Robotik Der Golem aus dem RechnerSeite 4/4

Das Gerät, das er und seine Kollegen gebaut haben, ist nicht nur in der Lage, Plastikteile zu fertigen, wie das auch im industriellen Rapid Prototyping geschieht. Es kann mit Hilfe eines metallionenhaltigen Kunstharzes Schichten drucken, die als elektronische Komponenten dienen. Setzt man die unter Spannung, verbiegen sie sich und mit ihnen auch das umgebende Plastik, es entsteht ein Bauteil, das in der Robotik als Aktuator bezeichnet wird. »Wir haben nicht nur den ersten Aktuator gedruckt, sondern kürzlich auch einen Transistor«, sagt Lipson. Sogar eine flache Batterie lässt sich mit dem 3D-Drucker inzwischen fertigen. »Damit haben wir schon wichtige Komponenten beisammen.« Er prophezeit, in einem Jahr könne er vollständige funktionsfähige Geräte ausdrucken.

Auch Stefano Nolfi glaubt, dass erste reproduktionsfähige Hardware schon in naher Zukunft Wirklichkeit werden könnte. »Bis zu selbstreplizierenden Maschinen, die in einem Evolutionsprozess auch noch verschiedene Gestalten und Verhaltensweisen entwickeln, ist es allerdings noch ein weiter Weg«, schränkt er ein.

Dass dies überhaupt in den Bereich des Möglichen gerückt ist, weckt allerdings Assoziationen mit Maschinenwesen, die in Filmen wie Terminator oder Matrix dem Menschen das Leben schwer machen. Es ist erst sechs Jahre her, dass der amerikanische Informatiker Bill Joy in einem aufsehenerregenden Essay im Magazin Wired vor Gefahren warnte, die aus einer Verschmelzung von Robotik, Künstlicher Intelligenz und Nanotechnik folgen könnten. Damals wurde seine Warnung von der wissenschaftlichen Gemeinde als übertriebener Pessimismus abgetan. Im Lichte der rasanten technischen, aber auch konzeptionellen Fortschritte in der Evolutionären Robotik kann man aber nur hoffen, dass die beteiligten Forscher seine Überlegungen ernst nehmen.

Hod Lipson sieht als potenzielle Anwendungen für evolvierbare, selbstreplizierende Roboter vor allem Raumfahrtmissionen. »Anstatt ein unveränderbares Gerät auf den Mars zu schicken, das möglicherweise kaputtgeht, könnte man einen modularen Roboter mit weiteren Bauteilen hinschicken, der sich selbst reparieren kann. Der könnte auch andere Roboter bauen, wenn unvorhergesehene Umstände dies erfordern«, sagt Lipson. Seine Molecubes wurden von der Nasa gefördert. Und wo die Nasa mitmischt, dürfte das Pentagon nicht weit sein.

Mehr zum Thema

Das "Blockpusher"-Konzept - Doktorarbeit von Josh Bongard

Dokumentation des "Golem Project" - an der Brandeis University

PACE - Website des EU-Projektes (Programmable Artificial Cell Evolution)

Bilder und Filme - zum selbstreplizierenden Roboter von Hod Lipson

Forscherseiten:

Hod Lipson (Cornell University)

Rolf Pfeifer (Universität Zürich)

Josh Bongard (University of Vermont)

Stefano Nolfi (Institut of Cognitive Sciences and Technologies, Rom)

 
Leser-Kommentare
  1. Seit mehr als drei Milliarden Jahren tut sie das bereits.

    Der Gebrauch des Begriffs 'Evolution' soll wohl die Bedeutung dieser gewiss interessanten Forschungsarbeiten zusätzlich aufwerten. Was aber völliger Unsinn ist. Die Art und Weise, wie in diesem Artikel von Evolution die Rede ist, erweckt in der Tat den Eindruck, als seien die wesentlichen Prinzipien der Evolution nicht verstanden worden.

  2. 2. hm

    man nennt es Einschleifen, etwas schleift sich ein ... bahnt sich ein ... auch in der Technik ... oder justiert sich selbst ... tariert sich aus, passt sich an, passt sich ein ...

    Technik zwischen Autopoiesis und Evolution, seit Technik -

    den Entwurf aber würde ich nicht als Leistung an sich sehen wollen - Skepsis gegenüber dem Entwurf ... der Begriff ist nicht fein genug, schon zu groß ... zu grob ... auch der Zufall fällt immer noch ... es fällt zu ... das ist noch wie der Glücksbegriff, gutes altes griechisches Denken ...

    ... mir ist das zu grob ... was die Mathematik angeht, mir fehlt was ... vielleicht wirds die Mathematik nie können (den Zufall kann sie) ...

    ich werd den Weg ja nicht hier hin schreiben ...

    ein Entwurf codiert ... das Codieren liegt schon vor dem Entwurf, der Entwurf wird codieren, beides sind bereits Punkte ...

    wenn man Rechnen mit Leben verwechselt und umgekehrt könnte es sein - Rechnen ist mir ein Infinitiv, der mir nicht lebendig scheint, wie das sonst Infinitive so sind ...

    ne, das Entwerfen ist es nicht ... scheint mir nicht so zu sein ...

    wenn nun ...

    (mir waren Sinne schon immer zu mechanisch als dass ich die dem Leben exklusiv zugeschlagen hätte - ne, Sinne sind Leben nicht )

    mit nem Gruß an Friedrich Kittler

    • vight
    • 13.01.2007 um 21:08 Uhr
    3.

    yo! man wuenscht sich bloss, nicht nur der weg waere hier nicht hin geschrieben worden.

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