KinoAdolf auf der Couch

In der Popkultur ist »der Führer« längst eine Witzfigur. Nun wollte Dani Levy die erste deutsche Komödie über Hitler drehen.

Die komische Urszene besteht aus einem Mann, der auf einer Bananenschale ausrutscht. Wenn wir aber zufällig den Mann gut kennen, wenn wir wissen, dass er gerade eine schwere Zeit durchmacht, wenn wir erfahren, dass er wegen der Sache mit der Banane ins Krankenhaus musste, schlimme Sache, dann verwandelt sich unser Amüsement meistens in Mitleid. Komödien müssen, in gewisser Weise, gnadenlos sein.

Der Regisseur Dani Levy hat eine Komödie über Adolf Hitler gedreht. Dani Levy ist in der Schweiz aufgewachsen, und zwar als Jude, eine Tatsache, die beim Thema Hitler vermutlich nicht länger als zehn Zeilen unerwähnt bleiben sollte. Davor hatte Levy Alles auf Zucker! gemacht, wo es ums Jüdischsein im heutigen Deutschland geht.

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Die Komödie heißt: Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler. Den Führer spielt der Komiker Helge Schneider. Es könnten aber auch ohne Weiteres Harald Schmidt, Fritz Wepper oder sogar Sabine Christiansen sein, denn Schneider ist unter einer dicken Maske und einer künstlichen Nase verborgen. So weit man es unter diesen Umständen beurteilen kann, spielt Helge Schneider seinen Hitler gut, aber natürlich nicht ganz so gut wie Bruno Ganz in Der Untergang oder wie Armin Müller-Stahl. Früher wollte jeder ältere, berühmte Schauspieler den Lear geben, heute scheint es stattdessen der Hitler zu sein.

In Mein Führer hat Hitler, Ende 1944, Depressionen. Aber soll, nach dem Willen von Goebbels, noch einmal eine große Rede halten, um das Volk zu mobilisieren. Damit Hitler als Redner wieder fit wird, lässt Goebbels dessen einstigen Schauspiellehrer, einen Juden (Ulrich Mühe), aus dem KZ holen. Der Lehrer möchte Hitler eigentlich umbringen, aber sein Unterricht entwickelt sich eigendynamisch und »typisch jüdisch« (Dani Levy) in Richtung Psychotherapie. Hitler erinnert sich daran, wie sein Vater ihn immer geschlagen hat, und weint sogar. Im Hintergrund spinnt Goebbels (Sylvester Groth) eine Intrige, er möchte den Führer stürzen. Alle Rollen, auch die kleinen, sind mit prominenten Schauspielern besetzt. Die Inspiration zu seinem Drehbuch hat Levy von Alice Miller, die in Am Anfang war Erziehung den Einfluss von Hitlers unglücklicher Kindheit auf seine Persönlichkeit untersucht hat. Am Anfang war Erziehung ist nicht gerade ein komisches Buch.

Dass Hitler böse war, muss einem wirklich keiner mehr erklären

Leserkommentare
  1. 1.

    Sie schwatzen hier nur theoretisch rum. Werden Sie doch mal ein bisschen ehrlich. Waren Ihre Eltern und Großeltern nun Nazis oder nicht?

    Ich wette, die waren Nazis, sondern würden Sie hier nicht einen auf Kollektivschuld machen, um sich selber rauszureden.

  2. So eindeutig wie Martenstein kann ich die Frage jedenfalls nicht bejahen. Gerade der große Chaplin hat sich später von seinem 'The Great Dictator ' aus dem Jahre 1940 unter dem Eindruck von Auschwitz distanziert.

    Die neu gefundene Lässigkeit mit der in hierzulande neuerdings in allen Medien Hitler parodiert wird, ist mir nicht geheuer.

    Quid quid agis, prudenter agas et respice finem!

  3. Rischtich.

  4. So eindeutig wie Martenstein kann ich die Frage jedenfalls nicht bejahen. Gerade der große Chaplin hat sich später von seinem 'The Great Dictator ' aus dem Jahre 1940 unter dem Eindruck von Auschwitz distanziert.

    Die neu gefundene Lässigkeit mit der in hierzulande neuerdings in allen Medien Hitler parodiert wird, ist mir nicht geheuer.

    Quid quid agis, prudenter agas et respice finem!

    • zorc
    • 11.01.2007 um 3:10 Uhr

    Ja genau, Psei, warum immer bloß der Harald Martenstein und nicht Sie? Sie mit Ihrem geschliffenen Stil und Ihren profunden Einblicken ins deutsche Seelenleben seit 1968? (Von Ihrem hintergründigen Humor ganz zu schweigen.)

  5. 'Wie wäre es mit einer Verfilmung der Biografie von Reinhard Heydrich, warum nicht ein peitschenschwingender KZ-Kommandant, wann wagt er sich an die kommödiantische Aufarbeitung eines ruhrgeplagten KZ-Häftlings?' (korfstroem)

    Diese Kritik ist in der Tat einfältig. Wie sie nur moralisierende Intellektuelle hinkriegen. Sogar über das Leben im KZ lässt sich eine Komödie drehen, wie es Begnini mit 'Das Leben ist schön' unter Beweis gestellt hat. Denn auch im realen KZ wurden mit Sicherheit Witze gemacht, auch und gerade von den Häftlingen. Eine Komödie ist was anderes als geistloses Geblödel, neudeutsch 'comedy', früher Klamauk oder Klamotte genannt.

    Den Levy-Film trifft die zitierte Kritik schon gar nicht. Der Gegenstand des Filmes ist nicht das KZ, nicht das Einsperren von Regimegegnern, auch nicht der Krieg, sondern die Person Adolf Hitlers. Und - nüchtern betrachtet - aus heutige Sicht wirkt dieser schlimme Mann (unfreiwillig) komisch. Ich zitiere mal aus einer Polemik gegen J. Fest: 'Fest kommt gar nicht die Idee zu fragen, wie denn wohl dieser Politiker in einer anderen Zeit - vor 1918 oder nach 1950 - rübergekommen wäre! Die Frage ist für heute schnell beantwortet: Der Mann würde wohl selbst aus Veranstaltungen der NPD rausfliegen, als egomanischer, monologisierender Schreihals.'

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    Ob die Satire Levis gelungen ist, weiß ich noch nicht, ich werde mir den Film in den nächsten Tagen ansehen.

    Wenn ein Film zur Verdummung in Sachen Hitler beigetragen hat, dann war es 'Der Untergang', wozu der zitierte Autor in einem anderen Artikel anmerkt: 'Dieser Hitler, war der nicht irgendwie auch ein schräger Vogel, einzigartig in seiner Brutalität, aber doch auch in seiner faszinierenden, kaum abwehrbaren Ausstrahlung, wie 'Der Untergang' zeigt? Auf jeden Fall, war dieser Mann eine Ausgeburt der Hölle, nicht Deutschlands.' (Klaus Priesucha 'Halali auf einen Nobelpreisträger - eine selbstbewusste Nation bläst zur Jagd' a.a.O) Am Hofe des Führers 'wimmelt es nur so von guten Deutschen' (Wim Wenders), die natürlich zu bedauern sind, dass sie irgendwie auf diesen Hitler reinfallen mussten. Keine Idee in dem Film, dass die vielleicht deshalb auf diesen bösen Clown abgefahren waren, weil für sie 'Deutschland, Deutschland, über alles' ging.

    'Wie wir an Grass gesehen haben, sind die, die heute am lautesten 'haltet den Nazi' schreien, selber welche' (9 HAL20007 | 05.01.2007 | 13:38:57 )

    Ich würde nicht soweit gehen, wie 'jg100rpw', dass 'HAL 2007 ein gutes Beispiel ist,
    weil man sich sicher sein kann, dass die Vergangenheit sich in Deutschland wiederholen wird'. Aber Hal 2007 ist ein Beispiel dafür, dass auch in einer Demokratie nicht wenige Leute alles bedenkenlos nachplappern, was ihnen die Medien vorkauen. Ihm sei der Artikel 'Halali...........' besonders ans Herz gelegt.

  6. ...das ganze salonlinke Schicki-Micki-Pack.Ob ihr Erlebnis authentisch ist oder nicht, Schmidts Millionen stehen in keinem verhältnis zu seinen Leistung, in Zeiten der zunehmenden Amerikanisierung stört das allerdings eh niemand mehr.Außer den Flügelschiebern ,den hartzies & den working poor natürlich.

  7. 8.

    Hitler paßt nicht recht in die vorhandenen Schubladen - so steht seine Wachsfigur bei Madame Tussaud's denn auch weder bei den Politikern noch bei den Serienmördern, sondern eigenartigerweise in einer Nische im Treppenhaus - verzichten wollte man offenbar nicht auf ihn.
    Übrigens ist das Colloseum in Rom einer der grauenvollsten Orte auf Erden, eine Erinnerung, die nur noch von der katholischen Kirche aufrechterhalten wird. Vordergründig ist es eine Touristenattraktion, obwohl dort insgesamt 300 000 Menschen auf schrecklichste Art ums Leben kamen - übrigens in Form eines 'Volksgerichtshofs', da die Hinrichtungen ad bestiam formal juristische Veranstaltungen waren, mit dem Publikum als Jury.

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