VW-Affäre Aus Angst vor den Damen
Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen den ehemaligen VW-Vorstand Peter Hartz. Prostituierte sollen keine auftreten, im Gegenzug muss er auspacken.
Der Prozess gegen Peter Hartz wird trotz anderslautender Presseberichte an diesem Mittwoch beginnen. Davon gehe er fest aus, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Dienstag auf Anfrage. „Der Prozess wird stattfinden. Alles andere ist nicht nur spekulativ, sondern auch nicht begründbar.“ Der ehemalige Arbeitsdirektor des Volkswagen-Konzerns steht wegen Untreue in 44 Fällen vor Gericht. Noch am Montag waren Unsicherheiten aufgekommen, ob der Prozessbeginn möglicherweise verschoben werden muss. Der Hamburger Anwalt Johann Schwenn hatte die Braunschweiger Staatsanwaltschaft scharf angegriffen. Er vertritt den ehemaligen VW-Betriebsratsvorsitzenden
Klaus Volkert
. Die Staatsanwaltschaft habe Hartz „mit dem Pranger“ gedroht, wenn er Volkert nicht belaste, sagte der Anwalt. Dies sei eine „verbotene Drohung“. Schwenn bezog sich auf Aussagen der Braunschweiger Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff, die diese gegenüber der ZEIT gemacht hatte. Wolff hatte eine Abmachung bestätigt, wonach keine Prostituierten, mit denen Hartz verkehrt haben soll, in dem Prozess als Zeugen auftreten müssten, wenn der Arbeitsdirektor umfassend zu Sonderbonuszahlungen an Volkert aussagt.
Lesen Sie einen Rückblick auf die Ereignisse von Stefan Willeke.
Vivien, Joselia und all die anderen Huren sind für den Gerichtsprozess gegen den früheren VW-Personalvorstand Peter Hartz deshalb so wichtig, weil sie gar nicht vor dem Landgericht Braunschweig auftreten müssen, um die gewünschte Wirkung zu entfalten. In der 63-seitigen Anklageschrift sind sie mit keinem Wort erwähnt. Das hat so manchen Journalisten arg enttäuscht, haben doch erst die Bordellgeschichten dem Wirtschaftskrimi rund um den Volkswagen-Konzern eine spezielle Würze verliehen.
Vivien und Joselia werden sich trotzdem in die Gedanken des Angeklagten schleichen, wenn am kommenden Mittwoch der Prozess beginnt. Sie sind die Drohkulisse für Peter Hartz. Vor ihrem Auftritt hat er so viel Angst, dass er wohl alles tun würde, um ihnen zu entgehen – vielleicht sogar alles zugeben, was er weiß. So lautet jedenfalls die Rechnung der Braunschweiger Staatsanwälte, die mit Hartz und seinem Saarbrücker Verteidiger Egon Müller einen Deal verabredet haben, ein Geschäft mit der Angst. »Wir lassen keine Prostituierten aufmarschieren«, sagt die Braunschweiger Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff, »und im Gegenzug führt Hartz sein Geständnis über die Sonderbonuszahlungen genau aus.« Mehrere Tausend Euro, fanden die Ermittler heraus, seien aus der Firmenkasse für Prostituierte ausgegeben worden. Viel mehr, fast zwei Millionen Euro Sonderboni, habe Hartz dem früheren Chef des Betriebsrates gezahlt. »Ein paar Tausend Euro tausche ich gegen zwei Millionen«, sagt die Staatsanwältin.
Peter Hartz wurden Extrawünsche erfüllt
Verdacht auf Untreue und Begünstigung eines Mitglieds des Betriebsrates lautet die Anklage. Ohne sachlichen Grund habe Hartz den früheren Chef des VW-Betriebsrates, Klaus Volkert, über Jahre mit Sonderbonuszahlungen verwöhnt. Geldverschwendung zum Schaden des Unternehmens. Hartz habe Volkert auch den Wunsch erfüllt, dessen frühere Geliebte aus Brasilien mit Honoraren zu beglücken. 400000 Euro. Um Zahlen mit vielen Nullen wird es gehen, nicht um Huren. Die Frauen, die Hartz überaus peinlich sind, wurden aus der Anklage herausgehalten. Ein Mann, dem schon immer vieles recht gemacht wurde, soll noch im Gerichtssaal einen Extrawunsch erfüllt bekommen: keine Huren als Zeugen. Überhaupt keine Zeugen, auch keine Sachverständigen. Ein beschleunigter Prozess, nur zwei Verhandlungstage sind vorgesehen. Am 25. Januar könnte alles vorbei sein.
Peter Hartz war ein Mann der Extrawünsche. Extrahuren wurden für ihn beschafft, extra separat, unter das lechzende Rudel der VW-Manager mischte er sich nie. Seinem Ruf als Einzelgänger blieb er sogar auf Reisen treu, die inzwischen Lustreisen heißen. Warum sich die Staatsanwälte so sicher sind, dass sich Hartz in dem Prozess an seinen Teil der Verabredung halten und weitreichende Fehler beim Ausgeben von Konzerngeld einräumen wird, versteht man erst, wenn man ein paar Monate zurückblickt. Im vergangenen Oktober saß ein 65-jähriger, akkurat gekleideter Mann in einem Zimmer des Justizgebäudes an der Turnierstraße in Braunschweig und ließ sich von Staatsanwälten und Kriminalbeamten befragen. Die Vernehmung des Beschuldigten Hartz. Zuerst gab er noch flüssig Antworten, da ging es um Geld, das der frühere VW-Betriebsrat Volkert erhalten hatte, weil der frühere Vorstand Hartz es genehmigt hatte. Hartz nahm sehr viel Schuld auf sich, so viel Schuld, dass man schon skeptisch werden konnte. »Er neigt nicht dazu, andere Menschen zu bezichtigen«, sagt die Staatsanwältin Wolff. Andere Menschen, damit ist zum Beispiel der Mann gemeint, der Hartz 1993 aus dem Saarland nach Wolfsburg lockte und ihm sofort ein Büro im 13. Stock des VW-Hochhauses besorgte. Ferdinand Piëch, der damalige Vorstandschef, holte Hartz auf den Herrschaftsflur, wo der Neue ihm gegenüber residieren durfte.
- Datum 16.01.2007 - 04:55 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 11.01.2007 Nr. 03
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Einem richterlichen Urteil in Heilbronn sind Hartz IV Empfänger 'sozial auffällige
Personen', die in einem Mietumfeld von Ärzten und Finanzberatern eine Mietminderung rechtfertigen, sollten sie etwa den Eingang oder die Treppen nutzen, die zu den Beratungsstellen führen, die im Mietobjekt mit den wohlhabenden Ärzten, etc. liegen.
Das ist nur ein Beispiel an Zynismus deutscher Rechtsprechung dank Peter Hartz.
Warum man jetzt 'einen Deal' macht und ihn verschont seine Huren nochmals zu sehen, ist eigentlich nicht nachvollziehbar.
Hartz sollte mal auf Hartz IV Basis leben. Da wäre ihm schnell klar, dass ein 'Vorstellungsgespräch' als Hilfesuchender heute leider in vielen Fällen einem Verhör bei der Staatsanwaltschaft ähnelt.
Vielleicht werden ja die Villenmieter im Umfeld von Hartz jetzt Mietminderung 'wegen einer sozial auffälligen Person' beantragen?
peter hartz ist leider nicht sozial auffällig, und wenn, dann nur durch ein dummes mißgeschick. irgendjemand hat gequatscht.
ansonsten ist hartz ein würdiger repräsentant dieser gesellschaft. diese gesellschaft funktioniert nur mit leuten wie ihm.
folgerichtig werden auch die gesetze zur enteignung des volkes nach ihm benannt.
und ebenso folgerichtig ist herr hartz diesen gesetzen selbst nicht unterworfen.
da die deutschen parteien diesen herren in die hände spielen haben wir ein problem.
was tun?
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