Im Bekanntenkreis haben heuer zwei Skigruppen das Neujahrsskifahren ausfallen lassen, weil die Wettervorhersage vieles vorhersagte, nur keinen Schnee.Eine dritte Gruppe hat in letzter Verzweiflung ein Online-Buchungsgesuch an das Fremdenverkehrsbüro Obertauern geschickt. Dort soll es noch Schnee geben, Reste von echtem vermengt mit künstlichem.Niemand möchte in ein Skigebiet ohne Schnee, nicht nur, weil es sich so schlecht fahren lässt, sondern auch, weil ein schneeloser Hang im Januar samt verharrendem Sessellift ästhetisch noch deprimierender ist als eine Fünfziger-Jahre-Häuserzeile in Köln-Klettenberg. Bislang war das Leben des Großstädters vom Klimawandel relativ unberührt.Die letzten heißen Sommer schätzte er gar ein wenig.Einmal im Jahr fuhr er in die Natur, oft zu Neujahr, oft zum Skifahren.Von der Natur verlangte er dann, dass sie sich aus Anlass des Jahresbesuches in ihr allerschönstes Kleid hüllte, aus frischem Schnee, weiß wie das Kleid einer Braut.Wie Bergwiesen im Frühling aussahen, schlecht nämlich, war dem Skigroßstädter egal.Dass ganze Berge ins Rutschen kamen?Ja mei.Das taten sie zum Glück nur selten an Neujahr, eher schon im Sommer und Herbst, wenn Regen fällt. In diesem Jahr gerät das Klimasystem des Großstädters zum ersten Mal ins Wanken.Ihm wird vieles fehlen: die gute Luft, der weite Blick und die für das restliche Jahr wichtige Erfahrung, es zu zwölft in einer Hütte auszuhalten.Weil eine Gruppe im Bekanntenkreis nicht in die Berge fährt, sondern zu Hause bleibt, können sie ihre Berliner Wohnungen zu Hause nicht, wie längst versprochen, befreundeten Provinzlern überlassen.Das Klimachaos, ein teuflischer Kreis!