Zweimal die gleiche Stelle im Amazonas-Regenwald, aufgenommen im Abstand von fünf Jahren: Am 1. August 2001 zeigt das Satellitenbild der Nasa, dass die Baumkronen noch fast den gesamten Ausschnitt von 20 mal 30 Kilometern bedecken, nur in einem kleinen Bereich sind Bäume gefällt worden. Am 15. August 2006 dagegen ist fast das gesamte Bild von hellen Quadraten durchzogen. Wald ist kaum noch zu sehen. Die gerodete Fläche hat sich verdreifacht. BILD

So weit, so alltäglich in Mato Grosso, dem brasilianischen Bundesstaat, in dem der Regenwald so schnell vernichtet wird wie sonst nirgends – zwischen 2001 und 2004 auf 540.000 Hektar, einer Fläche doppelt so groß wie das Saarland. Doch den Forschern der University of Maryland, die die Bilder der amerikanischen Weltraumbehörde auswerteten, lieferten die Messungen von Wärme und Sonnenreflexion des Bodens noch einen anderen Hinweis: Schuld an der Zerstörung des Regenwalds ist vor allem die Rinderzucht.

Immer mehr gerodetes Land wird bepflanzt, meist mit Sojabohnen für den Export. Rinder knabbern also gleich doppelt am letzten großen zusammenhängenden Regenwald der Erde: Die meisten Bäume fallen, um für Weideland Platz zu schaffen. Immer mehr und immer größere Flächen verschwinden aber inzwischen zusätzlich, um Futter für die Kuhmägen in Europa anzubauen.

Bilder und Daten machen auf drastische Weise deutlich, was auch ein aktueller Bericht der UN-Ernährungsorganisation FAO beschreibt. Sein erschreckendes Ergebnis: Die globale Viehzucht ist ein Umweltverschmutzer ersten Ranges. »Bei den schwersten Umweltproblemen«, so der 400-Seiten-Report Lifestock’s Long Shadow, » gehört sie jeweils zu den wichtigsten zwei oder drei Faktoren.« Ob Verlust von wertvollem Boden, Klimawandel, Luftverschmutzung, Wasserknappheit, Wasserverschmutzung oder Rückgang der Artenvielfalt – überall sei der Einfluss der Viehzucht so dominant, dass »die Probleme umgehend angegangen werden müssen«, sagt Henning Steinfeld, Chef der Abteilung Viehzuchtpolitik bei der FAO in Rom und Hauptautor des Reports.

Jeder verspeiste Hamburger hat sechs Quadratmeter Urwald gekostet

Der Bericht zeigt: Die größten Umweltschweine sind die Rinder. Allein die Rodung von Wäldern für Weiden und Ackerland entlässt nach den FAO-Daten jährlich 2,4 Milliarden Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO 2 ) in die Luft. In Brasilien und Bolivien werden bis 2010 jedes Jahr drei Millionen Hektar Wald auf diese Weise verloren gehen. Der amerikanische Wissenschaftspublizist Jeremy Rifkin rechnet vor, dass bereits in den achtziger Jahren »für jeden in den USA verspeisten Hamburger sechs Quadratmeter Urwald in Weidefläche umgewandelt« wurden.