Dass ausgerechnet der Kunstmarkt sich zu einer der letzten Bastionen gegen die Globalisierung des Welthandels entwickelt, mag erstaunen lässt sich aber belegen.Schon seit Jahren finden die großen Juwelenauktionen von Sothebys und Christies in der Schweiz statt. Art déco wird in Paris, Design in Mailand angeboten.Eine Versteigerung, wie sie in drei Wochen das Auktionshaus Swann in New York veranstaltet, würde in Deutschland auf wenig Interesse stoßen: Zum Aufruf kommen Verträge, Dokumente und Drehbücher aus den Archiven des Filmkonzerns 20th Century Fox darunter Briefe von Elvis Presley, Humphrey Bogart, Errol Flynn, Bette Davies, Marlon Brando und John Steinbeck sowie jenes Dokument, in dem festgelegt wurde, dass Norma Jean Baker künftig Marilyn Monroe zu heißen habe.In Berlin, Köln oder München gäbe es für diese Zeugnisse der amerikanischen Kultur keinen Markt.Hier trifft dafür ein Verfahren auf Staunen, das sich seit einigen Monaten in den Katalogen amerikanischer Häuser eingebürgert hat: Wird dort ein freizügiges Werk, etwa aus der Fotoserie Made in Heaven von Jeff Koons und Cicciolina angeboten, so ist der entsprechenden Katalogseite ein fast leeres Blatt vorangestellt.Auf ihm wird davor gewarnt, dass beim Umblättern Gefühle verletzt werden könnten.Kein Hollywood in Europa, keine nackte Haut in den USA bis zur globalen Kunst bleibt noch ein weiter Weg.