Der plötzliche Tod von Innenministerin Liese Prokop traf die Medienbranche unvorbereitet: Sekunden vor Neujahr.Wenn überall die Korken knallen, warten nur wenige Journalisten arbeitsbereit darauf, dass Unvorhergesehenes passiert.Anders die freiwilligen Autoren der Internetenzyklopädie Wikipedia: Um Punkt Mitternacht, kaum hatte der ORF ein knappes News-Insert eingeblendet, war die traurige Meldung auf Wikipedia zu lesen.Ein User, der sie für einen üblen Scherz hielt, löschte sie um 0.01 Uhr wieder.Gleich darauf war sie wieder da. Neunzehn Wikipedia-User verbrachten die Zeit zwischen Mitternacht und ein Uhr morgens damit, an Prokops Biografie zu arbeiten.Bei der Austria Presse Agentur waren es nur zwei: Als die Agentur um 1.23 Uhr einen Prokop-Nachruf aussandte, war der Wikipedia-Artikel längst vollständig mit einer Würdigung der Verstorbenen aktualisiert.Die »Volksenzyklopädie« (Newsweek) ist unversehens zu einem der schnellsten Medien des Landes geworden.