Bayern »Revolution, damit a Rua is«Seite 4/4

ZEIT: Welche Zukunft wartet auf den Königsmörder?

Jonas: Anerkennung und Dankbarkeit. Die Frau Pauli hat diese Rolle der Königsmörderin bisher sehr souverän gespielt. Ministerpräsidentin wird sie wohl nicht werden. So weit sind wir in Bayern noch nicht, dass wir eine Frau an der Spitze des Kabinetts akzeptieren. Es wird also ein Mann sein, der zu den anderen passt. Er muss es mit allen können. Vielleicht nehmen sie einen, bei dem sie sicher sein können, dass er nicht allzu lange an der Macht bleibt. Der Neue wird ein Übergangsministerpräsident sein. In Bayern ist es heute ein bisschen so wie am Ende der Sowjetunion. Als Breschnew tot war, fragten die sich auch: Wen nehmen wir denn da mal? Es wurden dann Andropow und Tschernenko. An die erinnert sich keiner mehr.

ZEIT: Laut Ihrer Gebrauchsanweisung für Bayern heißt der Leitsatz der bayerischen Form von Demokratie: »Die Mehrheit ist immer in der Mehrheit.« In den aktuellen Umfragen hat die CSU keine absolute Mehrheit mehr.

Jonas: Das kann sich schnell wieder ändern. Die bayerische Seele lebt von schnellen Gefühlsumschwüngen, vom Rauf und Runter. Bayern fühlt sich als etwas Besonderes. Deshalb diese spezielle Partei, die nur in Bayern wählbar ist. Deshalb kann sich auch die SPD keine großen Chancen ausrechnen, selbst wenn Stoiber Spitzenkandidat bleibt. Die verprellten CSU-Wähler gehen dann zu den Freien Wählern oder bleiben zu Hause. Könnt’s mi alle am Arsch lecka , sagt der Bayer.

ZEIT: Der Bayer liebt die drastische Sprache.

Jonas: Für mich ist Bayern die Sprache. Im Dialekt kann man Dinge sagen, die im Hochdeutschen viel schärfer klingen. Der Dialekt hat mehr Herz und sehr viel Ironie. Ein ideales Medium.

ZEIT: Als Kabarettist beobachten Sie genau, wie Stoiber sich gibt, wie er redet. Haben Sie Veränderungen beobachtet?

Jonas: Er hat ein Problem: Während er redet, überlegt er, ob das, was er sagt, zu dem passt, was er gestern und vorgestern gesagt hat, und zu dem, was er morgen sagen wird. Diese verschiedenen Ebenen bringen ihn in der Rhetorik durcheinander. Er hat immer Angst, etwas Falsches zu sagen. Womöglich ist es in den letzten Jahren etwas schlimmer geworden mit seinen Aussetzern. Für das Kabarett ist es sehr schade, wenn er nicht mehr Ministerpräsident ist.

Das Interview führte Tanja Stelzer

Bruno Jonas 54, lebt in München. Gemeinsam mit Mathias Richling und Richard Rogler macht er die ARD-Sendung »Scheibenwischer«. Schon dreimal hat er den bayerischen Landespolitikern beim Starkbierfest auf dem Münchner Nockherberg in einer Bußpredigt die Leviten gelesen. Seine »Gebrauchsanweisung für Bayern« ist im Piper Verlag erschienen

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Lesen Sie zum Thema das Dossier in der aktuellen Ausgabe 04/2007 der ZEIT:
Stoibers Tragödie - Absturz ohne Beispiel. Edmund Stoibers Kampf ums politische Überleben. Mit Beiträgen von Matthias Geis und Matthias Krupa, Rolf Zundel und Josef Joffe

 
Leser-Kommentare
    • macua
    • 17.01.2007 um 18:52 Uhr

    ...bei den vielen oft haltlos negativen Kommentaren von korfstroem scheint es mir fragwürdig, ob dessen Stern nicht auch bald einmal erblassen sollte...

  1. Ist doch ein immer wiederkehrende Erfahrung:

    Wenn Spießis und Besitz- und Beischläfer (männlich!) sich zu Satirikern äußern, wird es grauslig!
    Da wird gestritten über Schwoi... oder Gschwoi... - da wird G'SCHwurbelt..

  2. Wer die Scheibenwischer-Gala gesehen hat, mußte ungläubig staunen wie oft Bruno Jonas einen 'Hänger' hatte. Eine Szene war sogar von Matthias Riechling nicht mehr zu retten. Also Vorsicht Bruno, sonst ist Edmund Stoiber noch Ministerpräsident wenn Bruno Jonas schon lange nicht mehr gesendet wird. Auch am Kabaretthimmel müssen manche Sterne einsehen, daß sie früher erblassen als gedacht.

    korfstroem.

  3. 4. skat

    lieber Herr Jonas,

    auch im Ramsch kann nach Grand Regeln gespielt werden, heisst dann Durchmarsch...also lieber weiter Schafkopf für Sie und alle Depperten in Bayern.

    • keox
    • 18.01.2007 um 17:35 Uhr

    warum ausgerechnet jonas zum zeitzeugen hergezerrt wird...? ja mei. das gibt schon sinn. er ist sich ja schließlich nie zu schade, den hofdeppen bei csu-veranstaltungen zu geben.

    immer so diese lustige angriffshaltung, aber bitte nehmen´s mir dös net übel, gell.

    ein gut bezahlter hofnarr eben.

    • maksym
    • 18.01.2007 um 7:31 Uhr

    Zitat:

    'Wenn einer das Ressentiment formuliert gegen die da oben, die Großkopferten, die Schwoischädel…'

    Nicht Schwoischädel, sondern Gschwoischädel muss das heissen. Hören SIe sich nochmal ganz genau die Aufzeichnung des Interviews an.

    Wenn Sie sich über das arrogante Auftreten eines Zeitgenossen ärgern, können Sie es ihm wie folgt heimzahlen:

    'Sie, I möcht bei Eahna an Zentner Krautköpf b´stelln. Es muass aber jeder mindestens so gross sein, wia Eahna Gschwollschädel.'

  4. Die CSU hat sich entschlossen als Teil Ihres Kulturprogramms ein eigenes Kabarett zu eröffnen.

    Herr Stoiber gilt der Pressemeute als zu alt und verbraucht. Die jüngeren Herren Glück, Huber und Beckstein sollen es richten. Herr Herrmann ist wiederum zu jung.

    Eine zweimal geschiedene aber schöne Landrätin fällt die Treppe rauf. Ein renomnierter nicht ganz so schöner Minister fällt die Treppe - mit Freundin oder nicht - runter.

    Ein Bundespolitiker der CSU versteht die Politik als dynamischen Prozeß wenn er seine Versprechen von gestern einlösen soll. Charakterlos nannte man das früher.

    Die schöne Landrätin hat nur einen Punkt im Programm: Stoiber muß weg. Motive nennt sie nicht. Politiker mit solchen Visionen braucht das Land. Mit Hilfe welcher Partei ist die Dame Landrätin geworden und wie hat sie als Vorstandsmitglied den Kerl an der Parteispitze so lange aushalten können?

    Der Bundespräsident hält eine Weihnachtsansprache und niemand weiß: 'Ist es nun Matthias Riechling oder ist er es nicht'

    Der Scheibenwischer wird endlich nach langer Zeit nicht verschämt im Spät-Spätabendprogramm gesendet. Ein bedauernswerter Hauptdarsteller versemmelt eine Pointe nach der anderen.

    Die Bundeskanzlerin hält ihre Neujahrsansprache. Mehr als Fußball fällt ihr zur eigenen Politik nicht ein.

    In Heiligendamm wird die Mauer für zig Millionen zu Testzwecken wieder aufgebaut. Leider dürfen alle Koryphähen nach der Tagung wieder raus.

    Zwei Jugendliche überfallen abends eine Familie und schlachten die Eltern ab. Einen Tag später tourt die Hauptzeugin durch die Talkshows. Mit viel Glück trifft sie bei Bärbel Schäfer den Staatsanwalt. Das Wort Schauprozeß bekommt eine neue Bedeutung.

    Freilich, für Kulturpessimismus ist alles dies kein Grund. Nur Kabarettisten müssen Angst um ihre Zukunft haben, seit jeder Laiendarsteller der CSU-Landtagsfraktion die Bretter, die die Welt bedeuten, entdeckt hat.

    korfstroem

  5. ... ist es wirklich Zufall, dass keine 6 Monate nach dem Libanonkrieg der einzige deutsche Ministerpräsident, der konsequent gegen die Verschickung der Bundesmarine ins Krisengebiet Stellung genommen hat, zur Aufgabe aller Ämter gezwungen wird? Frau Pauli war einfach eitel genug, eine ihr zugedachte Rolle zu spielen, ob ahnungslos oder nicht ist letztlich egal.

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