Teddy war Jerusalem, und Jerusalem war Teddy.«Das sagt der heutige Bürgermeister Uri Lupolianski, und so ist es.Nebenbei war Teddy Kollek, der jetzt im Alter von 95 Jahren gestorben ist, das am längsten amtierende Stadtoberhaupt aller Zeiten, jedenfalls in der demokratischen Welt.Er war »Mr.Jerusalem« von 1965 bis 1993 eine Ewigkeit, gemessen an den vier oder acht Jahren, die gewöhnlichen Sterblichen an der Rathausspitze gegönnt werden. Er war aber kein solcher, und schon gar nicht passt »gewöhnlich« auf sein Jerusalem, dessen Bezeichnung weder etymologisch noch politisch auf Schalom »Frieden« zurückgeführt werden sollte.Wahrscheinlicher ist Schalim, ein westsemitischer Gott, der vor einigen Ewigkeiten als Schutzpatron über der Stadt thronte.Frieden war Jerusalem in den vergangenen 4000 Jahren selten beschieden gewesen, doch hat »Teddy« ihn bewahrt, weshalb ihm ein Platz in der Beletage der Geschichte gewiss ist. Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, im Sechstagekrieg, übergaben ihm israelische Fallschirmjäger den (jordanisch besetzten) Ostteil der Stadt mit dem Spruch: »Teddy, wir haben dir eine schöne große Stadt vermacht.«Der schoss zurück: »Ja, und ein schönes großes Kopfweh dazu!«Es war eine Dauermigräne.Denn die drei abrahamitischen Religionen, die Jerusalem als ihr Heiligtum reklamieren, huldigen zwar alle dem ein und einzigen Gott, aber dies mit der gegenseitigen Zuneigung, die Kain und Abel auszeichnete.Lagos oder Mexiko-Stadt sind im Vergleich zu dieser Stadt bürgermeisterliche Wellness-Oasen. Wie hat der bei Budapest geborene, in Wien aufgewachsene Kollek sie regieren können?Die beste Antwort, 20 Jahre alt, stammt vom armenischen Erzbischof Ajaian.Kollek »ist ein Mann von levantinischer Weisheit, deren drei Regeln er perfekt beherrscht.Schaff dir keine Konflikte, die du nicht beherrschen kannst.Versuche die Folgen zu messen, bevor du Entscheidungen triffst.Und: Der Mensch ist schwach sein Handeln wird eher durch Interesse als Ideologie bestimmt.« Kollek war ein Meister des levantinischen Kompromisses.Ein anderer Weggefährte drückte es so aus: »Er nimmt den Arabern nicht die Ehre, er vergeht sich nicht gegen ihren Stolz.«So hat er es mit allen gemacht mit den 30 christlichen Sekten und Konfessionen, mit den orthodoxen und weltlichen Juden, mit den Muslimen.Jeder bekam etwas aber nie so viel, wie er wollte, auf dass das Gleichgewicht der Eifersucht im Lot blieb.Er war, so der Abgeordnete Yuval Steinitz, »der beste Bürgermeister, den die Stadt je hatte.Seinen Nachfolgern gelang es nicht, alles Gute zu ruinieren, das er hinterlassen hat.«