Martin Weber ist ein ungewöhnlicher Professor – ungewöhnlich erfolgreich in Forschung und Lehre und ungewöhnlich klar in der Sprache. Im Handelsblatt - Ranking der deutschen Top-Betriebswirte landete Weber 2006 auf Platz drei. Der Mannheimer Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre verdankt diese Platzierung seinen internationalen Veröffentlichungen. Je renommierter die Fachzeitschrift, desto höher die Punkte, die ein Professor in der Rangliste bekommt. Aber auch in den Studentenumfragen zur Qualität der Lehre schneidet der 53-Jährige in der Regel überdurchschnittlich ab.

Weber forschte schon über die »Behavioral Finance«, bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Bereits in den achtziger Jahren widmete er sich der Prospekttheorie der Psychologen Kahneman und Tversky, für die Kahneman 2002 den Ökonomie-Nobelpreis erhielt. Anders als in der ökonomischen Theorie unterstellt, verhalten sich Menschen danach nicht streng rational. Zentrale Forschungsergebnisse: Menschen gewichten bei Entscheidungen Verluste höher als Gewinne, sie neigen zu Selbstüberschätzung, verdrängen Niederlagen und sind durch Referenzpreise stark zu beeinflussen. Das alles erklärt mehr über das Handeln der Menschen am Kapitalmarkt als jede streng rationale Theorie.

Mit dem Wissen um die menschlichen Schwächen tritt Weber jüngst immer häufiger als Missionar in Erscheinung. Ganz unverblümt kritisiert er die Marketingtricks der Finanzindustrie und setzt sich für einfache Grundsätze des Investierens ein: kostengünstig, breit diversifiziert und der eigenen Risikotragfähigkeit angemessen. Es sei »ein Privileg«, an einer mit Steuergeldern finanzierten Hochschule arbeiten zu dürfen und nicht auf Gelder der Banken, Versicherer oder Fondsindustrie angewiesen zu sein, sagt Weber. heu

»Kurse gehorchen dem Zufall« - Börsenprognosen hält der Wirtschaftsprofessor Martin Weber für Scharlatanerie. Anlegern rät er, bloß keinen pseudowissenschaftlichen Theorien zu folgen. Ein Gespräch »