Musik Kurt Cobains Fahrt zum HimmelSeite 2/2

Dass man den Saal kaum klüger verlässt, als man ihn betreten hat, wäre zu verkraften, einem Junkie bei der Zubereitung einer Schale Rice Krispies zuzusehen hat auch seine Reize. Schlimmer ist, wie durch und durch unmorbid das Armani-Model Michael Pitt in der Rolle des Blake wirkt. Als Zuschauer muss man mit dem Widerspruch fertig werden, dass hier ein erkennbar kerngesunder Mann einen Hinfälligen gibt. Man möchte ihm aufhelfen, wenn er wieder einmal an der nackten Wand heruntergesunken ist, man wünscht sich, ihm den Hörer halten zu dürfen, wenn selbst der Versuch, ein Telefongespräch zu führen, scheitert. Immerhin ist an Pitts Darstellung zu lernen, wie tief der heroin chic die Wahrnehmung geprägt hat. Um Cobain zu spielen, genügt die entsprechende Frisur.

Am schwächsten ist Last Days ausgerechnet dort, wo er sich dem eigentlichen Zentrum des Cobainschen Schaffens nähert, der Musik. Der Verzicht auf Originalsongs mag, neben konzeptionellen Gründen, der schwierigen Rechtslage in Sachen Nirvana-Nachlass geschuldet sein, war jedoch mit der Folge verbunden, dass Pitt sich nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Songschreiber versucht hat. In der einzigen echten Musikszene darf er das Ergebnis vortragen. Halten wir ihm zugute, dass er aus seinen drei Akkorden das Beste macht, sich mit den großen Hits der Band messen zu wollen wäre ohnehin ein aussichtsloses Unterfangen. Ein mattes Weltschmerzlied wie dieses indes hätte Cobain, der in Wahrheit ein harter Arbeiter im Steinbruch des Rock war, nicht einmal im Delirium geschrieben.

Zum Finale seines Versuchs über den Selbstmord scheint auch Van Sant nichts Besseres eingefallen zu sein, als seinen Helden kurzerhand gen Himmel zu schicken. Während die Nachrichtensprecher ihren Job verrichten und den Tod eines Idols vermelden, entsteigt er auf einer Leiter.

Die Doppelbelichtung, mittels derer der Film-Cobain seine irdische Hülle hinter sich lässt, illustriert noch einmal, dass im Kampf gegen die Zumutungen des Zeitgenössischen die Solidarität dem Artisten gehört. Leider vereindeutigt sie das Ende der ansonsten ansprechend komplexen Bilderfolge auch zum Mysterienspiel. Fans und Verehrer des echten Cobain dürfen sich bestätigt fühlen: Er war ein Genie und als solches zu gut für die Welt. Was den Mann zu Lebzeiten angetrieben hat, müssen sie in den Biografien nachlesen.

Mehr über die Filme Gus Van Sants lesen Sie hier

Was läuft? Aktuelle Film-Rezensionen auf ZEIT online »

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service