Der Fußballspieler Paul Breitner, Weltmeister von 1974, entschied sich vor dem letzten Spiel der Bundesligasaison 1978/79, heimlich ein Mikrofon eines Filmteams unter seinem Trikot zu verstecken. » Wenn ich stürzte«, hat sich Paul Breitner später daran erinnert, »musste ich aufpassen, dass ich mich nicht selbst verletzte.«Sein Verein Bayern München siegte gegen den Hamburger SV, doch am meisten freuten sich die Dokumentarfilmer Christian Weisenborn und Michael Wulfes.Sie hatten Breitner und seinen damals besten Freund Uli Hoeneß ein Jahr lang begleitet, sie hatten Breitner das Mikrofon gegeben.Ihnen sind bis heute einmalige Aufnahmen geglückt, die die Welt des Profifußballs auf zuvor nie gehörte Art zeigen, ungefiltert und unzensiert.Paul Breitner, noch nie für die Kunst der Diplomatie bekannt, grantelte, dirigierte und meckerte, mal mit Mitspieler Karl-Heinz Rummenigge, »Kalle, Obacht!Immer im Abseits!«, mal mit Torwart Sepp Maier, »Beppo!Beppo!Raus!Raus!«.Vor allem brüllte Breitner den Schiedsrichter immer im tiefsten Bayrisch an, »ja leckst mi do am Arsch!«, bis der nur noch sagte: »Ganz ruhig, Herr Breitner, ganz ruhig.« Fast 30 Jahre nach diesen Aufnahmen ist nun Christian Weisenborns und Michael Wulfes Film Profis ein Jahr mit Paul Breitner und Uli Hoeneß auf DVD erschienen.Es ist ein Dokument der Zeitgeschichte, das hilft zu verstehen, wie aus der Sportart Fußball das Unterhaltungsspektakel wurde, das wir heute kennen.Dabei ist der Film selbst gleichermaßen unterhaltsam und distanziert, und als Zuschauer kann man nicht anders, als sich am Ende zu fragen, was aus Sönke Wortmanns Sommermärchen über die deutsche Nationalmannschaft des Jahres 2006 hätte werden können. Christian Weisenborn kam die Idee bereits 1970, als er im Fernsehen einen Bericht über zwei unbekannte junge Fußballspieler sah, die gerade zum FC Bayern München gewechselt waren, Paul Breitner und Uli Hoeneß. » Ich wollte die beiden begleiten auf ihrem Weg in den Profifußball«, sagt Weisenborn heute.Als er kurz darauf bei der Praxiseröffnung eines Münchner Arztes namens Müller-Wohlfahrt Uli Hoeneß kennenlernte, sprach er ihn darauf an.Aber es war zu spät, es gab keine Fernsehbilder aus der Jugendzeit von Hoeneß und Breitner. Also drehte Weisenborn zunächst mit anderen, jüngeren Spielern und begleitete sie fünf Jahre lang für seinen Film Der Rasen ihrer Träume. Den sah Uli Hoeneß Ende der siebziger Jahre im Fernsehen und meldete sich wieder bei Weisenborn, der sich bis heute an diesen Moment erinnert. » Mensch«, sagte Hoeneß, »so einen Film musst du über den Paul und mich drehen!« So entstand der Plan, die beiden Spieler und ihren Verein ein Jahr lang zu begleiten.Die Vereinsführung stimmte zu und die Filmemacher hatten Glück, denn im Laufe der Saison 1978/79 war bei Bayern München einiges los: Man hatte viele Schulden und keinen Erfolg, ein Trainer wurde entlassen, ein anderer von der Mannschaft verhindert, der Präsident trat daraufhin zurück.Der Starstürmer Gerd Müller ging in die USA, Uli Hoeneß wechselte zwischendurch zum 1.FC Nürnberg, kam schließlich als Manager zurück und ist es bis heute geblieben. Das Glück von Weisenborn und Wulfes besteht auch in den Charakteren der beiden Hauptdarsteller.Einmal sagt Breitner, dass ihm »der Uli zu oft blabla« rede, dann wieder erzählen Hoeneß und Breitner von ihrer Freundschaft, und wie sie da nebeneinander im Doppelbett ihres Hotelzimmers liegen und sagen, dass sie mehr Zeit miteinander als mit ihren Frauen verbringen und sich deshalb beide »wie in einer alten Ehe« fühlen, das ist großes Kino.Und Paul Breitner geht schließlich so weit, dass er mitten während eines Bundesligaspiels seinen Trainer lautstark als »Wahnsinnigen« und »Idioten« beschimpft, weil der seinen Zimmergenossen Uli Hoeneß nicht einwechseln will. Der Film zeigt die Anfänge des großen Geldverdienens im Fußball, die Zeit der Trikotsponsoren und Werbeverträge beginnt.Gleich zu Beginn wird Bayern-Torwart Sepp Maier von einem Fan als Mitglied einer Fußballmafia beschimpft, weil sein Verein Paul Breitner für die heute lächerlich klingende Ablösesumme von umgerechnet 850000 Euro verpflichtet hat.Und in Zeiten der Inszenierung von Ikonen wie David Beckham wirkt es sympathisch unprofessionell, wenn man zusehen kann, wie Uli Hoeneß für ein paar Tausend Mark Gewinner eines Preisausschreibens in sein Haus einlädt und ihnen einen Bauernfrühstück brät. Für die DVD-Version von Profis wurden Paul Breitner und Uli Hoeneß noch einmal zu ihren Erfahrungen befragt, und während Breitner locker drauflosplaudert, merkt man Hoeneß ein gewisses Unbehagen an.Es geht ihm dabei nicht um das später schwierige Verhältnis zu Breitner, die beiden hatten sich in den achtziger Jahren zerstritten.Nein, das sei heute längst wieder entspannt.Hoeneß ist etwas anderes wichtig.So einen Film, sagt er, »würde ich heute nicht mehr machen«.Jungen Spielern würde er ein solches Projekt verbieten, die Boulevardmedien würden sich darauf stürzen, »es gäbe zu viel Ärger«.Das alles mag stimmen.Aber natürlich kann der Bayern-Manager Hoeneß im Gegensatz zum Bayern-Spieler Hoeneß kein Interesse daran haben, Dokumentarfilmer hinter die Kulissen des Profifußballs blicken zu lassen, die mehr wollen als einen schönen Werbefilm zu drehen.Und so ist es vielleicht kein Zufall, dass Uli Hoeneß, der damals die Filmemacher gefragt hatte, ob sie Paul Breitner und ihn begleiten wollen, knapp 30 Jahre später die Augen zusammenkneift und ahnungslos tut, als er gefragt wird, wie der Film zustande kam. » Ja, so genau weiß ich das nicht mehr, aber ich glaube, der Paul Breitner kannte die Regisseure, und so kamen die eines Tages auf die Idee, den Film zu machen.«