Bis zuletzt schrieb die alte Dame ihre kleinen Zurufe mit rotem Stift, die Schrift keineswegs weiblich gerundet das war sie nie , sondern eher steil, voller Haken, widerborstig, dennoch nicht unschön.Unweigerlich fragte sie danach, was man wohl arbeite.Die Verlegerin entließ die einstigen Autoren niemals aus ihrer neugierig-strengen Aufsicht, auch wenn fast ein halbes Jahrhundert ins Land gegangen sein mochte, seit sie das letzte Buch des Freundes in die Welt geschickt hatte.Eine Verlegerin der ersten Stunde.Steingrüben nannte sie ihr bescheidenes Unternehmen, das sich (und vor allem seinen Schreibern) kurz nach der Währungsreform einen Namen machte nach der Flakbaracke in einem Stuttgarter Bergsträßchen benannt, in dem sie neben der Redaktion von Christ und Welt ihre erste Unterkunft gefunden hatte, protegiert von Otto Heinrich Fleischer, der einst in Breslau den Korn-Verlag geleitet hatte: ein liberaler Geist, der das Talent der jungen Deutsch-Ungarin mit ihrem raschen Lachen, dem hellwachen, überaus kritischen Geist und einem geradezu explosiven Charme rasch genug erkannt hatte: ein spätes Geschöpf der k. u. k.Kultur, aus dem kleinen Offiziers- oder Beamtenadel stammend, in dem ungarischen Nest Rekasch zur Welt gekommen, das hernach rumänisch wurde, zweisprachig aufgewachsen, durch Studium und Heirat schließlich nach Berlin verschlagen.Der alte Henry Goverts, der sich nicht mehr allzu intensiv auf deutsche Abenteuer einlassen wollte, überließ ihr seinen Verlag.Sie war es, die Wolfgang Koeppen die Romane abforderte, die seinen Ruhm begründeten (Tauben im Gras hatte der Autor, in einer Art Döblin-Rausch, binnen zwei Wochen im Stuttgarter Bunkerhotel in die Maschine geworfen).Hildegard Grosche druckte Peter Härtlings frühe Gedichte und den schönsten seiner biografischen Romane, über Nikolaus Lenau.Sie war es, die ihren ungarischen Landsleuten László Németh und Tibor Déry den Weg nach Westen öffnete.Als sie ihre Verlage, vom Kapitalmangel besiegt, dem Holtzbrinck-Konzern übergab, blieb sie ihrem Lebensauftrag, der Literaturvermittlung, als Übersetzerin treu. So entdeckte sie den genialen Péter Nádas, dem sie bis zu ihrem Tod am 1.Weihnachtstag im Alter von 93 Jahren herzlich verbunden blieb.Eine große Dame.