Die private Exzellenzinitiative des Schweizers Klaus J.Jacobs, Kaffeemilliardär und Adecco-Chef, in Höhe von 200 Millionen Euro für die International University Bremen (IUB) machte auch in der New York Times Schlagzeilen.Diese Spende ist die größte, die je in Deutschland an eine Universität ging.Spenden in dieser Größenordnung füllen normalerweise nur die Schatullen amerikanischer Universitäten wie Harvard oder Stanford.Jacobs, der auch Ehrenvorsitzender der Jacobs Stiftung ist, hat einen Teil seines Studiums in Stanford absolviert. Er hat dort als Student erlebt, welche Segnungen aus Stiftungen für die Bildung resultieren können.So ist es denn auch der ausgesprochene Wunsch des großherzigen Mäzens, dass sein Beispiel Schule machen möge. Kann man Elite, oder wie es jetzt verschämt heißt: Exzellenz, mit Geld kaufen? 1,9 Milliarden Euro stehen für die Hochschulen im Rahmen der staatlichen Exzellenzinitiative zur Verfügung, verteilt über fünf Jahre.Wow!, hat da mancher gedacht, als diese Summe noch von der rot-grünen Regierung ausgelobt wurde: Das ist viel Geld.Der fanfarenmäßig angekündigte Hochschulpakt wird noch einmal eine Milliarde für die Universitäten lockermachen.Viel?Auf die zukünftig zusätzlich 90000 Studienplätze umgerechnet, sind das etwa 11000 Euro pro Student.Das kann nur heißen, dass alles nicht noch schlechter wird, rasante Fortschritte in der Hochschulbildung sind mit solchen Summen kaum zu erzielen. Die Stanford-Universität will 4,3 Milliarden Dollar Spenden sammeln Die amerikanische Spitzenuniversität Harvard sitzt, daran gemessen, auf einem Berg von Gold: Fast 30 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 23 Milliarden Euro) umfasst ihr gigantisches Stiftungskapital.Das kalifornische Stanford hinkt als Nummer drei, hinter Yale, mit mageren 15 Milliarden Dollar etwas hinterher, es folgen die üblichen Verdächtigen.Allein Princeton sitzt auf einem Vermögen von rund einer Million Dollar pro Student, es folgen MIT, CalTech, Columbia, Chicago, Cornell, Brown.Das jährliche Budget der Stanford University mit 15000 Studenten ist mit etwa 2,5 Milliarden Dollar höher als das aller bayerischen Universitäten, die zudem zusammen zehnmal mehr Studenten ausbilden.Und doch hat Stanford gerade eine Fundraising-Kampagne gestartet, die bis 2011 etwa 4,3 Milliarden Dollar Spenden in die Kassen der Hochschule spülen soll. Diese unfassbar hohe Summe ist bis heute die höchste, die bei derartigen Kampagnen jemals angepeilt wurde.Freilich nur um weniges höher als die 4-Milliarden-Kampagne, die einige Wochen zuvor von der Columbia University angestoßen wurde.Doch auch Yale will 3 Milliarden sammeln, ebenso wie die University of Virginia.New York University (NYU) hat sich 2,5 Milliarden zum Ziel gesetzt, und Johns Hopkins ebenso wie die University of Chicago wollen 2 Milliarden schaffen. 1987 war Stanford die erste Universität, der es gelang, in einer solchen Kampagne eine Milliarde einzusammeln, gegenwärtig sind 25 Hochschulen damit beschäftigt, mindestens ebenso viel einzutreiben. Als letzte der berühmten Universitäten hat sich Cornell in den Milliardenclub eingereiht. 4 Milliarden sind ihr bescheidenes Ziel 1,3 Milliarden davon sind allein für die Medical School vorgesehen, von denen bereits 25 Prozent sicher sind. Wer sich nur den riesigen, gepflegten Campus von Stanford anschaut mit seinem Medizinkomplex, seinem Computer-Science-Gebäude, seinen Laboratorien, seinen Sportstätten und einem gerade neu gebauten Stadion mit 60000 Plätzen, seinem blitzblanken Alumni-Zentrum, seinen Museen, seinem Baumpark und seinen Blumenrabatten, fragt sich nicht so sehr, was diese Uni noch braucht, sondern staunt, was sie alles längst hat.Wozu brauchen reiche Universitäten immer mehr Geld? Seit Jahren steigen die Studiengebühren an den amerikanischen Universitäten in immer neue Höhen, in Stanford sind sie bei 32994 Dollar pro Jahr angekommen (Harvard: 33709 Dollar, aber auch die staatliche Universität Berkeley verlangt von Nichtkaliforniern noch 26387 Dollar).Warum wird das viele schöne Geld nicht zur Senkung der Studiengebühren verwendet? Die Universitätsleitungen werden nicht müde zu erklären, dass die Studiengebühren gerade einmal 60 Prozent der Kosten decken und ein Teil des gesammelten Geldes ohnehin in die finanzielle Unterstützung von Studenten fließt, die wenig oder keine Gebühren zahlen.So sind etwa in Harvard Studenten, deren Eltern weniger als 40000 Dollar im Jahr verdienen, von Gebühren befreit. Die Liste der Projekte, die Stanford mit dem Geld realisieren will, ist beeindruckend. 500 Millionen Dollar sind für eine Gesundheitsinitiative vorgesehen, mit der bedeutende medizinische Entdeckungen schneller in neue Diagnose- und Behandlungsmethoden umgesetzt werden sollen.Ähnliche Summen sind für Initiativen im Bereich Umwelt und Erziehung vom Kindergarten bis zum 12.Schuljahr vorgesehen. » Ein naturwissenschaftliches Labor zu bauen und auszurüsten kostet einen Haufen Geld«, erklärt William G.Bowen, ehemaliger Präsident von Princeton. » Wenn man Stanford heißt und der Naturwissenschaft verpflichtet ist, muss man enorme Ressourcen auftreiben.«Stanford plant in der Tat, einen Teil des Spendengeldes in ein neues Labor für Stammzellenforschung zu stecken. Die Deutschen sind es nicht gewohnt, ihren Universitäten Geld zu schenken Umwelt, Bildung, Forschung das klingt alles ehrenhaft, aber dahinter steckt auch der Wettbewerb.Wenn die anderen berühmten Universitäten sich ein neues Labor leisten, will man nicht zurückbleiben.Denn alle bedeutenden Unis kämpfen miteinander um die besten Studenten, die besten Professoren und die besten Forschungsaufträge.Die Professoren freilich liefen nicht so sehr dem Geld hinterher, sagt Anthony Giddens, der frühere Direktor der London School of Economics, sondern »der Freiheit«, die dieses Geld für ihre Forschungstätigkeit bedeute. Wenn Harvard und Yale immer bessere Business Schools haben, dann kann Stanford nicht tatenlos zusehen.Also wird es einen neuen Business Campus entwickeln, für den Nike-Gründer Philip H.Knight schon 100 Millionen als Startgeschenk versprochen hat.Wettbewerb hat die Topuniversitäten zu Global Leadern auf dem akademischen Markt gemacht, aber er hat auch den Graben vertieft zwischen den Top 50 und den Tausenden anderen Colleges und Universitäten, die keine Milliardeninitiativen starten können, aber die Masse der Studenten ausbilden müssen. In den kommenden Jahrzehnten werden in den USA 100 Billionen Dollar von der Generation der Babyboomer an die nächste Generation vererbt werden.Die Hochschulbildung sahnt jetzt schon einen Teil dieses Geldes ab, durchschnittlich 25 Milliarden Dollar private Spenden jährlich.Davon bekommen die zweijährigen Community Colleges, die etwa die Hälfte der Studenten, vor allem die Masse der Bedürftigen in den ersten zwei Studienjahren ausbilden, gerade einmal zwei Prozent. Peanuts in den Augen der professionellen Fundraiser. Auch wenn es langsam ein paar Community Colleges gibt, die im Fundraising die einzige Möglichkeit erkennen, ihre Lehre zu verbessern und ihre Studenten finanziell großzügiger zu unterstützen, so sind sie doch allgemein auf dem Stande Europas: Sie haben jahrelang versäumt, ihre Alumni anzuzapfen, die Firmen in ihrer Nachbarschaft auf sich aufmerksam zu machen und das Fundraising zu professionalisieren. Deutschland, das heute schon im internationalen Vergleich relativ wenig in die Bildung investiert, wird auch in Zukunft Hochschulpakt hin oder her eher knausern.Die Deutschen mögen es nicht gewohnt sein, ihren Universitäten Geld zu schenken, sie werden sich vielleicht daran gewöhnen müssen. » Wir sind nicht gewohnt zu spenden, allerdings haben wir uns auch nie angewöhnt zu bitten«, fasst Alison Richard, Vice Chancellor von Cambridge, die europäische Zögerlichkeit zusammen. Die Topuniversitäten Englands haben längst kapiert, dass nur mit privat eingetriebenen Geldern Hochschulen wettbewerbsfähig bleiben können.Allen voran Cambridge, das zum 900-jährigen Bestehen der Universität eine Kampagne über eine Milliarde Pfund (knapp eineinhalb Milliarden Euro) angestoßen hat. Die umgerechnet jährlich knapp 400 Millionen Euro der deutschen Exzellenzinitiative sind ein nettes Zubrot.Verglichen mit den 25 Milliarden, die jedes Jahr ganz privat in die amerikanischen Hochschulen fließen, sehen sie indes ziemlich mickerig aus.Dabei gibt es auch in Deutschland viel Geld zu vererben.Die Fachhochschule um die Ecke wäre über die eine Million sehr glücklich, die etwa im US-Bundesstaat Maryland die Annapolis Friends des St.Johns College in Annapolis einsammeln wollen, um mehr Stipendien für Studenten aus Maryland zu ermöglichen.Das ist genau die Summe, die die Exzellenzinitiative pro Jahr für ausgewählte Graduiertenkollegs bereithält.Auch die Fachhochschule oder die kleine Universität in der Provinz sollte freundlich gesinnte Alumni finden können, die sich zum Spenden aufraffen.Man müsste sie nur richtig motivieren. » Eine Investition in die Zukunft der jungen Menschen« nennt es Klaus J. Jacobs.Schon 50 Euro von jedem Ehemaligen würden für die deutschen Universitäten einen gewaltigen Unterschied machen.