Sie misst 1,59 Meter und lebt davon, gegen Riesen anzutreten.Barbara Clear ist Musikerin, sie spielt Folk, Soul und Rock, schreibt eigene Stücke, covert Janis Joplin und Deep Purple.Sie hat eine Akustikgitarre und eine Stimme, die vor Energie birst.Aber sie hat keinen Plattenvertrag.Kein Konzern nahm die 42-Jährige unter Vertrag, deren Erscheinungsbild mit Kaurimuschelkette, Schlabberbluse und Glitzerjeans ins Hippiehafte tendiert.Die Plattenkonzerne sind die Riesen.Ihnen zeigt sie: Die Leute wollen eine wie sie.Die so weit von einer Kunstfigur entfernt ist wie nur irgend möglich.Die ihre Tournee »Zwergenaufstand« nennt und die in Konzerten ohne Ironie von »Energiefeldern« spricht, die aus dem Publikum strömen. Clear, deren bürgerlicher Nachname Klier lautet, verkauft pro Jahr 30000 CDs, die meisten im Eigenvertrieb.So verdient sie an jedem Exemplar zehn Euro.Einen Plattenvertrag braucht sie nicht.Clear und ihr Lebensgefährte Ralph Dittmar bilden eine musikalische Wir-AG.Die beiden machen alles selbst.Die Ochsentour durch die Musiksäle der Republik: fahren, aufbauen, spielen, CDs verkaufen, abbauen.Und die großen Pläne: Vor Jahren nahmen sie sich vor, die Münchner Olympiahalle zu bespielen.Barbara Clear mietete die Halle mit 8000 Plätzen im Alleingang für den April 2004.Sie tourte wie eine Besessene über die Dörfer, machte Werbung für sich.Die Olympiahalle war ausverkauft.Sie spielte dort noch zwei Mal.Doch vergangenen Dezember hatte sie den Bogen überspannt.Sie mietete das Berliner Velodrom mit 10000 Plätzen.Es kamen 500 Leute.Ein Star hätte diesen Auftritt absagen müssen, schon aus Imagegründen.Doch Clear konnte auch diesen Flop ins Positive wenden. » Ich verliere dadurch nichts«, sagt sie. » Ich gewinne an Selbstbewusstsein.«Niederlagen gibt es für sie nicht.Es wird auch am 12.Januar keine geben.Dann tritt sie im Leverkusener Forum auf.Dort warten lediglich 970 Plätze darauf, besetzt zu werden.