Ludwigshafen/Mainz/Saarbrücken Wenn sich im Bundesland Rheinland-Pfalz demnächst wieder mehr Junkies ihre Spritze in Parks und Hauseingängen setzen, dann könnte eine Hilfseinrichtung für Süchtige nebenan im Saarland daran schuld sein. Über Jahre stand im Saarbrücker Drogenhilfezentrum (DHZ) das Gittertor für alle Süchtigen offen nun darf Sozialarbeiter Dietmar Spor nur noch die Inhaber spezieller Hausausweise vorlassen, die allein heroinabhängigen Bewohnern seines Bundeslandes vorbehalten sind. Saarländische Spritzen nur für saarländische Junkies mit diesem Prinzip wollen Stadt und Land den Drogentourismus aus Rheinland-Pfalz und Lothringen eindämmen, der mitsamt Straßenstrich und Dealern rund um das DHZ Einzug hielt. » Das war zunächst nicht einfach zu vermitteln«, berichtet Spor, der mit der Umstellung auch langjährige Klienten vor die Tür setzen musste. Im Mainzer Gesundheitsministerium ist man »mehr als irritiert« über die Regelung. » Da könnte man auch umgekehrt argumentieren: Wie viele Saarländer nutzen öffentliche Einrichtungen in Rheinland-Pfalz?«, empört sich eine Sprecherin.Das Land brauche sich in Sachen Drogentherapie nicht zu verstecken.Nur eine Betriebserlaubnis für »Drogenkonsumräume« hat die Mainzer Regierung bislang nicht erlassen angeblich gibt es dafür keinen Bedarf. » Probleme mit der offenen Drogenszene«, behauptet das Gesundheitsministerium, »gibt es in Rheinland-Pfalz nicht.« Leider sieht die Wirklichkeit selbst in der Landeshauptstadt Mainz anders aus, als das Ministerium sie beschreibt.Peter Weiler, Fachbereichsleiter der Stadt für Suchtberatung, wünscht sich für seine Klientel dringend eigene Konsumräume. » Zuerst waren Fixerstuben politisch nicht gewollt«, klagt er, »und jetzt, da der Bund keine Mittel mehr zuschießt, könnte die Stadt Mainz den Betrieb nicht mehr finanzieren.«In Ludwigshafen bestätigt Sozialdezernent Wolfgang van Vliet ebenfalls die Existenz einer offenen Szene »und die ist größer als etwa die in Mainz«. Im Saarbrücker Rathaus ist man verärgert darüber, wie im benachbarten Rheinland-Pfalz das Problem verdrängt wird. » Klar haben die keine Drogenszene«, sagt Bürgermeister Kajo Breuer. » Die waren ja alle bei uns.«Rheinland-Pfalz will sich nicht finanziell am DHZ beteiligen, das Stadt und Land im Jahr rund eine Million Euro kostet.Offenbar wollten die Mainzer die hässlichste Seite ihres Drogenproblems elegant beim Nachbarn entsorgen. Etwa 270 Junkies nutzten zuletzt täglich die Saarbrücker Konsumräume - jeder Dritte von ihnen stammte aus Rheinland-Pfalz oder Frankreich. » An Spitzentagen verteilten wir bis zu 1500 saubere Spritzen«, berichtet DHZ-Geschäftsführer Armin Spaniol.Das größte Problem war die Überlastung des Drogenkonsumraums mit seinen 15 Plätzen. » Zwar ziehen die Junkies eine Nummer, um eine gewisse Reihenfolge einzuhalten«, sagt Spaniol, »aber ein Süchtiger kann nicht warten.« Deshalb gab es im Warteraum und im angrenzenden Hof immer wieder Krawall. Die Anwohner des DHZ hatten hingegen vor allem unter dem Drogenstrich zu leiden.Der Sperrbezirk endet an einer Brücke, und das, was juristisch »Anbahnung« und »Verrichtung« heißt, passiert im Wohngebiet dahinter. » Das geht bis in die Gärten hinein«, sagt Peter Riede, Sprecher einer Gruppe von Anwohnern und Ladenbesitzern, die entweder ums Geschäft oder um ihre Familien fürchten.Riede berichtet von »kranken Gestalten, die ums Quadrat rumfahren«.Sein Sohn sei oftmals nach Drogen gefragt worden, neben der Tochter eines Mitstreiters fuhren die Freier im Schritttempo her. » Irgendwann«, so Riede, »muss man mal sagen: Jetzt reichts!« Mit der neuen »Landeskinderregelung« ist die Initiative daher sehr zufrieden.Auch im DHZ sieht man Verbesserungen. » Jetzt können wir wieder unseren eigentlichen Aufgaben nachgehen«, resümiert Spaniol. Die Klienten stünden nun weniger unter Druck und suchten wieder häufiger das Gespräch mit den Sozialarbeitern. Bundesweit ist die Zugangsbeschränkung in Fixerstuben eher die Regel. Nur in den Großstädten Berlin, Hamburg und Frankfurt fragt niemand nach der Herkunft der Konsumenten.Gut möglich, dass das Mainzer Gesundheitsministerium nun insgeheim auf Frankfurt setzt.