Es gibt dieses Foto, das Phyllis und Aicha für immer miteinander verbindet.Es hätte sie zu Feindinnen machen können.Auf dem Bild blickt Zacarias Moussaoui traurig und ein wenig trotzig in die Kamera. Er ist 33 Jahre alt, trägt einen orangefarbenen Pullover, den Kopf fast kahl geschoren, ein dünner Bart umrandet sein Kinn.Es ist das Bild vom Tag seiner Festnahme. Phyllis Rodriguez sah es kurze Zeit nach dem 11.September 2001 in der Zeitung in ihrem Haus in White Plains, New Jersey, USA.Moussaoui, stand dort, hätte der zwanzigste Flugzeugentführer werden sollen, ein potenzieller Mörder ihres Sohnes.Es war eine der wenigen Nachrichten, die Phyllis Rodriguez damals las, in den ersten Tagen nach dem Tod ihres Sohnes Greg.Sie wollte die Attentäter verstehen: Was trieb sie an?Wer waren sie?Warum hassen sie uns?Sie war auf der Suche nach einem Sinn im Grauen. Aicha El-Wafi sah das Foto im Fernsehen.Sie erkannte ihren Sohn Zacarias, kniete sich auf den Boden und schlug den Kopf auf die Fliesen ihres Hauses in Narbonne, Südfrankreich. » Das kann nicht sein«, schrie sie in Richtung des Bildschirms.Auf gewisse Weise haben Rodriguez und El-Wafi am 11.September beide ihre Söhne verloren.Sie müssten sich eigentlich hassen: Aicha El-Wafi, die Mutter des Terroristen, und Phyllis Rodriguez, die Mutter von Greg Rodriguez, der am 11.September im Alter von 31 Jahren in Nordturm des World Trade Center starb. Greg arbeitete seit kurzem bei der Finanzfirma Cantor Fitzgerald - er hatte sein Leben gerade in Ordnung gebracht.Ein großer Mann mit dunklen lockigen Haaren, die ihm in die Stirn hängen.Lange hatte er gegen alle Konventionen und gegen seine Eltern rebelliert, nun hatte er geheiratet und war in der Firma zum Vizechef für E-Mail-Sicherheit aufgestiegen.Ein paar Jahre zuvor wäre ein solcher Job für ihn nicht infrage gekommen.Eine Woche vor seinem Tod hatte er seinen Sohn aus erster Ehe an der Westküste besucht.Er erzählte seiner Mutter Phyllis, dass sie sich jetzt öfter sehen wollten.Das war am 9. September 2001. Zacarias Moussaoui war bereits im August 2001 in den USA verhaftet worden: Er war einem Fluglehrer aufgefallen, weil er trotz geringer Erfahrung lernen wollte, eine Boeing 747 zu fliegen.Nach dem 11. September war er der Einzige, der im Zusammenhang mit den Anschlägen in den USA vor Gericht gestellt wurde.Im Mai vergangenen Jahres wurde er zu lebenslanger Einzelhaft verurteilt, ohne Aussicht auf vorzeitige Entlassung.Phyllis Sohn war tot, Aichas Sohn verschwand in einer Zelle. Seit jenen Tagen im Mai 2006 ist die Freundschaft der Mütter öffentlich.Sie ist wie ein Symbol, ein Ausrufezeichen die Verbindung einer französischen Muslimin marokkanischer Herkunft und einer jüdischen Amerikanerin. » Wir stehen an zwei entgegengesetzten Enden der Ereignisse«, sagt Phyllis.Es ist die Geschichte einer Freundschaft, die eigentlich nicht wahr sein kann. Phyllis Rodriguez sagt über Aicha El-Wafi: »Sie ist eine Heldin, hat große Schwierigkeiten überstanden und dabei ihre Fähigkeit bewahrt, zu lieben und zu lachen.Ich fühle mich ihr sehr nah als Mutter und als Frau.Auch wenn ich nie verstehen werde, wie ihr Leben wirklich war.« Aicha El-Wafi sagt über Phyllis Rodriguez: »Phyllis ist ein sehr offener Mensch.Sie und ihr Mann waren sehr großzügig ganz anders als die Menschen, die vor dem Gerichtssaal demonstriert haben und schrien, sie wollten Rache und mein Sohn habe es nicht verdient zu leben.Ich bewundere Phyllis, sie ist einzigartig.« Aicha hat sich schön gemacht, goldene Ohrringe angelegt, ihre grüne Hose endet kurz über den Knöcheln, und sie hat versucht, ihre schwarzen kurzen Locken in Form zu bringen.Sie ist gut gelaunt und ein wenig unruhig.An diesem Wintertag soll Phyllis ankommen.Sie haben sich seit dem Sommer nicht mehr gesehen.Es ist der zweite Besuch von Phyllis bei Aicha in Narbonne, die beiden Frauen wollen der ZEIT von ihrer Freundschaft erzählen. Aicha eilt durch die Straßen von Narbonne.Sie ist auf dem Weg zum Bahnhof.Die Menschen kennen sie, manche bleiben stehen, umarmen, küssen sie.Die, die sie nicht mögen, halten sich fern.El-Wafi ist ein Star in der Stadt.Ihr Buch ist gerade erschienen.Mon fils perdu heißt es, »Mein verlorener Sohn«.Sie gibt Interviews, tritt in Talkshows auf.Ihren Sohn Zacarias kennen viele von früher und jetzt aus dem Fernsehen. Auf dem Bahnsteig von Narbonne wartet Phyllis.Sie trägt einen langen blauen Mantel, ihre graublonden Haare reichen bis zur Schulter.Aicha läuft auf sie zu.Die beiden umarmen sich, sie sind gleich groß.Aicha schenkt Phyllis einen Strauß Rosen.Hand in Hand verlassen sie den Bahnhof. Draußen steigen sie in Aichas kleinen silberfarbenen Renault.Sie fahren zehn Minuten bis zu Aichas Haus, in einem Vorort von Narbonne. Stille Straßen, hohe Mauern, Swimmingpools.Von Aichas Terrasse aus sieht man das Mittelmeer.Die Journalisten fragten immer nach dem Problemviertel, in dem Zacarias aufgewachsen sein muss.Hier ist es nicht. Phyllis setzt sich auf das Sofa im Wohnzimmer.Aicha hat es in eine grüne Schondecke gehüllt.Aus Tonvasen ragen gelbe und rosafarbene Kunstblumen.Auf dem Tisch steht ein Foto von Zacarias, über dem Kamin hängt eins und über dem Durchgang zur Küche.Auf jedem Bild lächelt er.Am Kühlschrank kleben Artikel über ihn, im Wohnzimmerregal sammelt Aicha Videokassetten mit TV-Beiträgen zu seinem Fall.Ihr Sohn beherrscht dieses Haus wie ein Gespenst und hat langsam Aichas andere drei Kinder von den Wänden und Anrichten verdrängt.Es ist lange her, dass er hier gelebt, gegessen, aus dem Fenster geblickt hat.Im Leben seiner Mutter ist er allgegenwärtig real und unwirklich zugleich. Phyllis bewegt sich vorsichtig durch die Räume.Zacarias zu sehen bedeutet immer auch Erinnerung an Greg. Aicha kocht in der Küche Tee, Phyllis geht ihr helfen.Ab und an hört man sie kichern.Sie sind fast gleich alt: Phyllis 64 und Aicha 60. Phyllis hat wegen Aicha angefangen, Französisch zu lernen, erst mit Kassetten, dann hat sie einen Sprachkurs besucht.Sie reden nun eine Mischung aus Französisch, Spanisch und Englisch. Aicha: »Uns haben ganz bestimmte Umstände zusammengebracht.Wir sind keine Freundinnen, weil wir gemeinsam Karten, Tennis oder Bridge spielen, sondern weil wir sehr tiefe Gefühle teilen.« Phyllis: »Wir mögen es, zusammen zu sein.Es ist eine einzigartige Verbindung, auch wenn wir nur ab und zu telefonieren.« Aicha erzählt Phyllis von ihrem Urlaub in Marokko.Sie ist gerade erst zurückgekehrt.Am Flughafen in Marokko habe der Zöllner sie herausgewinkt: Ob sie die Mutter von Zacarias Moussaoui sei, habe er gefragt.Ob sie schon etwas gegessen habe?Nein?Dann lud er sie ein. » Alle in Marokko wünschen sich eine Mutter wie Sie«, habe er zu ihr gesagt. » Sie haben Ihren Sohn immer unterstützt und nie vor den Kameras geweint.Wir stehen hinter Ihnen.«In Teilen der arabischen Welt wird Zacarias Moussaoui wie ein Held verehrt.Phyllis hört zu, lächelt.Wie muss es ihr dabei gehen?Es ist eine von vielen Geschichten, die Aicha in den nächsten Tagen erzählen wird.Sie verteidigt sich, ohne angegriffen worden zu sein.Am Ende steht stumm die Botschaft: Ich bin eine gute Mutter.Die beiden lachen wieder.Es klingt immer ein wenig zu laut, zu fröhlich, als wünschten sie, alles Schwierige, Komplizierte damit zu übertönen.Manchmal irritiert dieses Lachen auch, zu krass ist der Gegensatz zu ihren Geschichten. Lange haben sie ihre Freundschaft geheim gehalten.Es ging nicht anders.Wenn sie sich auf dem Gerichtsflur in Alexandria, Virginia begegneten, senkten sie die Augen, vermieden Blicke.Phyllis Mann sagte für Zacarias Verteidigung aus, gegen die Todesstrafe.Phyllis besuchte Aicha damals heimlich im Hotel, saß mit ihr vor dem Fernseher, kaufte für sie ein, kümmerte sich.Aicha lag im Bett, unfähig das Zimmer zu verlassen.Es ging um ihren Sohn, die Todesstrafe drohte. Im Gerichtssaal beschimpfte Zacarias Moussaoui Juden und Amerikaner. Phyllis ist beides. » Ich habe das nicht persönlich genommen«, sagt sie.Sie versuchte, sich in seine Lage hineinzufühlen.Zacarias erklärte sich schuldig, verteidigte sich selbst und wirkte oft nicht ganz bei sich.Ein Arzt hielt ihn für schizophren.Es ist sicher, dass er Islamist ist, Al-Qaida-Mitglied.Er war in Tschetschenien, Afghanistan und Pakistan, und vor Gericht gab er an, er hätte bei einer späteren zweiten Attentatsserie ein Flugzeug ins Weiße Haus steuern sollen.Ob er wirklich als zwanzigster Entführer vorgesehen und in die Anschläge des 11.September verwickelt war, konnte nie wirklich bewiesen werden. Am Abend gehen Phyllis und Aicha in ein indisches Restaurant.Phyllis trägt eine silberne Kette, die Aicha ihr geschenkt hat.Sie ist ein Erbstück von Aichas Mutter.Aicha sagt, sie habe ihr etwas Wichtiges, etwas von ihrer Familie geben wollen. » Phyllis hätte zu Hause sitzen bleiben können, aber sie hat mir beim Prozess beigestanden.«Die beiden setzen sich an einen Tisch in der Ecke, sie halten sich an den Händen.Aicha erzählt, dass ihre Geschichte, ihr Buch verfilmt werden soll.Sie verhandelt mit einer französischen Filmfirma.Aicha und Phyllis überlegen, wer wen spielen könnte. » Catherine Deneuve«, schlägt Phyllis für Aicha vor.Aicha zieht mit den Händen ihre Gesichtshaut glatt. » Zu viele Gesichtslifts«, sagt sie.Phyllis soll auch im Film vorkommen.Aicha denkt an Meryl Streep.Phyllis: »Ach, die spielt doch immer gleich.«Die Rolle von Zacarias besetzen sie nicht.Das ist die Grenze.Zu real. » Verkauft sich dein Buch?«, fragt Phyllis.Aicha sagt: »Sehr gut in den ersten Tagen.«Phyllis: »Wow!« Es geht die ganze Zeit um Aicha, wie schwer es ihr gefallen ist, das Buch zu schreiben, die vielen Erinnerungen, und um Zacarias.Greg wird selten erwähnt.Phyllis sitzt Aicha gegenüber.Sie sieht aus wie ein Mensch, der sich manchmal sehr zusammennehmen muss, um die fröhliche Fassade aufrechtzuerhalten. » Ich höre ihr zu«, sagt sie später einmal. Wenn sie zuhört, muss sie selbst nicht sprechen.Phyllis Rodriguez kann seit dem 11.September kein Fernsehen mehr schauen.Sie fürchtet, dass sie etwas an die Anschläge erinnern könnte.Sie will nicht, dass sich ihre Stimmung verändert, ihre Gefühle außer Kontrolle geraten. Ihr Mann ruft während ihres Besuchs in Narbonne jeden Tag an.Sie fliegen nirgendwo mehr gemeinsam hin.Damit ihre Tochter nicht auch noch die Eltern verliert, falls etwas passiert.Für Phyllis ist es besser, lustig zu sein. Meist redet nur eine, und meist ist es Aicha Es ist ein harmonischer Abend.Sie sagen, sie seien sich ähnlich.Aber es gibt wenig Dialog zwischen Aicha und Phyllis.Entweder lachen sie zusammen, oder sie schweigen, jede in sich versunken.Sie sind sich entweder extrem nah oder extrem fern.Dazwischen ist nichts.Sie haben keine Vergangenheit, Erinnerungen oder Alltagsgeschichten, die sie vereinen und über die sie sprechen könnten.Vielleicht liegt es auch an der fehlenden gemeinsamen Sprache.Meist redet nur eine, und meist ist es Aicha. Am nächsten Morgen sitzt Phyllis auf dem Bett ihres Hotelzimmers, ihre Beine hängen herab.Erst in ein paar Tagen, so haben sie es besprochen, wird sie bei Aicha wohnen.Zu viel Nähe halten beide nicht aus, zu intensiv, zu anstrengend.Sie bedeutet Erinnerung an den Verlust. Phyllis Rodriguez kehrte am Morgen des 11.September gegen 9 Uhr von einem Spaziergang nach Hause zurück.Auf ihrem Anrufbeantworter hörte sie die Stimme ihres Sohnes Greg: »Es gab einen furchtbaren Unfall im World Trade Center.Mit mir ist alles in Ordnung.Ruf Elizabeth an.« Er klang ruhig, nicht aufgeregt oder besorgt.Greg arbeitete im 103. Stock.Elizabeth war seine Frau. » Wir dachten alle, er ist okay.Wer ruft schon aus einem brennenden Haus an«, sagt Phyllis.Sie glaubte, Greg sei bereits draußen auf der Straße, in Sicherheit.Sie bemühte sich, ihn zu erreichen, aber sie kam nicht durch. Als sie um zwei Uhr nachmittags immer noch nichts von ihm gehört hatte, wuchs Phyllis Sorge.Am Abend des nächsten Tages wurde daraus Gewissheit.Greg war tot.Und in Phyllis Kopf begannen die Fragen zu lärmen: Warum war sie nicht früher nach Hause gekommen?Zehn Minuten oder zwei Sekunden eher?Dann hätte sie am Telefon noch mit ihm sprechen können.Phyllis sagt: »Jetzt verstehe ich, wie furchtbar es ist, ein Kind zu verlieren, und ich möchte nicht, dass das irgendjemandem auf der Welt passiert.«Kurz darauf schrieben sie und ihr Mann einen offenen Brief an die amerikanische Regierung, in dem sie gegen den Krieg in Afghanistan protestierten.Niemand sollte im Namen ihres Sohnes leiden müssen.Sie lenkte ihre Wut auf die eigene Regierung.Damals mied Phyllis fremde Menschen.Sie fürchtete ihre eigene Wut, wenn sie wieder jemand mit den Worten trösten wollte: »Wir werden diese Terroristen fertigmachen, sie bombardieren.« Nicht immer hatte Phyllis eine einfache Beziehung zu ihrem Sohn.Als Teenager färbte Greg seine Haare pink, frisierte sie zu einem Irokesen, brach die Schule ab.Das war seine Rebellion gegen die Eltern.Beide stammen aus Arbeiterfamilien, sie haben sich mühsam emporgearbeitet: Phyllis Mann ist mit 13 Jahren aus Kuba eingewandert und hat es zum Universitätsprofessor für Soziologie gebracht.Phyllis stammt aus der Bronx, ihre Eltern waren Sozialisten.Zu Hause spielte sie mit russischen Matroschkas und las sowjetische Kinderbücher.Am Abendbrottisch ging es um soziale Gerechtigkeit und Bürgerrechte. Während der McCarthy-Ära erzählten Phyllis Eltern das Gegenteil von dem, was ihr in der Schule erklärt wurde.Sie musste aufpassen, was sie wo sagte, immer auf der Hut sein.In der Highschool demonstrierte sie gegen Rassendiskriminierung.Heute arbeitet sie als Lehrerin mit schwierigen Jugendlichen und als Malerin.Phyllis ist damit aufgewachsen, an das Gute im Menschen zu glauben. Ihr Sohn Greg gab sich lange große Mühe, die Erwartungen seiner Eltern nicht zu erfüllen.Er rauchte Haschisch, wollte mit 16 durch die USA trampen und kam nach drei Wochen wieder zurück.Es folgten Gelegenheitsjobs an Tankstellen, in Restaurants, als Taxifahrer.Er heiratete früh und wurde mit Anfang 20 Vater eines Sohnes.Kurz darauf ließ er sich scheiden. Nach Jahren mit weiteren Kurzanstellungen begann Greg, sein Interesse für Computer neu zu entdecken.Das änderte alles.Am Ende hatte er seinen festen Job in Manhattan, trug Anzug, flog auf Geschäftsreisen nach Südamerika, heiratete seine zweite Frau Elizabeth und zog in die Nähe seiner Eltern nach White Plains. » Heute fühle ich mich schlecht, dass ich Greg in seiner Jugend nicht besser verstanden habe«, sagt Phyllis.Am Ende war ihre Beziehung wieder gut. » Zum Glück«, sagt Phyllis.Ihr Enkelsohn ist jetzt 15, sie hat ihn seit Gregs Tod nicht mehr gesehen.Ab und zu schreibt sie ihm, er antwortet nicht.Das Verhältnis zu Gregs erster Frau war nie besonders gut.Ihre Schwiegertochter Elizabeth hat inzwischen wieder geheiratet.Phyllis und ihr Mann sind nicht zur Hochzeit gegangen.Sie freuten sich, aber es erinnerte sie zu sehr an das, was sie nicht mehr hatten. Phyllis holt ein lilafarbenes Album aus ihrem Koffer.Es ist mit Fotos gefüllt.Auf einem Bild steht ihr Sohn Greg auf einer Aussichtsplattform in den Bergen New Hampshires.Berge mochte er.Greg hat ein rotes Stirnband um seine Locken gebunden, trägt Shorts und lächelt unsicher in die Kamera.Es ist eines der letzten Fotos von ihm.Phyllis sagt, sie träume ab und zu von Greg.Es sind keine schönen Träume.Sie sieht ihn in der Ferne.Er bleibt unerreichbar. Phyllis bittet um eine Pause, schweigt, schält eine Mandarine.Aicha wird bald vorbeischauen. » Es hätte auch umgekehrt kommen können«, sagt Phyllis in die Stille.Was? » Ich kann mir vorstellen, dass sich auch mein Sohn zu einer politisch radikalen Bewegung hätte hingezogen fühlen können.Wir haben keine Kontrolle darüber, was unsere Kinder machen.«Sie sagt, sie habe manchmal »diese irrationalen Schuldgefühle«.In diesen Augenblicken denkt sie, wenn sie Greg anders erzogen hätte, hätte er vielleicht nicht bei Cantor Fitzgerald angefangen und wäre noch am Leben.Das Ringen mit den Konjunktiven wird nie ganz aufhören.Phyllis weiß das, es verbindet sie mit Aicha. Als sie das erste Mal ein Foto von Aicha in der Zeitung sah, erkannte sie in dem Bild auch etwas von sich selbst.Ein Gefühl der Einsamkeit. » Ich dachte, in was für einer schwierigen Situation Aicha ist.Ich fühlte mit ihr als Mutter, die damit rechnen muss, dass ihr Sohn stirbt.«Phyllis dachte darüber nach, Kontakt zu Aicha aufzunehmen. Die kam ihr zuvor. Es war ein Sonnabendnachmittag im November 2002.El-Wafi und Rodriguez hatten beide die Nacht zuvor kaum geschlafen, sie fürchteten einander. Die Universität von Phyllis Mann hatte einen Raum in New York zur Verfügung gestellt.Beide beschreiben das erste Treffen: Phyllis: »Ich hörte sie kommen und bin ihr entgegengegangen.Sie schaute so unsicher.Ich habe dann den ersten Schritt auf sie zu gemacht.Wir haben uns umarmt und geweint.« Aicha: »Meine Augen trafen die von Phyllis.Ich war gekommen, um zu sagen, wie leid es mir tut, was ihnen passiert ist.« Phyllis: »Es war meine erste Erfahrung mit einer Art Großzügigkeit und Vergebung, die ich vorher noch nie so erfahren hatte.« Manchmal klingt es etwas pathetisch, wenn sie übereinander und ihre Freundschaft reden.Ihre Worte geraten zu bedeutend, als ginge es darum, die Beziehung zwischen zwei Staaten zu erklären, als sei ihre Freundschaft ein abstraktes Gebilde, größer als sie selbst.Nach ihrem ersten Treffen haben sie sich drei Jahre lang nicht gesehen, telefonierten nur ab und zu oder schrieben sich Postkarten.Erst zu Beginn des Prozesses von Zacarias wurde ihre Beziehung enger.Phyllis konnte nichts tun, um ihren Sohn zu retten.Nun will sie Aicha unterstützen, ihren Sohn zu schützen. » Aicha zu helfen gibt mir ein gutes Gefühl.« Am Nachmittag besucht Aicha Phyllis im Hotel.Sie liegen zusammen auf dem Bett, flüstern.Ein kanadischer Journalist möchte sie interviewen. Phyllis schlägt vor, ihm abzusagen.Aicha will es durchziehen.Sie sieht müde aus. Sie gehen unterschiedlich mit ihrem Schmerz um.Phyllis versucht, ihn zu kontrollieren, betrachtet und durchdringt ihn von allen Seiten, hält ihn in sich verschlossen.Aichas Schmerz ist laut, bricht immer wieder hervor.Für sie ist es nicht vorbei, ihr Sohn lebt noch.Auch wenn es manchmal fast scheint, als sei er tot.Aicha filmt oder fotografiert Beiträge vom Bildschirm ab, die das Fernsehen über Zacarias zeigt.Zacarias das Medienwesen.Das ist im Augenblick ihre einzige Verbindung. Am Abend ist Phyllis bei Aicha eingeladen.Aicha hat den ganzen Tag gekocht: Kuskus mit Gemüse und Huhn.Ihre Augen sind klein, sie wirkt traurig und genervt, redet nicht viel.Ihre Laune kann schnell umschlagen: eben noch lächelnd und liebenswert, im nächsten Moment schweigsam und düster.Ein Wort zu viel oder zum falschen Zeitpunkt kann die Atmosphäre für Stunden vergiften.Manchmal beobachtet Phyllis ihre Freundin vorsichtig von der Seite, als wolle sie ergründen, in welcher Stimmung die sich gerade befindet.Aicha verteilt Kuskus, ihr Blick fällt auf eines der Bilder von Zacarias an der Wand, sie scherzt etwas von Kuskus und Ungläubigen, denen sie es serviert. » Ich sags ihm nicht«, sagt Phyllis.Sie lachen.Die Situation entspannt sich ein wenig. Beide Frauen teilen die Zeit ein in vor und nach dem 11.September Während des Essens legt Aicha plötzlich ein Fotoalbum auf den Tisch, schlägt eine Seite mit Schwarzweißbildern auf. » Das sind die Monster meines Lebens«, sagt sie.Sie deutet auf ihren ältesten Bruder, ihre Schwester, ihren Exmann.Das Leben der Aicha El-Wafi ist eine Abfolge von Katastrophen.Nach ihrer Geburt in Azrou im marokkanischen Atlasgebirge gaben die Eltern sie zu ihrem Onkel, weil der keine Kinder bekommen konnte.Als Aicha zwölf war, starb ihr Vater.Ihr Bruder wurde Familienoberhaupt und holte sie zurück.Ein Trauma.Sie meldete sich selbst in der Schule an. » Mein Bruder schleifte mich an den Haaren zurück nach Hause.«Und dann gab es da diesen Nachbarn: Omar Moussaoui, 27 Jahre alt.Mit 14 wurde Aicha gegen ihren Willen mit ihm verheiratet.Über dem Fernseher hängt ein Gemälde von Aicha als Braut.Darauf schaut sie zur Seite, Trauer im Blick.Ihre ersten zwei Kinder sind gestorben.Noch in Marokko brachte sie später ihre beiden Töchter zur Welt, ihre beiden Söhne dann in Frankreich.Ihr Mann hatte dort einen Job als Bauarbeiter gefunden.Aicha war 18.Er schlug sie, erzählt Aicha heute, brachte sie fast um. 1971 ließ sie sich von ihm scheiden. » Er war ein Sadist«, sagt Aicha.Es ist kein gutes Thema für ein Abendessengespräch.Aicha will erzählen, dann wieder nicht, bricht ab, beginnt von Neuem.Phyllis erinnert sich, dass Nadia, Aichas älteste Tochter, im Prozess gegen Zacarias auf die Frage »Hat Ihre Mutter Sie geliebt?« antwortete: »Ich bin das Produkt einer Vergewaltigung.« Ein paar Fotos fehlen im Album. » Ich mochte sie nicht mehr«, sagt Aicha.Es gibt viele Menschen, mit denen sie nicht mehr redet oder gerade nicht oder erst seit Kurzem wieder.Ihre Mutter hat Aicha seit drei Jahren nicht mehr gesehen.Ihr Sohn Abd Samad schrieb ein Buch über seinen Bruder Zacarias.Darin schildert er eine Kindheit ohne Zuneigung und gibt seiner Mutter die Schuld an Zacarias Entwicklung. Seitdem herrscht Stille zwischen Aicha und ihm.Ihre beiden Töchter sind psychisch krank.Zu Nadia, der Älteren, hat sie den Kontakt abgebrochen, als die in einem TV-Beitrag etwas Kritisches über ihre Mutter erzählte.Aicha wartet auf eine Entschuldigung.Auch ihr Verhältnis zu Zacarias war nicht einfach.Es ist die Geschichte einer zerstörten Familie, deren Kämpfe nun öffentlich ausgetragen werden. » Es war ein Fehler, nach Narbonne zu ziehen«, sagt Aicha. » Zu viele Rassisten.« » Das konntest du doch nicht wissen«, beruhigt Phyllis. Phyllis sagt nicht viel an diesem Abend.Sie beginnt, in der Küche abzuwaschen.Aicha protestiert. Am nächsten Morgen ist Aicha düsterer Stimmung.Alles ist ihr zu viel, die Fragen, das Reden, das Erinnern.Es tut weh.Vielleicht liegt es auch daran, dass Phyllis an diesem Tag nicht mitgekommen ist.Sie kann Aicha besänftigen, manchmal.Aicha sitzt an ihrem Küchentisch, ihre Handflächen liegen auf der gelben Wachsdecke, ab und zu hebt sie den Kopf, aber nur flüchtig, um dann gleich wieder nach unten zu blicken. Sie hatte vor Kurzem diesen Traum: Zacarias entfernte sich noch mehr von ihr.Das war der Tag, als er nach dem Prozess aus dem Gefängnis in Virginia in eine Hochsicherheitsanstalt in Colorado überführt wurde. Aicha hat nichts von ihm gehört, seit einem halben Jahr.Die ersten sechs bis zwölf Monate gelten als Eingewöhnungszeit im Gefängnis, Kontakte zur Außenwelt sind verboten.Im Januar will Aicha an den Gefängnisdirektor schreiben und einen Brief an Zacarias beilegen. » Sie haben ihn lebendig begraben.«Aicha weint. Nach der Trennung von ihrem Mann zog Aicha allein mit ihren vier Kindern nach Mulhouse im Elsass.Dort gab sie die Kinder für ein Jahr in ein Heim.Sie hatte keine Arbeit und keine Wohnung, konnte sie nicht ernähren.Später bekam Aicha einen Job als Putzfrau bei France Télécom, lernte auf der Abendschule Lesen und Schreiben, holte ihre Kinder wieder nach Hause.Jahre darauf stieg sie zur Beamtin auf.Für Aicha war Frankreich auch eine Befreiung.Sie sagt, sie habe versucht, mit ihren Söhnen Arabisch zu reden, die hätten immer auf Französisch geantwortet. » Zacarias liebte amerikanische Filme und Kleidung.«Er war ein stilles Kind.Es habe nie Ärger mit ihm in der Schule gegeben. Der Bruder erzählt in seinem Buch, sie seien als »dreckige Araber« und »Neger« beschimpft worden. Aicha beschreibt eine Szene, als Zacarias 16 war.Gemeinsam warteten sie vor dem Lehrerzimmer.Es ging um die Entscheidung: Abitur oder nicht?Von drinnen hörten sie den Lehrer sagen: »Die wollen immer mehr.«Zacarias musste auf eine Berufsfachschule.Das Abitur holte er nach.Er führte politische Diskussionen mit seiner Mutter.Er fragte: »Wo soll ich mich integrieren?Ich bin hier geboren.Ich bin Franzose.«Der Vater seiner französischen Freundin sagte: »Du wirst nie die Füße unter meinen Tisch strecken.«Aicha hat ihre Söhne nicht religiös erzogen, nicht mit ihnen gebetet, sie sind nie in die Moschee gegangen.Sie feierten Weihnachten. » Wir leben in einem säkularen Land.«Aicha hat sich bemüht, sich und ihre Kinder perfekt zu integrieren. Sie steht auf, holt Zacarias Plakate aus dem Keller und rollt sie auf dem Küchentisch aus.Das Gesicht von Bob Marley erscheint und ein Poster, auf dem ein Soldat mit einem Gewehr in der Hand fällt. » Why?« steht darüber.Die Klebestreifen haften noch an den Bildern, als hätten die eben noch an der Wand gehangen.Aicha hat die Hälfte des Hauses, in der früher die Kinder wohnten, vermietet.Eine Betonwand zerteilt den Flur.Als Zacarias 22 war, warf Aicha ihn hinaus.Sie fand, er und sein Bruder könnten zum Haushalt beitragen, aber sie produzierten nur hohe Stromrechnungen und feierten Partys. Zacarias ging 1992 nach London, um Englisch zu lernen und zu studieren.Von seiner Mutter hatte er sich nicht verabschiedet, sie hatten kaum noch Kontakt. 1997 kam er sie einmal besuchen.Aicha fand ihn verändert, er hatte sich die Haare abrasiert, trug einen Bart, betete und fiel vor seiner Mutter auf die Knie, bat sie um Vergebung. Sie freute sich, aber vergeben hat sie ihm damals nicht.Das müsse man sich verdienen, sagte sie ihm.Danach haben sie ein paar Mal telefoniert.Immer rief er an, sie hatte keine Nummer von ihm.Einmal kam ein Brief aus Pakistan.Aicha wusste nichts von ihrem Sohn, von dem Leben, das er führte.Hat sie sich nie gefragt, was er macht? Aicha reagiert abweisend, ihre Stimme hebt sich.Manchmal habe sie mit seinem Foto geredet. » Er war 22, als er gegangen ist, alt genug, um seine eigenen Entscheidungen zu treffen.«Niemand aus der Familie hat Zacarias in all den Jahren in London besucht. Nach der Festnahme ihres Sohnes fuhr Aicha einmal zu Abu Hamza, dem Hassprediger, nach London.Zacarias war sein Schüler gewesen.Aicha wollte verstehen.Hamza sagte, er könne sich nicht an Zacarias erinnern. » Die Islamisten haben mir meinen Sohn genommen.Dabei sind im Islam die Eltern heilig.«Aicha glaubt, Zacarias habe die Vaterfigur gefehlt. » Er war ein Islamist, aber mit dem 11.September hatte er nichts zu tun.«Das hat er ihr in einem Brief aus dem Gefängnis geschrieben kurz nach seiner Verhaftung.Während des Prozesses kam es Aicha so vor, als stünde Zacarias unter Drogen.Sie beugt ihren Oberkörper über den Tisch, schreit und weint zugleich: »Die amerikanische Regierung ist eine Regierung von Barbaren, von Extremisten.«Eine halbe Stunde später zeigt sie wieder ein Fotoalbum, lacht und schwingt ihre Hüften, um ihre Tochter zu imitieren, die Model werden wollte. Am Abend sind Phyllis und Aicha bei Freunden von Aicha eingeladen. Früher trafen die sich einmal die Woche zu einem philosophischen Zirkel.Nach »der Sache mit Zacarias« sehen sie sich seltener und versuchen nun, nicht über ihn zu reden.Aicha teilt die Zeit in »vor und nach Zacarias« ein, Phyllis in »vor und nach dem 11.September«. Stets scheint Phyllis Trauer hinter Aichas Emotionen zu verschwinden Aichas Freunde haben sich viel Mühe gemacht.Es gibt gefüllte Artischocken, Zucchini, Fleisch, Käse, Kuchen, Wein.Zu Beginn ist Aicha noch gut gelaunt, erzählt von ihren Ferien in Marokko. Irgendwann verstummt sie, senkt den Blick auf ihren Teller.Die anderen am Tisch versuchen, sich aufs Essen zu konzentrieren, fragen die Gastgeberin nach den Rezepten und meiden es, in Aichas Richtung zu blicken.Phyllis sitzt neben ihr und lobt Aichas Kuskus, bemüht sich, Französisch zu sprechen, zu retten.Die meisten Gäste verabschieden sich früh.Nach dem Abend ist Phyllis ein wenig verstört.Sie hat Aicha noch nie so erlebt.Es scheint viel um sie zu gehen und wenig um Phyllis.Ihr Sohn Greg und ihre Trauer scheinen hinter Aicha und ihrem Kampf um Zacarias zu verschwinden.Eine ungleiche Freundschaft? Phyllis sagt, so denke sie nicht. Am nächsten Tag zieht Phyllis zu Aicha.Die Stimmung ist angespannt. Aicha telefoniert lange.Phyllis wartet.Dann sitzen sie sich gegenüber am Küchentisch.Phyllis will gute Laune machen, zeigt Fotos von ihrer Familie und liest einen Brief vor, den Aichas Enkelin an sie geschickt hat: »Danke für alles, was du für meine Oma getan hast.« Aicha nickt kurz.Sie wollen an diesem Tag nur über ihre Freundschaft erzählen.Phyllis Hoffnung ist, dass aus all dem Furchtbaren etwas Gutes entsteht.Sie hat eine politische Mission. Phyllis: »Wir wollen beide der Welt etwas zeigen.Die große Gefahr, die von Konflikten ausgeht, ist, dass wir den Gegner dämonisieren.Es ist wichtig, den anderen auch als Menschen zu sehen.« Aicha: »Es ist einfacher, aus Wut böse zu sein, als etwas Gutes zu tun.« Phyllis: »Oh, zu Beginn war ich sehr wütend.Ich habe nicht sofort an Vergebung und Versöhnung gedacht.Aber Gewalt macht die Dinge nicht besser.« Aicha: »Darf ich dich etwas fragen?Es muss furchtbar gewesen sein, als du vom Tod deines Sohnes erfahren hast.Ich kann es mir gar nicht vorstellen!« Phyllis: »Ja, es war schlimm.« Sie schweigen.Sehr oft sprechen sie nicht über diese Dinge.Sie trinken Kaffee aus Tassen, auf denen die Skyline von New York abgebildet ist.Phyllis hat sie Aicha geschenkt.Phyllis sagt: »Selbst wenn Zacarias an den Anschlägen beteiligt gewesen wäre, würde ich immer noch deine Freundin sein wollen.«Aicha ist gerührt, bedankt sich.Es ist, als müssten sie in Gesellschaft immer wieder bekunden, wie sehr sie sich mögen.Negative Gefühle und Meinungsverschiedenheiten vermeiden sie.Manchmal wirkt ihre Freundschaft wie eine Aufgabe, die sie erfüllen wollen: der Welt ein Beispiel sein. » Meine Situation ist schlimmer als die von Phyllis.Wenn sie Zacarias umgebracht hätten, könnte ich wenigstens an seinem Grab weinen«, sagt Aicha.Phyllis stimmt ihr zu.Weiß Zacarias von ihrer Freundschaft? Aicha glaubt, die Anwälte haben es ihm erzählt. » Die wissen, er mag Juden nicht und Phyllis ist Jüdin.Ich hoffe, eines Tages wird er mit Phyllis sprechen können.«Phyllis nimmt Aichas Hand. » Das hoffe ich auch.« In diesem Augenblick klingelt das Telefon.Aicha unterhält sich eine halbe Stunde.Danach legt sie ein Video ein.Es ist ein Fernsehbericht von Zacarias Überführung ins Hochsicherheitsgefängnis in Colorado. Zacarias sitzt in einem kleinen Flugzeug, umgeben von Uniformierten mit Maschinengewehren.Er sieht verwirrt aus, sein Körper wirkt aufgebläht, das Gesicht aufgedunsen, seine Haare sind länger geworden, sein Bart auch.Er hat mit dem Jungen auf den Fotos in Aichas Wohnzimmer kaum noch etwas gemein.Aicha schimpft auf den Fernseher ein: »Sie behandeln ihn wie ein Tier.«Sie ist außer sich.Phyllis weiß nicht, was sie sagen soll.Aicha wütet: In den USA gehe es nur ums Geld, damit würden sie auch den nächsten Präsidenten kaufen. » Das stimmt nicht.So einfach ist es nicht«, sagt Phyllis.Bevor ein Streit ausbricht, beendet sie das Thema: »Ich bin müde.Ich will nicht über Politik reden.« Dieser Abend wird der erste sein, den Aicha und Phyllis allein miteinander verbringen.Sie werden auf dem Sofa in Aichas Wohnzimmer sitzen, Wein trinken, und keiner wird ihnen zuschauen.Phyllis wird dann in ein paar Tagen abreisen.Manchmal ist es gut, dass ein Ozean zwischen ihnen liegt.