Therapieforschung Darmspiegelung mit Musik
Sanfte Melodien im Behandlungsraum helfen dem Patienten – sofern sie sorgfältig für ihn ausgewählt sind.
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Johann Sebastian Bach war ein Tausendsassa, auch in der Medizin kannte er sich aus. Seine Goldberg-Variationen, ein riesiger Zyklus für Cembalo, sind ein musikalisches Beruhigungsmittel, komponiert für den schlaflosen russischen Gesandten am Dresdner Hof, Graf Hermann Carl von Keyserlingk, der vermutlich an Tinnitus litt. Das tönende Medikament maskierte die Geräusche im Ohr und besänftigte den Mandelkern, das Angst- und Emotionszentrum im Gehirn. Und weil stets nur das einsame Cembalo zirpte, wurde der Klangreiz dem Grafen mit der Zeit vertrauter, schwächer, nebensächlicher. Bach, neurobiologisch gewieft, wusste also, dass sich bei seinem Hörer das Phänomen der Habituierung einstellen würde.
Die schöne Literatur ist voller Belege dafür, wie Musik Blutungen stillt, Schmerzen dämpft, Müde weckt, Wache einschläfert oder zu den vermeintlich toten Zonen von Hirnkranken vordringt. Musik als Medizin – funktioniert das wirklich? Viele Ärzte, Psychologen und Pädagogen sind davon überzeugt und setzen sie immer häufiger zur Therapie ein. Türkische Urologen nutzen sie, wenn sie Nierensteine zertrümmern, Augenchirurgen in New York nutzen sie bei Star-Operationen, Anästhesisten in Montreal bei chirurgischen Eingriffen mit Spinalanästhesie. In Los Angeles fühlen Brustkrebspatientinnen sich wohler, wenn sie bei einer Feinnadel-Biopsie Musik hören.
Knapp 150 internationale Studien, die den günstigen Einfluss von Musik belegen, sind im Internet unter www.pubmed.gov zu finden. Manche dieser Studien sind sehr klein in der Stichprobengröße, dann fehlt ihnen die statistische Power. Aussagemächtige Metastudien fehlen bislang. Immerhin summieren sich die Einzelbefunde zu einem glaubwürdigen Gesamtbild.
Sie beschreiben vor allem die Wirkung von Musik auf das vegetative Nervensystem, auf Schmerztoleranz und Stressminderung. So teilten Mediziner des Münchner Universitätsklinikums Innenstadt 146 Patienten, die für eine Darmspiegelung vorgesehen waren, in zwei Gruppen auf: Die eine bekam entspannende Musik zu hören, die andere nicht. Die Patienten der Musikgruppe verbrauchten weniger Schmerzmittel, zudem war bei ihnen die Untersuchung rascher beendet als in der Kontrollgruppe.
Richtige Beschallung senkt den Gebrauch von Schmerzmitteln
- Datum 07.01.2007 - 08:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.01.2007 Nr. 02
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...nicht nur beim Arzt -- sogar beim Scheidungsanwalt! Jeder kennt heute den Effekt der Musik auf Menschen. Inwieweit es zutrifft, dass Kühe mehr Milch geben und Hühner mehr Eier legen, bin ich nicht informiert. Aber meine Studenten fühlten sich definitiv weniger gestresst, wenn sie bei sanfter Barockmusik ihre Prüfungsarbeit schreiben konnten.
Auf dem Weg zur Evidenz hatte es Musik als Hilfe bei ärztlicher und/oder therapeutischer Tätigkeit immer schwer. Damit ist relativ wenig 'Kohle' zu machen, daher bleibt die Datenlage unzureichend.
Kleiner Hinweis: Die wichtigste Information, die über Polypen, deren eventuelle praekanzeröse Veränderung, und die damit einhergehende mögliche lebensverlängernde Prävention durch ihre Entfernung ,gelingt, das belegen neue Erkenntnisse (Studien) aus den USA, die auch in der NYT und in der Wash.Post rezensiert wurden, nur ausreichend sicher, wenn der praktizierende Arzt Zeit hat und entspannt ist. - Will er Geld verdienen, bleibt die Fehlerquote, selbst bei ausgewiesenen Spezialisten, hoch. Die Untersuchungszeit lässt sich, selbst mit langjähriger Erfahrung und beständiger Schulung nicht willkürlich ohne Risiken drücken.
Vielleicht schreiben Sie einmal dazu. Denn Darmspiegelungen werden auch bei uns in großem Umfang ambulant von Fachärzten durchgeführt und sollen vor allem das Risiko bösartiger Erkrankungen
senken.
Ich erinnere mich an meine letzte Zahnarztbehandlung, die auch ohne Musik schon grauslig genug war. Leider lief im Behandlungszimmer das Programm von SWR3, ein Sender, der mir wegen seiner Musikauswahl schon im Auto immer Magenkrämpfe verursacht. Auf meine Bitte, das aus- oder wenigsten leiser zu machen (Bach habe ich schon gar nicht zu verlangen gewagt), hieß es nur, 'das geht nicht, das wird zentral gesteuert.' - Für weitere Behandlungen suche ich mir gerade einen neuen Zahnarzt.
verhindern gezielt die sinnvolle Beschallung von Behandlungs- und Untersuchungsräumen.
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