Kino Adolf auf der CouchSeite 4/4

So wird Mein Führer zu einem wirklich großen historischen Ereignis, nämlich dem ersten Mainstreamfilm seit 1945, in dem Hitler als ein bedauernswerter, im Grunde sogar netter Typ auftritt. Daran ist sicher auch etwas Richtiges. Jeder Mensch, nicht wahr, besitzt sympathische Züge, und die Filme, in denen die Nazis nur Bestien sind, weiter nichts, machen es sich auch wieder zu einfach. Für eine Diskussion der großen Fragen aber, Schuld, Autonomie des Individuums, Verbrechen und Gesellschaft, trifft Levys Film nicht unbedingt die richtige Tonlage, und für die These, dass jedes Verbrechen Ursachen in einer verkorksten Kindheit hat, ist Hitler nicht unbedingt der ideale Kronzeuge. Dazu hat er es als Verbrecher denn doch zu sehr übertrieben. Irgendwo hört das Verständnis auf, aber echt.

Das alles hat Dani Levy, der Hitler-Versteher, ganz sicher nicht beabsichtigt, es ist ihm unterlaufen. Wie der Film günstigerenfalls hätte werden können, zeigt Sylvester Groth als Goebbels. Groth ist der Star in Mein Führer, aasig, charmant und mit der Jovialität eines Raubtiers, einer, dessen Tücke man durchschaut und dem man, widerwillig, doch einen gewissen Respekt entgegenbringt, weil er zwar ein Schurke ist, aber immerhin ein großer Schurke.

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Sie schwatzen hier nur theoretisch rum. Werden Sie doch mal ein bisschen ehrlich. Waren Ihre Eltern und Großeltern nun Nazis oder nicht?

    Ich wette, die waren Nazis, sondern würden Sie hier nicht einen auf Kollektivschuld machen, um sich selber rauszureden.

  2. So eindeutig wie Martenstein kann ich die Frage jedenfalls nicht bejahen. Gerade der große Chaplin hat sich später von seinem 'The Great Dictator ' aus dem Jahre 1940 unter dem Eindruck von Auschwitz distanziert.

    Die neu gefundene Lässigkeit mit der in hierzulande neuerdings in allen Medien Hitler parodiert wird, ist mir nicht geheuer.

    Quid quid agis, prudenter agas et respice finem!

  3. Rischtich.

  4. So eindeutig wie Martenstein kann ich die Frage jedenfalls nicht bejahen. Gerade der große Chaplin hat sich später von seinem 'The Great Dictator ' aus dem Jahre 1940 unter dem Eindruck von Auschwitz distanziert.

    Die neu gefundene Lässigkeit mit der in hierzulande neuerdings in allen Medien Hitler parodiert wird, ist mir nicht geheuer.

    Quid quid agis, prudenter agas et respice finem!

    • zorc
    • 11.01.2007 um 3:10 Uhr

    Ja genau, Psei, warum immer bloß der Harald Martenstein und nicht Sie? Sie mit Ihrem geschliffenen Stil und Ihren profunden Einblicken ins deutsche Seelenleben seit 1968? (Von Ihrem hintergründigen Humor ganz zu schweigen.)

  5. 'Wie wäre es mit einer Verfilmung der Biografie von Reinhard Heydrich, warum nicht ein peitschenschwingender KZ-Kommandant, wann wagt er sich an die kommödiantische Aufarbeitung eines ruhrgeplagten KZ-Häftlings?' (korfstroem)

    Diese Kritik ist in der Tat einfältig. Wie sie nur moralisierende Intellektuelle hinkriegen. Sogar über das Leben im KZ lässt sich eine Komödie drehen, wie es Begnini mit 'Das Leben ist schön' unter Beweis gestellt hat. Denn auch im realen KZ wurden mit Sicherheit Witze gemacht, auch und gerade von den Häftlingen. Eine Komödie ist was anderes als geistloses Geblödel, neudeutsch 'comedy', früher Klamauk oder Klamotte genannt.

    Den Levy-Film trifft die zitierte Kritik schon gar nicht. Der Gegenstand des Filmes ist nicht das KZ, nicht das Einsperren von Regimegegnern, auch nicht der Krieg, sondern die Person Adolf Hitlers. Und - nüchtern betrachtet - aus heutige Sicht wirkt dieser schlimme Mann (unfreiwillig) komisch. Ich zitiere mal aus einer Polemik gegen J. Fest: 'Fest kommt gar nicht die Idee zu fragen, wie denn wohl dieser Politiker in einer anderen Zeit - vor 1918 oder nach 1950 - rübergekommen wäre! Die Frage ist für heute schnell beantwortet: Der Mann würde wohl selbst aus Veranstaltungen der NPD rausfliegen, als egomanischer, monologisierender Schreihals.'

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    Ob die Satire Levis gelungen ist, weiß ich noch nicht, ich werde mir den Film in den nächsten Tagen ansehen.

    Wenn ein Film zur Verdummung in Sachen Hitler beigetragen hat, dann war es 'Der Untergang', wozu der zitierte Autor in einem anderen Artikel anmerkt: 'Dieser Hitler, war der nicht irgendwie auch ein schräger Vogel, einzigartig in seiner Brutalität, aber doch auch in seiner faszinierenden, kaum abwehrbaren Ausstrahlung, wie 'Der Untergang' zeigt? Auf jeden Fall, war dieser Mann eine Ausgeburt der Hölle, nicht Deutschlands.' (Klaus Priesucha 'Halali auf einen Nobelpreisträger - eine selbstbewusste Nation bläst zur Jagd' a.a.O) Am Hofe des Führers 'wimmelt es nur so von guten Deutschen' (Wim Wenders), die natürlich zu bedauern sind, dass sie irgendwie auf diesen Hitler reinfallen mussten. Keine Idee in dem Film, dass die vielleicht deshalb auf diesen bösen Clown abgefahren waren, weil für sie 'Deutschland, Deutschland, über alles' ging.

    'Wie wir an Grass gesehen haben, sind die, die heute am lautesten 'haltet den Nazi' schreien, selber welche' (9 HAL20007 | 05.01.2007 | 13:38:57 )

    Ich würde nicht soweit gehen, wie 'jg100rpw', dass 'HAL 2007 ein gutes Beispiel ist,
    weil man sich sicher sein kann, dass die Vergangenheit sich in Deutschland wiederholen wird'. Aber Hal 2007 ist ein Beispiel dafür, dass auch in einer Demokratie nicht wenige Leute alles bedenkenlos nachplappern, was ihnen die Medien vorkauen. Ihm sei der Artikel 'Halali...........' besonders ans Herz gelegt.

  6. ...das ganze salonlinke Schicki-Micki-Pack.Ob ihr Erlebnis authentisch ist oder nicht, Schmidts Millionen stehen in keinem verhältnis zu seinen Leistung, in Zeiten der zunehmenden Amerikanisierung stört das allerdings eh niemand mehr.Außer den Flügelschiebern ,den hartzies & den working poor natürlich.

  7. 8.

    Hitler paßt nicht recht in die vorhandenen Schubladen - so steht seine Wachsfigur bei Madame Tussaud's denn auch weder bei den Politikern noch bei den Serienmördern, sondern eigenartigerweise in einer Nische im Treppenhaus - verzichten wollte man offenbar nicht auf ihn.
    Übrigens ist das Colloseum in Rom einer der grauenvollsten Orte auf Erden, eine Erinnerung, die nur noch von der katholischen Kirche aufrechterhalten wird. Vordergründig ist es eine Touristenattraktion, obwohl dort insgesamt 300 000 Menschen auf schrecklichste Art ums Leben kamen - übrigens in Form eines 'Volksgerichtshofs', da die Hinrichtungen ad bestiam formal juristische Veranstaltungen waren, mit dem Publikum als Jury.

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