EU »Wir wecken den Spieltrieb«

Der Europäischen Union fehlen die Symbole, sie präsentiert sich meistens grau und gesichtslos. Das muss nicht so sein. Ein Gespräch mit dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas

Rem Koolhaas

Rem Koolhaas

DIE ZEIT: Herr Koolhaas, was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Europa denken?

Rem Koolhaas: Scham. Mir ist es unglaublich peinlich, wie mit dem Thema umgegangen wird, wie sehr wir die Möglichkeiten der EU unterschätzen. Wie wenig wir wissen. Auch ich wusste lange fast nichts

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ZEIT: Bis Ihr Büro mit einer ganzen Ausstellung – wie Sie selbst sagen – »Propaganda« für Europa gemacht hat. Sie haben in einem bunten Bilderbogen wild assoziiert, respektlos Marx und Milošević, Pin-ups und Politiker nebeneinander in ein Zirkuszelt gestellt. Wie war die Reaktion?

Koolhaas: Am meisten erstaunt hat mich, dass viele junge Leute die Ausstellung besucht haben – auch in Deutschland. Die waren ungeheuer überrascht, dass man die EU auch bunt, aufregend, trivial und abenteuerlich präsentieren kann.

ZEIT: Wir haben eher den Eindruck, dass eine Menge Leute von der EU genervt sind.

Koolhaas: Manchmal glaube ich, dieser Europafrust ist nur so ein Spiel einer Elite, die sich das leisten kann. Fragen Sie mal außerhalb der EU nach. Überall dort kennt man ihren Wert.

ZEIT: Dennoch ist die EU hierzulande vielen Leuten bestenfalls egal, oder sie langweilt sie – auch wegen der Bilder, die sie üblicherweise präsentiert bekommen: diese gesichtslosen Gebäude, diese blaue Flagge, diese grauen Herren auf ihren langweiligen Gipfeln …

Leser-Kommentare
  1. 1.

    das bemerkenswerteste am interview war die anmerkung der redaktion hinter ROMANO PRODI = italienischer Ministerpräsident

    weiter, welches bild ist nicht exzentrisch - ... warum gelten in vielen kulturen gerade blinde als seher ...

    was kohlhaas transparent gemacht war ein autoritätsplan, den er in eine didaktik verwandelt - wieder autoritätsplan ... symbolisierungen sind (immanent) dasselbe, besonders wenn die noch mit europa verbunden werden sollen

    pläne gehören übrigens (wissenschaftlich kategorisiert) den bildern an (wie karten) ... was kohlhaas transparent machen nennt kann gerade informelles verstellen - er deckt mechanismen auf - und fundiert die grafisch noch ... schreibt fest ... macht modelle ...

    vieles, was funktioniert funktioniert gerade ohne modelle ... was kohlhaas aber vorschlägt ist typisch europäisch ... von didaktiken haben die europäer glaube ich die nase voll ... symbolisierungskampagnen sind nicht s anderes ...

    ... viele nehmen europa vielleicht immer wieder neu und wie ungesehen war, als hätten sie´s noch nie gesehen, dabei denken die vielleicht viel persönlicher und weniger groß - wenn sie aber auf reisen sind müssen sie sogar so sehen als hätten sie es noch nie gesehen ggf. ... will man das durch leitende symbole einschränken, eigene entdeckungen und lebendigkeit durch vorgegebene bilder ruinieren - auch projekte die dann gut meinend diese bilder abfragen und präsentieren wollen bilden anstatt zu öffnen schon einen kanon ...

    darüber hinaus ist europa offen - es existiert überhaupt nicht allein ... das typisch europäische gibt es gar nicht mehr, es würde sogar diskriminieren ... es diskriminiert, wenn man es betont ... es stuft einwanderer zurück ... es verhindert neues europa ...

    prozesse statt modelle ... was kohlhaas transparent machte ist ein modell, kein prozess, prozesse hat der gar nicht erfasst ... er ist ein modellpatriot, wenn er glaubt, dass das wirklich so funktioniert ---

    diejenigen, die aus protest gegen die todesstrafe in rom das kolosseum erleuchten sind viel eher europa als irgendwelche vorgefertigten europäischen symbole (die oftmals auch wahrzeichen sind - die in rom dekonstruieren solche wahrzeichen) ... wer danach fragt, was europa sei, beginnt bereits mit dem festschreiben ... will konstruieren ... zum glück wachen nur wenige mit der frage auf ...

    ... die in rom wurden vom irakischen präsidenten angegriffen, es sei beleidigend der protest dort ... offenbar beleidigt europa - wo es beleidigt ist vielleicht nicht mehr europa ... das ist ein prozess, kein modell - prozesse sind lebendig, modelle nicht ...

    spiel ist etwas, das begrenzt ist, wie man sagt, etwas hat spiel - spiel ist nur begrenzt, spiel ist nicht frei, auch in diktaturen gibt es spiel - spiel ist strukturiert und modell, was begrenzt ist, lässt keine prozesse zu, eher ergebnisse --- enden --- dann ist das spiel aus ...

    während prozesse über alle berge sind ...

  2. Herr Rauterberg und Herr Koolhaas haben das Buch entweder nicht gelesen oder nicht verstanden:  "Jekyll weiß nichts von Hyde"  verkehrt die Absichten  des Autors in ihr Gegenteil, da es diesem darauf ankam, den Heuchler Jekyll, der als Hyde - einem Teil von ihm - seine Untaten begeht und sehr wohl davon weiß, zu geißeln.

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