das ist Europa in einem Café in Berlin sitzen und sich mit Schweden und Italienern auf Englisch unterhalten.Meiner Freundin gefällt Berlin.Es stimmt nicht, dass sich europäische Städte ähnlicher werden.Berlin ist völlig anders als Athen alles ist hier so ordentlich, kein Chaos wie bei uns.Am besten hat es uns gefallen, mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren.In Athen fährt niemand Fahrrad. Angelos Nikolopoulos, 23, mit seiner Freundin Maria Panagiotou, 22, die ihn in Berlin besucht hat Meine Freundin ist aus Estland zu ihrem italienischen Freund nach Kalabrien gezogen.Sie hat gesagt, sie besorgt mir den billigsten Flug, wenn ich sie besuchen komme.Aber ihre Planung ist total verrückt.Ich bin jetzt auf der Rückreise von Rom nach London geflogen, dann nach Berlin, und nun warte ich auf meinen letzten Flug nach Riga, wo ich in den Zug nach Tallinn steige.In allen Städten hatte ich ein paar Stunden Aufenthalt.So schrumpft Europa auf wenige Orte zusammen: Big Ben in London, Colosseum in Rom und immer wieder die Flughäfen, die alle gleich aussehen.Kristel Palk 19, reist von Kalabrien nach Tallinn über Rom, London und Berlin Früher war England für mich ein fernes Land.Inzwischen ist es mein zweites Zuhause.Eben komme ich von meiner Familie aus Szczecin, gleich fliege ich über Glasgow nach Manchester.Seit zwei Monaten arbeite ich dort als Maschinenbauingenieur.Die Arbeitserlaubnis zu bekommen war einfach.Manche Städte sind nur noch Zwischenstationen: Wenn ich an Berlin denke, habe ich den Blick auf den Flughafenparkplatz im Kopf und die Snackbar neben dem Terminal.Viel mehr kenne ich nicht. Tomasz Radiukiewicz 25, aus Szczecin, Polen, arbeitet in Manchester Ich wohne seit vier Monaten in Glasgow und habe gerade meine Eltern besucht.Nach Glasgow bin ich wegen meines schottischen Freundes gezogen.Ich habe ihn während meines Auslandsstudiums in Krakau kennengelernt.Eigentlich finde ich diese Vielfliegerei nicht gut, weil es so umweltschädlich ist.Aber es geht nicht anders, wenn ich mal nach Hause will.Mit dem Zug wäre es zu teuer und zu umständlich. Schade finde ich, dass viele immer auf die EU schimpfen.Dass es heute so einfach ist, von einer europäischen Stadt in eine andere zu ziehen das ist doch schön. Dominique Throniker, 25, kommt aus der Nähe von Dresden und wohnt jetzt in Glasgow Ich fliege für ein paar Tage nach Tallinn und besuche dort Bekannte von einem Freund, die ich kennenlernen möchte.Europa fühlt sich für mich an wie ein großes Land.Vor allem, seit ich bei einem Verein bin, der Wirtschaftsingenieur-Studenten in ganz Europa verbindet.Er heißt ESTIEM, 45000 Studenten aus 23 Ländern sind Mitglied.Es gibt regelmäßige Treffen, sogar eine eigene Zeitschrift.Vor kurzem bin ich für eine Woche nach St.Petersburg geflogen, ich habe jetzt Bekannte quer durch Europa, die ich alle besuchen möchte.Mit den Billigfluglinien könnte ich es mir sogar leisten.Aber ich will ja ernsthaft studieren, also habe ich mir vorgenommen, nur dreimal im Jahr wegzufahren. Markus Pieper 21, wohnt in Bremen Vor sechs Jahren habe ich in Irland in einer Jugendherberge gejobbt. Daher kenne ich Menschen aus ganz Europa.Eines der wenigen Länder, die ich noch nicht kenne, ist Estland.Dort fliege ich heute mit zwei deutschen Freundinnen hin.Eine hat mir gestern ihren kleinen Heimatort Wandlitz in Brandenburg gezeigt.So etwas gefällt mir viel besser als typische Sehenswürdigkeiten.Innerhalb eines Landes gibt es riesige regionale Unterschiede.Und oft besuchen wir mit dem Flieger ja nur Metropolen.Trotz all meiner Reisen durch Europa: Was ist schon europäisch?Die Amerikaner sind mir zum Beispiel viel näher als viele Osteuropäer.Petra Roskes 26, aus Nimwegen, Niederlande Aufgezeichnet von Anne-Dore Krohn und Jan Pfaff Mehr zur EU-Ratsprädisentschaft: siehe Politik