Denkmalschutz Ohne Wurzeln keine FlügelSeite 2/2

ZEIT: Viele Menschen reißen das Alte lieber ab.

Uhl: Die haben für ein Denkmal vielleicht nicht das richtige Bewusstsein, ich will ihnen das nicht zum Vorwurf machen. Aber ich bin ein leidenschaftlicher Verfechter des Denkmalschutzes. Das sind ja Schätze, jedes Denkmal erzählt eine Geschichte, es verkörpert etwas von unserer Vergangenheit. Diese Vergangenheit abzureißen, finde ich verantwortungslos. Das ist eine Art Mord an geistigem Reichtum. Wir schmeißen auch kein altes Gemälde weg oder einen alten Wein, warum also ein altes Gemäuer?

ZEIT: Sind Sie eine Nostalgikerin?

Uhl: Überhaupt nicht, ich liebe moderne, neue Architektur. Ich finde, das Alte kommt erst im Kontrast mit dem Neuen richtig zur Geltung.

ZEIT: Heißt das, Sie sind gegen den Wiederaufbau verlorener Denkmale?

Uhl: Ich bin nicht dagegen, aber finde es wichtiger, das Authentische zu retten. Es geht ja bei einem Denkmal um Orte, die etwas verkörpern, es geht auch um so etwas wie Seele. Und die kann man nicht einfach nachbauen. Kennen Sie diesen Spruch? Ohne Wurzeln keine Flügel. Nur wenn man weiß, woher man kommt, weiß man auch, wer man ist. Das Wort Denkmal sagt ja schon alles: Denk mal nach, woher du kommst. Denk mal daran, was du liebst, was dich ausmacht. Deshalb macht es mich auch so wütend, dass viele alte Bauten abgerissen werden.

ZEIT: Woran mag das liegen?

Uhl: Viele Leute sehen in einem Denkmal nur ein Renditeobjekt. Für mich ist so ein Haus etwas, das eine Sehnsucht weckt. Diese Sehnsucht spüren in meiner Generation, glaube ich, ziemlich viele. Das macht mir auch Mut, dass es gerade unter den Jüngeren einige gibt, die sagen: Ich wünsche mir einen Ort, an den ich gehöre. So etwas kann man natürlich nicht verordnen. Bei mir war das schon als Kind so, dass ich ein Faible hatte für alte Dinge. Wenn man dann noch einen Partner findet, der denselben Spleen hat, dann kann das natürlich ausufern. Im Moment sind wir fast jeden Tag auf der Baustelle, unser Kind muss auch immer mit. Wenn das so weitergeht und es immer so viel altes Zeug ansehen muss, wird aus ihm sicher mal ein großer Neubaufreund.

Die Fragen stellte Hanno Rauterberg

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