Bayern »Revolution, damit a Rua is«
Stoiber auf der Kippe, Siemens korrupt, die Hypo verkauft – und ganz Bayern in der Krise? Ein Gespräch mit dem Kabarettisten Bruno Jonas
DIE ZEIT: Herr Jonas, was für ein Bayerngefühl hatten Sie heute Morgen beim Aufwachen?
Bruno Jonas: Das war wie immer. Ich hatte kein Bayern-, sondern ein klassisches Jonas-Gefühl. Ich musste mich erst orientieren und dachte: Mein Gott, wie spät ist es denn? Ich habe beim Aufwachen nicht sofort Bayern im Kopf, das Bayerngefühl will sich bei mir manchmal nicht recht einstellen. Aber ich bin ja auch nur halber Bayer, mein Vater stammt aus Ostpreußen. Es gibt tatsächlich Menschen, die sich 24 Stunden am Tag als Bayern fühlen, vielleicht auch noch länger, und deren limbisches System angefüllt ist mit einem einzigen großen Bayerngefühl, das da lautet: Mia san mia .
ZEIT: Das ist das bayerische Glaubensbekenntnis: Wir sind wir. Vielleicht auch: Wir sind wer.
Jonas: Dieses bayerische Identitäts-Mantra hat Menschen aus allen möglichen Himmelsrichtungen seit Jahrtausenden unter einem gemeinsamen Identitätsdach versammelt. Es ist heute noch wirksam, es vereint Ober- und Niederbayern, Oberpfälzer, bayerische Schwaben, Ober-, Unter- und Mittelfranken und die vielen Zugewanderten, die Sudetendeutschen, die Norddeutschen, die hergekommen sind, um in der Hightechbranche zu arbeiten. Das Mia san mia ist der kleinste gemeinsame Nenner, unter dem sich alle Zuagroasten finden können. Das sehen Sie am FC Bayern. Da spielen noch ein oder zwei Bayern. Der Rest braucht trotzdem bloß eine Lederhose anzuziehen und ist sofort integriert in die bayerische Gesellschaft. Jeder kann ein Bayer werden. Es findet immer eine Entwicklung vom Nichtbayern hin zum vollbayerischen Edelmenschen statt. Bayer ist man erst, wenn man einer geworden ist. Und viele fragen sich nach den letzten Ereignissen, ob der Stoiber je ein hundertprozentiger Vollbayer war, so ungeschickt, wie der sich verhalten hat in der Geschichte mit der schönen Frau. Dass der Stoiber in dieser Komödie jegliche Hinterfotzigkeit vermissen hat lassen, das nehmen sie ihm übel.
ZEIT: Die Causa Stoiber, Siemens korrupt, der FC Bayern nur auf dem vierten Tabellenplatz – und sogar der Papst scheint nicht immer alles im Griff zu haben. Klingt das Mia san mia auf einmal ein bisschen weniger selbstbewusst?
Jonas: Sie haben noch was vergessen: Die Siemens-Handysparte nach Taiwan verscherbelt, die AEG in Nürnberg von Schweden gekauft, die Walter Bau in Augsburg von Österreichern übernommen, die HypoVereinsbank von Italienern geschnappt, und wenn wir nachdenken, kommen wir noch auf ein paar weitere wirtschaftliche Pleiten, bei denen Stoiber seine Gestaltungskraft für Bayerns Zukunft eingesetzt hat. Viele Bayern sind deprimiert, weil es nicht möglich ist, die Globalisierung aus Bayern herauszuhalten, auch wenn man sich ja gern global gibt. Trotz aller Probleme: Das Mia san mia – und als Abgrenzung dazu Die andern san die andern – funktioniert nach wie vor. Auf den Papst sind alle uneingeschränkt stolz, selbst die Protestanten. Der FC Bayern auf Platz vier – das spornt nur an. Und für die tonangebenden Bayern war es von Anfang an klar: Das Problem mit dem Edi lösen wir schon. Aber wir lösen es, bitte schön, selbst. Da brauchen wir keinen dazu. Ein Zeichen von Selbstbewusstsein.
ZEIT: In Ihrem Buch Gebrauchsanweisung für Bayern haben Sie geschrieben: »Eine große meditative Gelassenheit liegt über dem Land« – ändert sich das gerade?
Jonas: Gar nicht. Die Stoiber-Affäre zieht vorbei, so empfinden die Bayern das. So eine Affäre ist nur ein Schönheitsfehler im paradiesischen Bayern, im verlängerten Himmel auf Erden. Stoiber hin, Stoiber her, Bayern wird es immer und ewig geben. Uns kann koana, das steckt dahinter.
ZEIT: Schämen sich die Bayern für Stoiber?
Jonas: Scham ist ein Gefühl der Defensive, das kennen die Bayern nicht. Sie gehen in die Offensive, in eine sehr spezielle Art der Offensive übrigens. Typisch, dass alle gesagt haben, sie stehen geschlossen hinter Stoiber. Manche standen auch geschlossen neben ihm, möglicherweise gab es sogar welche, die gesagt haben, sie stehen geschlossen über ihm. Sie haben ihn eingeschlossen, bis er fast unbeweglich war. Sie haben ihn kaltgestellt. Und dann haben sie begonnen zu überlegen, wie sie ihn wegbekommen.
- Datum 18.01.2007 - 03:41 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.01.2007 Nr. 04
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...bei den vielen oft haltlos negativen Kommentaren von korfstroem scheint es mir fragwürdig, ob dessen Stern nicht auch bald einmal erblassen sollte...
Ist doch ein immer wiederkehrende Erfahrung:
Wenn Spießis und Besitz- und Beischläfer (männlich!) sich zu Satirikern äußern, wird es grauslig!
Da wird gestritten über Schwoi... oder Gschwoi... - da wird G'SCHwurbelt..
Wer die Scheibenwischer-Gala gesehen hat, mußte ungläubig staunen wie oft Bruno Jonas einen 'Hänger' hatte. Eine Szene war sogar von Matthias Riechling nicht mehr zu retten. Also Vorsicht Bruno, sonst ist Edmund Stoiber noch Ministerpräsident wenn Bruno Jonas schon lange nicht mehr gesendet wird. Auch am Kabaretthimmel müssen manche Sterne einsehen, daß sie früher erblassen als gedacht.
korfstroem.
lieber Herr Jonas,
auch im Ramsch kann nach Grand Regeln gespielt werden, heisst dann Durchmarsch...also lieber weiter Schafkopf für Sie und alle Depperten in Bayern.
warum ausgerechnet jonas zum zeitzeugen hergezerrt wird...? ja mei. das gibt schon sinn. er ist sich ja schließlich nie zu schade, den hofdeppen bei csu-veranstaltungen zu geben.
immer so diese lustige angriffshaltung, aber bitte nehmen´s mir dös net übel, gell.
ein gut bezahlter hofnarr eben.
Zitat:
'Wenn einer das Ressentiment formuliert gegen die da oben, die Großkopferten, die Schwoischädel…'
Nicht Schwoischädel, sondern Gschwoischädel muss das heissen. Hören SIe sich nochmal ganz genau die Aufzeichnung des Interviews an.
Wenn Sie sich über das arrogante Auftreten eines Zeitgenossen ärgern, können Sie es ihm wie folgt heimzahlen:
'Sie, I möcht bei Eahna an Zentner Krautköpf b´stelln. Es muass aber jeder mindestens so gross sein, wia Eahna Gschwollschädel.'
Die CSU hat sich entschlossen als Teil Ihres Kulturprogramms ein eigenes Kabarett zu eröffnen.
Herr Stoiber gilt der Pressemeute als zu alt und verbraucht. Die jüngeren Herren Glück, Huber und Beckstein sollen es richten. Herr Herrmann ist wiederum zu jung.
Eine zweimal geschiedene aber schöne Landrätin fällt die Treppe rauf. Ein renomnierter nicht ganz so schöner Minister fällt die Treppe - mit Freundin oder nicht - runter.
Ein Bundespolitiker der CSU versteht die Politik als dynamischen Prozeß wenn er seine Versprechen von gestern einlösen soll. Charakterlos nannte man das früher.
Die schöne Landrätin hat nur einen Punkt im Programm: Stoiber muß weg. Motive nennt sie nicht. Politiker mit solchen Visionen braucht das Land. Mit Hilfe welcher Partei ist die Dame Landrätin geworden und wie hat sie als Vorstandsmitglied den Kerl an der Parteispitze so lange aushalten können?
Der Bundespräsident hält eine Weihnachtsansprache und niemand weiß: 'Ist es nun Matthias Riechling oder ist er es nicht'
Der Scheibenwischer wird endlich nach langer Zeit nicht verschämt im Spät-Spätabendprogramm gesendet. Ein bedauernswerter Hauptdarsteller versemmelt eine Pointe nach der anderen.
Die Bundeskanzlerin hält ihre Neujahrsansprache. Mehr als Fußball fällt ihr zur eigenen Politik nicht ein.
In Heiligendamm wird die Mauer für zig Millionen zu Testzwecken wieder aufgebaut. Leider dürfen alle Koryphähen nach der Tagung wieder raus.
Zwei Jugendliche überfallen abends eine Familie und schlachten die Eltern ab. Einen Tag später tourt die Hauptzeugin durch die Talkshows. Mit viel Glück trifft sie bei Bärbel Schäfer den Staatsanwalt. Das Wort Schauprozeß bekommt eine neue Bedeutung.
Freilich, für Kulturpessimismus ist alles dies kein Grund. Nur Kabarettisten müssen Angst um ihre Zukunft haben, seit jeder Laiendarsteller der CSU-Landtagsfraktion die Bretter, die die Welt bedeuten, entdeckt hat.
korfstroem
... ist es wirklich Zufall, dass keine 6 Monate nach dem Libanonkrieg der einzige deutsche Ministerpräsident, der konsequent gegen die Verschickung der Bundesmarine ins Krisengebiet Stellung genommen hat, zur Aufgabe aller Ämter gezwungen wird? Frau Pauli war einfach eitel genug, eine ihr zugedachte Rolle zu spielen, ob ahnungslos oder nicht ist letztlich egal.
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