Jaja, die lieben Weihnachtsviecherl! Auch wenns so schön wäre: Von Luther stammt der Esel in der Weihnachtsgeschichte auch nicht. Ihn hat Frau Ava eingeführt, gemeinsam mit dem Ochsen. Die Dame Ava lebte Anfang des 12. Jahrhunderts als Klausnerin im Kloster Göttweig bei Melk. Sie ist die erste wirklich deutsch schreibende Autorin, hat biblische Geschichten nachgedichtet und mit dem Viehzeug der Geburtssage von Jesus etwas Warmes und Herzliches beigegeben. Der Esel ist also literarisches Fantasieprodukt und erst später zum Kitsch verkommen.

Das netteste Viecherl beim Christkind aber ist der Floh von Heinrich Waggerl (aber das ist eine andere Geschichte).

Ernst Matthaei, Ilsede

Der Esel im Stall von Bethlehem wird zwar nicht in der Weihnachtsgeschichte von Lukas erwähnt. Doch ist seine Existenz durchaus von Quellen belegt. Im apokryphen Pseudo-Matthäusevangelium heißt es: »Am dritten Tag nach der Geburt unseres Herrn Jesus Christus trat die seligste Maria aus der Höhle, ging in einen Stall hinein und legte ihren Knaben in eine Krippe, und Ochs und Esel beteten ihn an.«

Dieses Evangelium, das Kindheitslegenden enthält, ist zwar nicht von der Kirche ins Neue Testament aufgenommen worden. Dennoch soll das Kirchenvolk lange an ihm festgehalten haben.

Johann Rainer Vogt Schalksmühle

Als ZEIT-Leser seit rund vierzig Jahren stutzte ich bei der Lektüre beider Artikel: Das Wort »Apokryphen« tauchte nirgends auf. Oder sollte ich es überlesen haben? Ochs und Esel und all die schönen Geschichten, die die Maler darstellen und wir zu Weihnachten und danach hören, stammen eben aus diesen Schriften.