Bundeswehr Tornados im Nebel

Peter Struck will nun doch ein neues Bundestagsmandat für den Einsatz deutscher Kampfjets im gefährlichen Süden Afghanistans. Die Opposition hatte mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht gedroht. Doch wäre ein solcher Einsatz überhaupt sinnvoll?

Fliegen deutsche Tornados bald über Afghanistan?

Fliegen deutsche Tornados bald über Afghanistan?

Natürlich könnte die Opposition das Bundesverfassungsgericht anrufen, um klären zu lassen, ob deutsche Tornado-Aufklärer nach Afghanistan geschickt werden dürfen. Die Richter in Karlsruhe würden dann sicher einige hochinteressante Erwägungen darüber anstellen, ob jenes Ansinnen der Nato vom deutschen Parlamentsmandat gedeckt ist, ob die Bundeswehr das also darf.

Die eigentliche Frage hinter der Kampfjet-Kontroverse, man ahnt es, ist eine etwas robustere. Sie lautet, ob Deutschland in einen Krieg einsteigen will, den jene Soldaten, die ihn erleben, schon heute stellenweise gefährlicher nennen als den Guerillaterror im Irak.

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Die Bundeswehr im Norden Afghanistans braucht jetzt keine taktischen Finessen. Sie braucht eine handfeste Strategie. Was sollen die deutschen Isaf-Truppen eigentlich erreichen? Bis wann sollen sie es erreichen? Und auch: Wann wären sie gescheitert? Statt klare Ziele zu setzen und ehrliche Bilanzen zu ziehen, verliert sich Deutschlands Afghanistanpolitik, neoclausewitzsch ausgedrückt, im Nebel des Nation-Building.

Bevor der Verteidigungsminister Luftwaffenpiloten dort hineinfliegen lässt, sollte er sich – und seine Nato-Partner – einmal fragen, ob es eventuell einen Ziel- und Methodenkonflikt zwischen Aufbauhilfe (deutsch, Nord) und Aufstandsbekämpfung (angelsächsisch, Süd) gibt.Über Pakistan sickern immer neue Taliban-Kämpfer ins Land und formieren sich zu regelrechten Brigaden. Dschihadisten rufen zur islamistischen Intifada gegen die »Besatzer«, und Opiumbauern feiern neue Ernterekorde. Spätestens wenn die Isaf beginnt, die ersten Mohnfelder abzubrennen, werden die Narko-Warlords keinen Unterschied mehr machen zwischen »Stabilisierungstruppen« und »Terrorbekämpfern«. In dieser heiklen Lage muss sich die Bundesregierung endlich klar positionieren. Ansonsten verstärkt sie den Verdacht, dass die viel zitierte »Bündnissolidarität« bloß als Synomyn für Planlosigkeit steht.

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Leser-Kommentare
  1. Liest man die Interviews von Kriegsberichtserstattern und auch die Berichte von NGO-Mitarbeitern, so können die Deutschen in der Hauptstadt und im Norden vor allem deshalb ungestört arbeiten, weil sie von den Stammesältesten oder wer sonst das Sagen hat in historischer Perspektive noch als alte WW2-Verbündete angesehen werden. Durch einen Kampfeinsatz im Süden würde sich das radikal ändern, in erster Linie mit verheerenden Folgen für die Soldaten. Und die Aufbauarbeit von fünf Jahren wäre auch für die Katz.

  2. 2.

    ja, war schon besser im 'alten' Afghanistan, bevor die bösen Demokraten kamen, gelle?
    Die Taliban waren ja gänzlich unkapitalistisch und haben deshalb dem organisierten Drogenverbrechen eine ganz neue Form des globalisiertne Kapitalismus eröffnet.

  3. fallen die Bomben, von Unten wächst der Hass. Aber die Nato, unter US Führung hat erkannt dass die Leichensäcke der Nato Soldaten doch Unruhe bringen. Also werden Kollateral Schäden in Kauf genommen, diese Leichensäcke, werden ja kaum in Europa oder den USA ankommen, und sind den Medien kaum eine Zeile wert.
    Die gegend Afghanistans rührt nicht so sehr von Talibanen her sondern von nicht eingehaltenen Versprechen des Empire of her Majesty the Queen. Es ist ein Feiheitskampf, den kann man kaum mit Bomben niederwalzen. Jeder Freiheitskampf endet mit Freiheit. Diese ist in der Seele der Menschen als höchstes Gut eingeprägt.
    Freiheit ist Unabhängigkeit von der Bevormundung anderer. Der ganze Hass der dritten Welt steigt ins Unendliche, dieser Hass ist ein Pendel, der schlägt zurück.
    Es wird uns viel erzählt, doch leider nur halbe Wahrheiten. Das wird so langsam zum Problem für die Demokratie, darf Propaganda in einer Demokratie mit allen Mitteln sich gedeihen?
    Ich meine nicht. Wir lebten von der Unabhängigkeit der Presse, diese wird imemr mehr eingeschüchtert, und kann ihre Arbeit nicht mehr verrichten. Die Presse ist für Demokratie lebenswichtig.

  4. Und der Widerstand in Irak und Afghanistan wird nur gebraucht um die Verlegung von Kampftechnik zu rechtfertigen.

    Es sollte hier genau geprüft werden ob nicht verborgene verbotene und auch Strafbare Vorbereitungen zu einem Angriffskrieg getroffen werden. Alle massnahmen des Westens sind das genaue Gegenteil von Friedenschaffen in Afghanistan und Irak und Palestine, also muss man davon ausgehen dass die Fortsetzung des Widerstands von Afghanen und Irakern und Palästinensern zum Konzept und den Propagandakulissen anderer Gewaltakte dienen sollen und erwünscht ist. Dass die USA mit Irak bereits überfordert seien und sich als schwach darstellt, halte ich nicht für schlüssig, die Entwicklung muss andere üblen Zielsetzungen geschuldet sein. Deshalb sollten vor allem die Komandeure der Nato den Politischen Figuren der Nato und des Westens insgesamt sehr genau auf die Finger sehen um eines Tages nicht für deren Verbrechen gradestehen zu sollen.

  5. Schauen sie sich die Weltkarte an, würden die USA die Chinesen oder Russen so in Kanada oder so ähnlich Krieg führen lassen?
    Kaum, die Grenze der beiden Länder liegt weit vor, Afghanistan und Iran sind die erste Ringmauer nach dem Prinzip von Vauban, in der Mittelalterlichen Festung Luxemburg ersichtlich.
    Sie wurde danach auf Geheiss Otto's abgetragen, aber das Prinzip steht heute noch, auch für Russland und China. Seit Flugzeuge existieren hat sich das Ganze erweitert, und als die Schweinebuchtaktion das Abtragen der Russichen Raktene vorsah wurden auch die Raketen in der Türkei abgetragen: Still und Leise.

    • Colon
    • 18.01.2007 um 4:30 Uhr

    Tja, das Gefasel von deutschen Interessen am Hindukusch wird nun wohl mehrheitlich abgesegnet, schon allein der 'Ehre' wegen, mit Tornados der Luftwaffe weiter materialisiert. Noch ist das Risiko der Abgeordneten, bei der nächsten Wahl für ihr 'Ja' abgestraft zu werden, gering. Denn Tornados abzuschießen, dürfte auch den Taliban noch eine schwerere Übung sein.
    Am Boden sterben, egal auf welcher Seite und mit welcher Begründung, vor allem Afghanen und wohl mehrheitlich Zivilisten.

    • keox
    • 18.01.2007 um 15:50 Uhr

    es geht wie immer um die rohstoffe, die konkurrenz zu den usa, kurz: um geld.

    oder glaubt wirklich jemand, merkel, beck, struck, koch, und wie sie alle heißen, die vollstrecker des deutschen kapitals, ginge es um demokratie?

    wenn es so wäre, warum zum teufel fangen sie damit nicht zuhause an?

    mittlerweile kann man verstehen, warum viele länder sich wehren, mit DEMOKRATIE beglückt zu werden.

    das elend, von ihren herrschenden ausgebeutet zu werden kennen sie schon. was also soll ein neues etiket

  6. 8. Es war

    unter den Taliban verboten Mohn anzuplflanzen, und dass jetzt Mohn in solchen Mengen angepflanzt wird, lässt den Verdacht eben hochkommen dass die Schwarzgelder missbraucht werden die wegen des Opiumshandel enstehen.
    Das nennt man Dopplezüngigkeit und Dopllemoral, zumal die USA vor 14 Tagen eine Resolution in den UNO Sicherheitsrat einbrachten die Burma verurteilen sollte u.a. wegen des Drogenanbaus.
    Die Resolution wurde von China und Russland niedergewählt.

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