Wo, bitte, ist die Sanftmut?

»Die katholische Kirche lässt hoffen. Als Anwalt der Schwachen und als Agentur der Globalisierung kann sie einer unter Stress geratenen Menschheit helfen.« In diese beiden Sätze mündet der Beitrag von Bernd Ulrich. Ich bin mir nicht so sicher, ob eine wenn auch große und bestens organisierte Weltreligion solche Erwartungen erfüllen kann.

Alle Religionen schwanken zwischen Authentizität und Aufklärung.

Authentizität bedeutet Fundamentalismus und hat mit Ausgleich, Diplomatie und Fortschritt nur wenig gemein. Solche Gemeinschaften erhalten heute weltweit Zulauf. Gibt sich eine Religion hingegen liberal und »aufgeklärt«, wirft sie ihre Glaubensfundamente über Bord und verliert Anhänger, Ressourcen und Einfluss.

Andreas Dietz, Meissen

Großen Respekt für diesen ausgezeichnet durchdachten und hervorragend formulierten Artikel. Bitte viele Leser: katholische und nichtkatholische! Nur eines: Nicht zu viel Angst vor dem Pathetischen!

Erstens: Wenn wir nicht pathetisch sind, andere sind es bestimmt.

Zweitens: Das wahre Pathos kommt immer aus dem Ernst der Sache.

Die coolness der ein- bis maximal zweisilbigen Amerikanismen ist auch nur eine, vielleicht besonders journalistische Mode, eine Pseudoglobalität, die viele Menschen, die es ernst meinen, oft bis auf Blut reizen muss.

Prof. Hartmut Köhler, Trier

Wohl predigen die Religionen und ihre Sekten Liebe und Frieden insbesondere das Christentum , doch fordern sie unmenschliche Strafen, wenn ihre dogmatischen Lehrsätze und Richtlinien nicht befolgt oder auch nur hinterfragt werden. Hinter dem Mantel der religiös-sektiererischen Liebe verbirgt sich meist nur Phrasenhaftes, Fabulöses und Aufforderung zu Strafe, Mord und Totschlag, oft mit durch Kultrituale geweihten Waffen, mit denen gestritten, gemordet und Krieg geführt wird. Für wie dumm muss sich der Mensch noch verkaufen lassen, um den Irrsinn der Religionen zu erkennen. Genügt nicht schon allein das Stichwort »Inquisition«, um ihm die Augen zu öffnen?

Der Mensch muss lernen, seine Vernunft und seinen Verstand einzusetzen, und erkennen, wie zerstörerisch alle Kultreligionen und Sekten auf die Menschheit wirken, und sie an einem friedlichen Miteinander hindern. Die Wahrheit findet der Mensch einzig und allein in der universalen Einheit der Natur, mit der er als ein Teilstück untrennbar verbunden ist.

Achim Wolf, Mannheim

Ich kann die euphorische Grundhaltung des Artikels nicht teilen.

Ich sehe keine Sanftmut, wenn die katholische Kirche ihren besten Denkern wie Eugen Drewermann oder Uta Ranke-Heinemann die Lehrbefugnis entzogen hat. Wo zeigt sich Benedikt auf einmal milder, wenn er bei seiner Regensburger Rede die evangelische Kirche für Weltrelativismus und Beliebigkeitsdenken verantwortlich machen möchte?

Homosexualität gilt ferner in der katholischen Kirche immer noch als »schlimme Abirrung«, während einige evangelische Landeskirchen bereits eine Segnung für homosexuelle Paare zulassen.

Maria wird unbefleckt übertrieben verehrt, profane Frauen dagegen bleiben Menschen zweiter Klasse und sind von der Ordination ausgeschlossen.

Sebastian Balcerowski, Fürth

Sie haben interessant herausgearbeitet, was auch zum Teil meine Zwiespältigkeit gegenüber »meiner« Kirche ausmacht. Ein entscheidender Aspekt fehlt jedoch in Ihrer Ausführung: die Tatsache, dass Männern und Frauen in der katholischen Kirche nicht die gleichen Rollen zugestanden werden. Dies steht in solch offensichtlichem Widerspruch nicht nur zur Praxis in den meisten anderen Lebensbereichen, sondern vor allem auch zum Selbstverständnis der meisten Frauen, dass es sicher nicht nur für mich eine enorme Hürde für eine Identifikation mit der katholischen Kirche ist.

Dorothee Mack, Viersen

Weihnachts-»zeit« mit Weihrauch, Esel, Papst und Protestantismus ein Lesefest

 
  • Quelle DIE ZEIT Nr.02 vom 04.01.2007, S.16
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