Entwicklungshilfe Wofür das Ganze?
Eine Billion Dollar hat der Norden dem Süden gegeben, um die Armut zu bekämpfen. Doch viele Arme sind arm geblieben. Von der Hilfe profitiert haben Diktatoren, Kleptokraten – und die Helfer selbst.
Alles so wie im vergangenen Jahr? Wird es im Juli 2007, beim G8-Gipfel der Weltwirtschaftsmächte in Heiligendamm, so sein wie immer – viele schöne Worte und wenig konkrete Beschlüsse? Nein, diesmal wird es anders, verkündet der irische Rockbarde Bob Geldof in einem Werbespot. Der Vorkämpfer für eine bessere Welt hofft wie alle, die den Kampf gegen Armut und Hunger unterstützen, auf Angela Merkel und die Bundesregierung. Denn Deutschland könnte in seiner Doppelrolle als Gastgeber des Gipfels und Präsident des EU-Rates zugleich die Afrika-Initiative der G8-Staaten und die Entwicklungsagenda der Europäischen Union vorantreiben.
Die enormen Erwartungen werden allerdings begleitet von einer heftigen Kontroverse über die Rolle der Entwicklungszusammenarbeit im 21. Jahrhundert. Während der Starökonom Jeffrey Sachs die Hilfe für den Süden massiv erhöhen will, empfiehlt der frühere Weltbank-Mann und heutige Dozent an der New York University William Easterly, sie radikal zu kürzen und insgesamt zu überdenken. Der kenianische Wirtschaftswissenschaftler James Shikwati schlägt gar vor, die Hilfe ersatzlos zu streichen – er nennt sie eine »Fehlentwicklungshilfe«, die vornehmlich korrupten Eliten diene.
Die Fragen der Kritiker sind grundsätzlicher Natur: Was haben sie gebracht, die nach einigen Schätzungen rund eine Billion Dollar, die der entwickelte dem unterentwickelten Teil der Welt seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts überwiesen hat? Wieso wurden – vor allem in Afrika – viele Arme trotzdem ärmer?
Strümpfe stricken und Gitarre zupfen für die Negerkinder
Wir brauchen mehr und bessere Hilfe, antworten Entwicklungsagenturen, Kirchen und humanitäre Organisationen auf solche Fragen. Sie fordern, dass die reichen Staaten endlich ihr jahrzehntealtes Versprechen einlösen, 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts für die Wohlfahrt des Südens abzuzweigen.
Klingt einsichtig. Aber auch die Entwicklungsprofis können nicht bestreiten, dass in ihrer Arbeit ziemlich viel schiefgelaufen ist. Immer mal wieder prangerten sie ihre eigene Arbeit an, etwa die SPD-Politikerin Brigitte Erler, die aus Bangladesch zurückkehrte, ihren Job im Entwicklungshilfeministerium hinschmiss und schon 1985 ihr J’accuse in dem Buch Tödliche Hilfe hinausschrie.
Seither flossen allerdings weiterhin Milliarden in den Süden, oft planlos, einfach um irgendwie zu helfen. Strümpfe stricken für die Negerkinder, so steht es schon in den Buddenbrooks. Die postmoderne Variante bei den »Live Aid«-Popkonzerten von Bob Geldof heißt: Gitarre zupfen für die Afrikaner. Die Resultate bleiben seit Jahrzehnten die gleichen: enttäuschte Hoffnungen, serienweise Fehlschläge, jede Menge »weißer Elefanten« – Projektruinen, die nutzlos in der Landschaft herumstehen.
Doch nun läuft der Millenniumsplan der Vereinten Nationen, und alles soll ganz anders werden. Diese Jahrtausendoffensive unter dem Kommando des Ökonomen Jeffrey Sachs will die Hilfe verdoppeln, um bis zum Jahr 2015 die »extreme« Armut auf der Welt zu halbieren, also die Zahl derer, die von weniger als einem Dollar am Tag leben müssen. Ein ehrgeiziges, ein ehrenwertes Programm mit vielen guten Ideen. Aber es ist beseelt von der verstaubten Geber-Orthodoxie: hier der edle Samariter, dort der ewige Bettler, der von außen gerettet wird, indem man ihn mit Wohlstandsgütern überschüttet. Eine Strategie, die seit einem halben Jahrhundert versagt hat.
- Datum 15.01.2007 - 13:49 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.01.2007 Nr. 03
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Den Menschen, die die beabsichtigten Empfaenger der sogenannten 'Entwicklungshilfe', die nur Mittel zur Verfuegung stellt, aber nicht wirklich etwas tut, sind, rauben wir eigentlich nur die Perspektive. Waehrend die Haelfte des Geldes auch noch versickert, ist die andere Haelfte alles andere als ein Ansporn fuer die aermsten dieser Welt. Wenn wir eines gelernt haben sollten, dann, dass Bildung der eigentliche Schluessel zum Wohlstand ist. Natuerlich muessen auch die Rahmenbedingungen veraendert werden. Die EU muss aufhoeren durch Subventionen den Agrarmarkt in Afrika kaputt zu machen. Selbst die Altkleiderlieferungen fuehren nur dazu, dass der Markt fuer Textilien in Afrika stark geschwaecht wird. Die Grenzen muessen offener werden, da die Einmauerung Europas nur den Zorn in anderen Staaten schuert. Der Neid ist nur vorhanden, wenn man wirklich nicht hier hin kann. Die meisten Menschen, die vor die Wahl gestellt werden, ob sie ihre Heimat dann tatsaechlich verlassen sollen, wenn sie es koennen, bleiben doch bei ihren Lieben. Unsere Gesellschaft kann ein vielfaches an kurzzeitigen Zuwanderern verkraften, die hier arbeiten und lernen. Besonders sollten Menschen gehohlt werden, die hier know-how in Ausbildung und Studium sammeln, Handwerker, Ingineure, Landwirte, Lehrer, die dann das Wissen in ihr Land tragen. Vor Ort sollten Schulprojekte und Kleinkredite den hoechsten Stellenwert in der Entwicklungshilfepolitik haben. Sie bilden die Grundlage fuer kuenftige Eigenstaendigkeit.
Wie sollte das denn auch gehen nach 400 Jahren brutalster Kolonialherrschaft, der Ausbeutung, Versklavung und der Millionen Opfer, die der Bevoelkerung das Rueckgrat brach und jede Art von Eigeninitiative nahm. Zurueck blieben korrupte Regierungen, die die Kolonialherren an Grausamkeit noch uebertrafen. Beispiel:
Ecuatorial Guinea, wo Teodore Obiang die Einkuenfte aus den Oelverkaeufen auf
die Privatkonten seiner Familie fliessen laesst und die Bevoelkerung in Mega-Slums dahindaemmert. Den Oelfirmen ist's egal. Auf der anderen Seite ist es auch den USA und den Europaern egal, dass die Baumwolle aus Mali, qualitaetsmaessig eine der besten, gegen die hoch subventionierte US-Baumwolle keine Chance auf den Weltmaerkten hat.
Das kann man in 50 Jahren durch das Bohren von ein paar Brunnen, durch das Verlegen einiger Rohre oder des Aufstellens einer kleinen Druckmaschine nicht wieder gutmachen, wenn's denn ueberhaupt noch gut zu machen geht. Da hilft es auch nichts, talentierte Afrikaner in Europa studieren zu lassen, in der Hoffnung, dass sie zurueckgehen. Das tun sie naemlich nicht, sondern lassen ihre Familien nachkommen, weil sie in ihren Heimtlaendern keinerlei Sicherheit fuer ihre Existenz beim naechsten Regierungwechsel haben.
Die Europaer sollten sich darauf einstellen, dass im Raum Nordwestafrika- Golf von Guinea ein Potenzial von ca. 200 Millionen auf gepackten Koffern sitzt und auf eine Moeglichkeit wartet, nach Europa zu kommen.
Mit Geld-Almosen ist's nicht getan. Der Geber fühlt sich zwar wohler, weil er etwas 'getan' hat, aber dem Empfänger ist damit noch nicht geholfen.
Gibt man jemandem Lebensmittel, so verspeist er sie und ist dann gleich wieder hungrig. Gibt man ihm aber einen Pflug, so kann er selbst Lebensmittel erzeugen.
Es ist also notwenig, sich zuerst mit den Sorgen und Nöten des Entwicklungslands vertraut zu machen, um sicher zu gehen, dass die Entwicklungshilfe wirklich der Entwicklung hilft und nicht irgendwo versickert.
Entfernt. Die Redaktion/sh
Weltweit entfesselter Kapitalismus???????? Markt?????
Rundum Oligarchien! Nix Kapitalismus! Oligarchien, Protektionismus, Korruption, Ecobürokratien!
Venezuela, Iran, USA, EU, China, Indien, Afrika? Wo gibts denn da einen freien Markt? NIRGENDWO!
Ersteimal ein Lob an den Autoren des Artikels. Er stellt die Eindrücke, die man von der Entwicklungshilfe über Jahre erworben hat in klaren Sätzen dar.
Wahrscheinlich sollten sich die Geberländer besser entwickeln um die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf sie (uns) zukommen besser bewältigen zu können. Wird der Wohlstand bei uns sinnvoll eingesetzt so werden alle profitieren. Vermindern die vermeintlich entwickelten Länder ihre positive Leistungsfähigkeit so hat keiner was davon. Vermutlich ist Entwicklungshilfe nur was für Entwicklungshelfer, die sich dann auch sehr gut bei ihrer Tätigkeit entwickeln können.
Ich denke die Menschen in den Exkolonien sollte man irgendwann mal einfach in Ruhe lassen.
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