Pauschal reisen? Oder doch lieber auf eigene Faust? Immer mehr Urlauber entscheiden sich für beides zugleich: Veranstalter für Individualreisen jedenfalls registrieren reges Interesse. So freut sich Stefan Kraft von Geoplan über "gut 20 Prozent mehr Buchungen als im Vorjahr". Das Berliner Unternehmen ist auf Asien und Arabien spezialisiert und bietet "ausgefallene Rundreisen abseits ausgetretener Pfade" schon ab einer Person an.

Und neben Spezialisten wie FOF, Windrose oder eben Geoplan, die zum Teil seit Jahrzehnten auf dem Markt sind, entdecken langsam auch die Branchengrößen dieses Feld für sich. So nahm Marco Polo Reisen schon 2000 den Katalog Individuell reisen ohne Gruppe ins Programm. "Der macht uns sehr viel Freude", sagt Pressesprecher Frano Illic – auch wenn er keine Buchungszahlen verraten mag. Nur dass das Alter der Teilnehmer bei 40 Jahren aufwärts liegt. Das Schwesterunternehmen Studiosus plant selbst kein eigenes Individualprogramm, sondern verweist auf den Marco-Polo-Katalog, der inzwischen mehr als 70 Länder umfasst. Sehr gefragt seien Südostasien, Indien, China und Lateinamerika, sagt Illic. "Aber auch islamische Länder wie Marokko und Libyen."

Natürlich hat der persönliche Reiseführer und/oder Chauffeur seinen Preis. Doch der ist verhältnismäßig niedrig, im Schnitt macht er zehn bis 20 Prozent des Reisepreises aus. Stefan Kraft von Geoplan sagt: "Je nach Ziel können das 200 bis 300 Euro in Südostasien oder 500 in den Emiraten sein." Bei Marco Polo Reisen kosten neun Tage Indien mit Flug 1199 Euro, also etwa 250 Euro mehr als in der Gruppe. Bezahlbarer Luxus. Hinzu kommt ein unerwarteter Trend: Obwohl es durch das Internet noch nie so einfach war, sich Unterkünfte, Flüge und Mietwagen selbst zusammenzustellen und zu buchen, wird der Wunsch, ver- und umsorgt zu werden, größer: Organisierten 1999 noch 56 Prozent der Deutschen ihre Ferien auf eigene Faust, so waren es in diesem Jahr nur 47 Prozent, ermittelte die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen in ihrer Reiseanalyse. Dabei wird deutlich: Mit zunehmender Reiseerfahrung wächst der Hang zu mehr Individualität und Flexibilität. Dafür sind die personalisierten Pauschalreisen perfekt. Man kann fast täglich anreisen, Schlenker und Verlängerungen aufnehmen; fast alles ist machbar. Manche Reisen werden sogar maßgeschneidert.

Und wer bucht? "Wir haben sehr viele Reiseerfahrene, die auch noch den letzten Winkel der Welt kennen lernen möchten", sagt Stefan Kraft von Geoplan. "Das sind sehr gut vorbereitete, kultur- und naturinteressierte Menschen, die es genießen, nicht in einen Bus rein- oder aus einem Bus rausgetrieben zu werden, sondern auch mal spontan an einem Ort länger verweilen zu können." Es ist vor allem die stetig wachsende "55plus-Generation, die über Sprachkenntnisse verfügt und zu viel gesehen hat, um einfach in der Gruppe von Station zu Station zu fahren", stimmt Udo Vollmer vom Fernost Flugservice (FOF) Stuttgart zu. Jenseits des Rucksacktourismus setzt diese Gruppe jedoch vor allem auf sachkundige Begleitung und die Sicherheit, dass vom Mietwagen bis zur Unterkunft alles arrangiert ist. "Wenn man individuell durch Vietnam reisen will, kann man nicht mal eben ein Auto mieten, da braucht man schon einen Chauffeur", sagt Stefan Kraft. Manches lässt sich eben immer noch nicht vom Computer aus regeln.