Saddam Hussein war ein grausamer Diktator das hat man nun oft gelesen, seit der Mann hingerichtet worden ist.Diese Erkenntnis ist Allgemeingut.Und doch war Saddam Hussein auch einer, der Anhänger und Freunde hatte, zu Hause wie in der großen weiten Welt mal waren es mehr, mal waren es weniger, aber es gab sie, immer, selbst noch in der Stunde seines Todes.Die Liste der wechselnden Sympathisanten ist lang und verwirrend, deshalb hilft ein kleine zeitliche Einordnung seiner Fangemeinde. Im ersten Jahrzehnt seiner absoluten Herrschaft, von 1968 bis 1978, hatte Saddams Irak viele Bewunderer in akademisch-intellektuellen Milieus ebenso wie in den Zirkeln politischer Macht, und zwar im Westen wie im Osten.Immerhin wurden unter Saddam Hussein die Frauen gefördert, wurde das Land alphabetisiert, wurde eine kostenlose Gesundheitsversorgung eingerichtet.Der Irak galt als der modernste arabische Staat.Das Bild, das er nach außen hin vermittelte, war dem der Sowjetunion in den dreißiger Jahren des 20.Jahrhunderts ähnlich. Man staunte über die plötzliche Modernisierung des Iraks, so wie viele europäische Linke über die »Sprünge nach vorn« einer rückständigen Sowjetunion gestaunt hatten.In beiden Fällen gab es Applaus, für Stalin (den Saddam Hussein bewunderte) in der Sowjetunion, für Saddam Hussein im Irak.Der Irak erschien vielen als ein Beispiel für einen modernen, säkularen arabischen Staat er ähnelte in manchem jenem Bollwerk gegen Islamismus, das die Bush-Administration nach dem 11. September 2001 im Nahen Osten schaffen wollte. Der Wohlstand, der sich im Irak breitmachte, förderte den relativen Frieden zwischen den Volksgruppen und den Glaubensrichtungen innerhalb des Iraks Saddam Hussein exportierte Stabilität, das war neben Öl sein wichtigstes Exportgut.Die internationale Gemeinschaft akzeptierte dafür den Terror im Inneren des Landes, der im Übrigen gar nicht im Verborgenen stattfand.Die Ermordeten wogen wenig gegenüber der Garantie stabiler Verhältnisse und vor allem gegenüber den milliardenschweren Geschäften, die man mit dem Diktator machen konnte. Man zählte sein Geld, man platzierte ihn als Figur auf dem Schachbrett internationaler Politik und stellte sich ansonsten blind und taub.Die Schreie aus irakischen Folterkellern hörte keiner in den westlichen Kabinetten die Zeiten waren nicht reif dafür. Nachdem 1979 in Iran Ajatollah Chomeini an die Macht gekommen war, wuchs der politische Wert Saddam Husseins.Aus dem Westen half man kräftig mit, seinen Terrorstaat zu stabilisieren und auszubauen. Saddam Hussein brach einen Krieg gegen das revolutionäre Iran vom Zaun in der richtigen Annahme, dass er dabei unterstützt würde.Tatsächlich bekam er alles, was er brauchte, um seinen Krieg zu führen: politische Rückendeckung, militärische Hilfe und logistische Unterstützung und zwar aus allen westlichen Hauptstädten.Washington natürlich vorneweg, aber auch das so amerikakritische Paris ließ sich nicht lumpen, und Bonn war ohnehin immer irgendwie dabei.Saddam Hussein war der Liebling für geschäftstüchtige Waffenhändler und »pragmatische« Politiker.Diese Allianz dauerte über acht Jahre und brachte Hunderttausenden Irakern und Iranern den Tod. Erst in den Jahren danach verlor Saddam Hussein die Freunde im Westen, genauer genommen, als er 1991 den Golfstaat Kuwait angriff, diesmal in der falschen Annahme, die USA würden diese Invasion tolerieren.Der Kalte Krieg war zugunsten der USA entschieden, eine neue Weltordnung unter Führung Amerikas sollte anbrechen.Die Invasion Kuwaits passte nicht ins Bild.Saddam Hussein hatte ausgedient und mutierte zum Barbaren von Bagdad.Allein viele Palästinenser blieben seine Anhänger, da sie in ihrer politischen Isolierung ein trauriges Talent entwickelt haben, sich die falschen Freunde auszusuchen.Sie glaubten Saddam Hussein, der sich als Beschützer der Araber aufspielte und da sie selbst litten, konnten sie das Leiden der anderen nicht sehen.Für den Westen wurde er 1991 zum Bösen aller Bösen. Reichlich spät, denn im Inland hatte er sich diesen Ruf schon seit Jahrzehnten mit blutigem Fleiß erworben, vor allem unter den Kurden und den Schiiten.Die Sunniten ihrerseits gehörten gewiss nicht alle zu seinen Anhängern, obwohl man das heute gern glauben lassen möchte. Am Ende seiner Herrschaft gehörte, genau genommen, nur mehr sein Stamm zu seinen Unterstützern.Doch fühlten sich die Sunniten durch einen der ihren an der Macht etwas sicherer.Eine diffuse Angst vor den Schiiten mag sie dabei motiviert haben die Hinrichtung Saddams hat sie im Nachhinein in ihrer Furcht bestätigt.Tatsächlich sieht es nach Sichtung des Hinrichtungsvideos aus, als sei Saddam Hussein von einer schiitischen Todeschwadron exekutiert worden.Es war eine Racheakt, der in seiner Ikonografie an die gefilmten Geiselenthauptungen durch islamische Terroristen erinnert. Saddam Hussein war ein Schlächter, der irgendwann sein Gespür verloren hat, sich den Weltmächten anzudienen.Wäre er so »flexibel« geblieben wie sein libyscher Diktatorenkollege Muammar al-Gadhafi, würde er wahrscheinlich noch leben.