Nun hat das Europäische Haus wieder ein paar Zimmer mehr, und natürlich macht das die Architekten Europas sehr glücklich.Sie lieben den Aufbau, das Nation-Building, den visionären Entwurf und überhaupt alles, was nach Architektur klingt.Im Reich der Bau-Metaphern sind die EU-Politiker unbestritten die größten Künstler in der Wirklichkeit des Bauens aber nur wüste Abrissunternehmer. Wo immer die EU ein Parlament, ein Hochhaus oder sonst welche Rats- und Kommissionsgehäuse errichtet, wird schwerstes Gerät aufgefahren: Es beginnt das Aushöhlen, Zertrümmern, Niedermähen.In Brüssel zum Beispiel: Einst war das Quartier Léopold ein gediegenes Gründerzeitviertel.Dann brach vor gut 40 Jahren Europa über die Stadt herein 25000 Angestellte und Beamte, 1600000 Quadratmeter Büros, eine Architektur, die alles Geschichtliche unter sich begräbt. Und nun Frankfurt: Dort will die Europäische Zentralbank sich selbst ein Zeichen setzen, funkelnd und gnadenlos.Als müsste dringend noch mal bewiesen werden, wie anonym und paragrafenkalt die EU sein kann. Als sei die Abrissbirne das wahre Symbol Europas.Der neue Glasturm soll direkt neben Frankfurts eindrucksvoller Großmarkthalle gen Himmel wachsen, einem der wichtigen Baudenkmale der zwanziger Jahre in Deutschland.Erst sah es so aus, als würde die Bank den leer stehenden Ziegelbau verschonen, in etlichen Entwürfen hatten die Architekten des Wiener Büros Coop Himmelblau gezeigt, dass sich Alt und Neu gut vereinbaren lassen.Doch ganz ohne Zertrümmerung scheint die Euro-Bank nicht glücklich zu sein: Nun will sie einige Anbauten abreißen lassen und mitten durch das elegante Schalendach der Halle einen wuchtigen Querriegel brechen.Frankfurts Planungsdezernent Edwin Schwarz nennt es einen »Durchdringungsbau« angemessener wäre »Unterwerfungsgeste«. Der Protest ist gewaltig, in Frankfurt und übrigens auch in Brüssel. Die Bürger wehren sich gegen die zeichenlosen Zeichen, gegen eine Gleichmacherei, die alle historischen Unterschiede auslöscht.Sie wollen keine EU, die nur aus Chiffren besteht, aus aseptischen Symbolen, die sie schon von den Euro-Scheinen kennen.Auch dort gibt es Architektur, Brücken, Tore, Bögen, doch dürfen sie an nichts erinnern, nicht an deutsche Brücken, englische Tore, italienische Bögen.Sie sind gereinigt von allen Spuren der Nationalgeschichte, aseptische Idealbilder.Als Leitwährung mag das angehen, so ist Geld nun mal, auswechselbar.Dass aber Architektur unbedingt aussehen muss wie Geld, steht nirgends geschrieben.Noch nicht mal in irgendeinem EU-Gesetz.