Eizellen
Rohstoff für das Mutterglück
Der internationale Handel mit Eizellen für kinderlose Frauen blüht. Um die Probleme der Spenderinnen schert sich niemand.
Sie steht unter Druck. Das ist der jungen Frau mit den halblangen schwarzen Haaren anzumerken. Sie will ihre Geschichte loswerden und hat deshalb dem Treffen mit den Journalistinnen zugestimmt. Als María stellt sie sich uns vor und fügt hinzu, dass ihre Familie auf keinen Fall von der Begegnung erfahren darf. Deshalb ist sie unter einem Vorwand aus der nordspanischen Provinz in die Großstadt Bilbao gereist. Jetzt sitzt sie in einem engen, lauten Hotelzimmer und erzählt stockend: dass ihre Schwägerin unfruchtbar ist und nur mit fremden Eizellen schwanger werden konnte; dass sich die Familie keine teure Privatklinik leisten konnte und sie sich moralisch gedrängt fühlte, der Schwägerin zu helfen; dass sie sich zur Eizellspende überreden ließ und bis heute mit niemandem darüber sprechen kann. »Nicht mal mit meinem Mann«, fügt sie hinzu. Sie weint.
Vier Jahre ist das her. María war damals 25 und frisch verheiratet. Das Arrangement mit der staatlichen Fortpflanzungsklinik sah vor, dass sie ihre Eizellen für eine Unbekannte spendete und als Gegenleistung ihre Schwägerin auf der Warteliste der Eizellempfängerinnen ganz nach vorn rückte. Diese sogenannte Kreuzspende wird praktiziert, um die erblichen Wurzeln des Kindes zu verwischen. Fortpflanzungsmediziner hoffen so, einem emotionalen Verwandtschaftswirrwarr vorzubeugen. »In der Klinik taten sie so, als handele es sich um irgendwelches Gewebe«, sagt die junge Frau. Noch heute ist sie wütend auf die Ärzte, die sich nicht für sie, sondern nur für ihre Eizellen interessierten.
Seit etwa 20 Jahren beherrschen Mediziner die Technik der Eizellspende. Sie gab Frauen neue Hoffnung, deren Eierstöcke infolge von Krankheiten keine Eizellen bilden können. Zudem hilft sie Frauen, die aufgrund ihres Alters nur noch schwer auf normalem Wege ein Kind bekommen können. Mit dem Keimmaterial einer Jüngeren wächst ihre Chance auf Nachwuchs. Da sich Westeuropäerinnen immer später fürs Kinderkriegen entscheiden, ist die Nachfrage nach Spenderinnen stetig gewachsen. Doch menschliche Eizellen sind eine knappe Ressource, um die inzwischen auch die biomedizinische Forschung mit den Paaren konkurriert. So erteilte die britische Aufsichtsbehörde für Reproduktionsmedizin dem Centre of Life in Newcastle vor wenigen Tagen erstmals die Erlaubnis, Frauen allein für die Forschung zur Eizellspende zu animieren.
Denn die Eizellgewinnung ist medizinisch aufwändig, mitunter schmerzhaft und gesundheitlich nicht ohne Risiken. »Mir war übel, und mein Bauch fühlte sich an wie ein Ballon, der gleich platzt«, erzählt María. Täglich bekam sie Hormone gespritzt, damit ihre Eierstöcke nicht wie im normalen Zyklus eine Eizelle, sondern möglichst ein Dutzend heranreifen ließen. Alle drei Tage wurden per Ultraschall ihre Eierstöcke kontrolliert. Nach etwa drei Wochen war es so weit. Sie erhielt eine Vollnarkose. Ärzte schoben eine Kanüle durch ihre Vagina und saugten die Follikel ab. Diese wurden anschließend mit dem Samen des Mannes der unbekannten Empfängerin im Labor befruchtet. Die so entstandenen Embryonen wurden der unfruchtbaren Frau in die Gebärmutter eingesetzt.
In den meisten europäischen Ländern ist die Eizellspende erlaubt oder nicht geregelt. Verboten ist sie nur in Deutschland, Österreich, in der Schweiz, Italien und Norwegen. In Deutschland sind vor allem ethische Bedenken der Grund dafür. Der Gesetzgeber wollte verhindern, dass Kinder zwei biologische Mütter haben: eine, die das Erbmaterial liefert, und die andere, die das Kind austrägt.
Deutsche Paare suchen deshalb im Ausland nach fremden Eizellen. In Internetforen werden Tipps gehandelt für die besten Kliniken in Südafrika, Tschechien, Polen, Russland, der Ukraine oder Spanien. Das katholische Spanien entwickelte sich in den vergangenen Jahren dank einer liberalen Gesetzgebung zum Eizellproduzenten Nummer eins in Europa. Erlaubt ist in der Reproduktionsmedizin dort alles außer der Leihmutterschaft. Obendrein würden die vom Gesetz vorgeschriebenen Kontrollen nicht durchgesetzt, sagt die Rechtsprofessorin Itziar Alkorta von der baskischen Universität in San Sebastián, die sich seit Jahren mit Medizinethik beschäftigt: »Dadurch konnte sich eine riesige Befruchtungsindustrie entwickeln.« Wie Pilze schossen in Spanien die Privatkliniken in den vergangenen zehn Jahren aus dem Boden, inzwischen gibt es rund 240.
Die Klinikkette Instituto Valenciano de Infertilidad (IVI) gehört mit ihren zehn Zentren zu den größten in Spanien. Der jüngste Ableger der IVI-Kette liegt in Alicante an der Costa Blanca. Den nahen Flughafen steuern Billigflieger aus vielen europäischen Metropolen an, ein wichtiges Kriterium für die internationale Kundschaft. Der Anrufbeantworter bittet in drei Sprachen um Nachrichten, den Paaren wird ein Rundumservice versprochen. Eine Warteliste gebe es nicht, denn dank der Universität mit ihren rund 35000 Studenten hätten sie eine große potenzielle Klientel an Spenderinnen, sagt der Reproduktionsmediziner Peter Hermann, der zeitweilig für die Klinik tätig war. Erfahrungen sammelte der smarte Deutsche auch im IVI in Valencia ( ZEIT Nr. 20/02 ). Stets seien 200 bis 300 Spenderinnen gleichzeitig stimuliert worden, quasi auf Vorrat, damit die Kunden ohne Wartezeit in die Behandlung einsteigen könnten.
Die Anzahl der Spenderinnen kennt niemand genau. Die spanische Tageszeitung El País schätzte sie kürzlich auf 8000 jährlich. Da sie bisher von keinem zentralen Register erfasst werden, gibt es auch keinen Überblick, wie häufig eine Frau spendet und ob sie tatsächlich nur sechs genetische Abkömmlinge hat, wie es das spanische Recht vorsieht.
Spenderinnen gibt es genug. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung pro »Ernte« zwischen 600 Euro und 1000 Euro. Das Zubrot lockt so viele Frauen, dass sich künftig sogar Wissenschaftler für ihre Stammzellforschung aus dem Eizellpool bedienen dürfen. Jedenfalls sieht das ein Gesetz vor, das demnächst in Spanien verabschiedet werden soll.
Jede Klinik mobilisiert ihren eigenen Pool an Spenderinnen, schaltet Anzeigen in Szenemagazinen, wirbt im Radio oder auch direkt an Universitäten. »Du bist etwas Besonderes«, schmeichelt der Handzettel einer spanischen Privatklinik den jungen Frauen, »nur Du kannst uns geben, was wir brauchen. Jedes Mal, wenn Du eine Eizelle spendest, spendest Du Glück.« Manchmal werden Studentinnen persönlich auf dem Campus angesprochen, ob sie sich etwas Taschengeld dazuverdienen wollen. Alkorta versucht das in ihren Seminaren zum Thema zu machen, doch es sei schwer, die jungen Frauen zum Reden zu bringen. Die Eizellspende erfolgt in Spanien anonym, und die jungen Frauen wollen nicht erkannt werden.
Inzwischen werden auch Einwanderinnen aus Osteuropa gern von spanischen Fruchtbarkeitskliniken angeworben. Wegen ihrer hellen Haut passen sie eher zur nordeuropäischen Kundschaft. Eine Katalogauswahl wie in den USA, bei der sich Paare ihre Wunschspenderin aussuchen, gibt es allerdings nicht. Die Auswahl ist dem Klinikpersonal vorbehalten, das vor allem äußerliche Kriterien wie Statur, Haar- und Hautfarbe anlegt. Das klappt nicht immer; so bekam eine hellhäutige, blonde Engländerin ein Baby mit dunklem Teint und schwarzen Haaren.
Für deutsche Paare ist Spanien als Befruchtungsland besonders attraktiv. »Vor sechs Jahren hatten die IVI-Kliniken 30 deutsche Patienten, im Jahr 2004 waren es schon 500«, sagt Hermann, der inzwischen zur Konkurrenzfirma Instituto Bernabeo gewechselt ist. Zwischen deutschen und ausländischen Reproduktionsmedizinern gibt es dabei so etwas wie eine Arbeitsteilung, zum Beispiel bei der Suche nach einer geeigneten Klinik. Michael Thaele, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes reproduktionsmedizinischer Zentren, sieht sich als Arzt sogar in der Pflicht, »auf Nachfrage der Patientin zu sagen: In dem oder dem ausländischen Zentrum ist anzunehmen, dass gut gearbeitet wird.« Die Paare wissen auch, an welche Gynäkologen sie sich in Deutschland wenden können, um den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut kontrollieren zu lassen – eine wichtige Voraussetzung, damit sich die fremden Eizellen später auch einnisten können. Thaele formuliert es vorsichtiger: »Es ist ja nicht so, dass wir nicht wüssten, wie das geht.«
Der Fruchtbarkeitsexperte und seine Kollegen setzen sich für die Legalisierung der Eizellspende in Deutschland ein. Hier sei der medizinische Standard hoch, auch wenn sich nicht alle Risiken ausräumen ließen. Ein gutes Versorgungsniveau sei demgegenüber im Ausland nicht überall gewährleistet, warnt er.
Alina aus Bukarest war 19, als sie ihre Keimzellen an GlobalART verkaufte, ein Zentrum, das sich auf die Eizellproduktion für das reichere Ausland spezialisiert hat. Monate später kämpfte die Rumänin immer noch mit gesundheitlichen Problemen, klagte über Bauchschmerzen und Wassereinlagerungen. »Wahrscheinlich kann ich auch keine eigenen Kinder mehr bekommen«, sorgte sie sich. Eineinhalb Jahre später wurde sie doch schwanger, erlitt jedoch eine Fehlgeburt. Nun ist sie erneut schwanger und hofft, dass ihr Kind gesund ist.
Eigentlich hatte sich Alina damals alles so einfach vorgestellt. Sie träumte von einer großen Hochzeit mit Musik, Tanz und vielen Gästen und brauchte dafür Geld. Da erschien es ihr wie ein Wink des Schicksals, als ihr eine Kollegin erzählte, sie könne ihre Eizellen für 250 Dollar verkaufen – dreimal so viel Geld, wie sie als Akkordarbeiterin im Monat verdiente. »Was ist schon dabei, ob dein Ei im Tampon landet oder ob du es Frauen gibst, die ein Kind wollen«, ermunterte sie die Kollegin und gab ihr die Adresse von GlobalART. Nur auf Empfehlung wurde sie vorgelassen. Mit Videokameras und Gegensprechanlage war das Zentrum, das in einem der besseren Viertel Bukarests liegt, streng überwacht. Gleichzeitig mit Alina wurden etwa 15 andere Frauen auf die Eizellspende vorbereitet. Über die Risiken wurde sie nicht aufgeklärt. »Ich musste mich aber verpflichten, niemandem davon zu erzählen«, sagt Alina.
Schon nach den ersten Hormonspritzen fühlte sie sich elend, doch bei GlobalART forderte man sie zum Weitermachen auf. Nach der Eizellentnahme verschlechterte sich ihr Zustand drastisch. Wieder wiegelte die Ärztin ab. Als sie tags darauf Blut spuckte und die Unterleibsschmerzen unerträglich wurden, brachte ihr Verlobter sie in ein städtisches Krankenhaus. Dort kam sie gleich auf die Intensivstation. »Gerade noch rechtzeitig, sagte man mir. Ich hätte sterben können«, flüstert sie.
Alina litt an einer schweren Form des Überstimulationssyndroms, kurz OHSS. Laut Weltgesundheitsorganisation tritt diese gefürchtete Komplikation bei ein bis zwei Prozent der hormonell stimulierten Frauen auf. Bei den Frauen bildet sich Wasser in Bauchraum und Lunge, die Zusammensetzung des Blutes verändert sich, und die Gefäßdurchlässigkeit nimmt zu. Die Folgen können Nierenversagen, Lungenembolien und Schlaganfälle sein. Vereinzelt sind Patientinnen sogar daran gestorben.
Welche Frau diese akute Form des OHSS entwickeln wird, können selbst Fortpflanzungsexperten bisher kaum voraussagen. Studien zeigen, dass junge Frauen eher gefährdet sind. Eine mildere Form des OHSS, mit Zystenbildung, aufgedunsenem Bauch, Kopfschmerzen, Übelkeit und depressiven Verstimmungen, erlebt dagegen mindestens jede zehnte Patientin. Außerdem kann es bei der Eizellentnahme zu Komplikationen kommen. Gelegentlich werden Eierstöcke und Blase verletzt und Frauen durch Infektionen unfruchtbar.
Auch die Langzeitfolgen der Kinderwunschbehandlung sind bisher kaum erforscht. So wisse man nicht, wie sich der Extrahormonschub nach 20 oder 30 Jahren im weiblichen Körper auswirke, schreibt das Wissenschaftsmagazin Nature. Zum Beispiel sei nach wie vor umstritten, ob das Risiko für Eierstock- oder Gebärmutterkrebs steige.
GlobalART gehört zu einem schwer durchschaubaren internationalen Netzwerk mit Ablegern in Israel und den USA. Auch die Londoner Fruchtbarkeitsklinik Bridge Fertility Center zählte zu den Abnehmern rumänischer Eizellen. Das Zentrum schickte eingefrorenen Samen britischer Väter in spe zu GlobalART, wo die Eizellen befruchtet wurden. Die Embryonen wurden dann zurück nach England exportiert und den Frauen eingesetzt.
Das EU-Parlament kritisierte die Geschäfte zwischen Rumänien und Großbritannien scharf. Vor allem missfiel den Abgeordneten, dass Frauen aus ärmeren Ländern als Rohstofflieferantinnen benutzt wurden. Man forderte die Regierung des EU-Beitrittskandidaten Rumänien auf, GlobalART zu überprüfen. Als die Staatsanwaltschaft die Firma überprüfen wollte, fand sie nur noch leere Räume vor. Patientendateien und Laboreinrichtungen waren anscheinend vorher weggeschafft worden. Offiziell hieße es, GlobalArt arbeite seitdem nicht mehr, sagt der Bukarester Rechtsanwalt, der Alina vertritt. Doch er bezweifelt das. Schon im Frühjahr 2006 gingen dort wieder junge Frauen aus und ein. Ein deutsches Kamerateam, das vor Ort filmen wollte, wurde von Wachleuten daran gehindert.
Nach der neuen EU-Geweberichtlinie sollen seit April 2006 Eizellspenden auf »Solidarität zwischen Spender und Empfänger beruhen« und unentgeltlich sein. Allenfalls eine Aufwandsentschädigung hielten die Parlamentarier für akzeptabel. Wie hoch die sein soll, sollten die Mitgliedsländer nach eigenem Ermessen regeln. Ein schwieriges Unterfangen, denn sie sollen keinen finanziellen Anreiz bieten und die Frauen dennoch motivieren. Allein das Pochen auf Mitgefühl und Schwesterlichkeit kann nur wenige Frauen begeistern.
Das weiß auch die Wahlbritin Laura Witjens. Als Vorsitzende des National Gamete Donation Trust wirbt sie um Keimzellspenden. Sie spricht mit Nachdruck und Überzeugung, denn sie spendete selbst. Natürlich sei das Verfahren unangenehm, »doch was ist das im Vergleich zu einem Leben ohne Kinder?«, sagt Witjens, die ihre Zwillinge mit Anfang 30 bekommen hatte und dann anderen zu Mutterglück verhelfen wollte.
Der medizinische Direktor der Londoner Cromwell-IVF-Klinik , Kamal Ahuja, hält dagegen, dass durch die Eizellspende ohne Not gesunde Frauen einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt würden: »Das verträgt sich nicht gut mit medizinischer Ethik.« Der bedächtig sprechende Arzt gehört zu den Pionieren eines in Großbritannien inzwischen verbreiteten alternativen Verfahrens, des egg-sharing . Patientinnen, die für eine künstliche Befruchtung ohnehin hormonell stimuliert werden, geben dabei unfruchtbaren Frauen von ihren Eizellen ab. Als Gegenleistung erhalten die Spenderinnen ihre eigene Behandlung wesentlich günstiger.
Kamal Ahuja empfängt die Patientinnen zum Vorgespräch in einem kleinen, altmodisch verwinkelten Reihenhaus, das Teil der Privatklinik ist. Im Wartezimmer hängt ein eingerahmter Artikel über die Erfolge der Klinik mit dem egg-sharing. Auch ärmere Paare könnten sich so eine künstliche Befruchtung leisten und hätten zugleich etwas Gutes getan, wirbt Ahuja für das Konzept.
Das Modell hat aber auch Kritiker. Laura Witjens macht sich zum Beispiel um psychische Folgeprobleme für Spenderinnen Sorgen: »Was, wenn die andere mit deinen Eizellen schwanger wird, du aber nicht?« Die IVF zu verbilligen komme im Übrigen einer Bezahlung gleich. Eine Kinderwunschbehandlung kostet in Großbritannien mehrere Tausend Pfund. Altruistische Eizellspenden hingegen werden mit 250 Pfund oder 370 Euro entlohnt.
Den Spenderinnenmangel hat das egg-sharing nicht beheben können. 2004 zum Beispiel registrierte die britische Aufsichtsbehörde für Reproduktionsmedizin 1060 Eizellspenderinnen. »Wir brauchten viel mehr«, sagt Laura Witjens. Auch viele Britinnen suchen darum Hilfe im Ausland. Eine Entwicklung, die manche mit den Wartezeiten von mindestens zwei Jahren begründen, andere auch mit dem Wunsch nach möglichst viel Abstand zwischen sich und den Spenderinnen.
Um die Nachschubprobleme in Großbritannien zu überwinden, hat das Londoner Bridge Fertility Center inzwischen seine Werkbank erneut nach Osteuropa verlängert, diesmal in die Ukraine. Für die Zusammenarbeit mit der Isida-Klinik in Kiew, die inzwischen auch deutsche Paare umwirbt, müssen britische Paare bis zu 11000 Pfund oder 16000 Euro bezahlen. Unter Ausschaltung der Zwischenhändler allerdings würde die Behandlung nur die Hälfte kosten. Die Isida-Klinik zahlt ihren Spenderinnen nach eigenen Angaben eine Aufwandsentschädigung von etwa 300 Euro, eine beträchtliche Summe in dem armen Land.
Die genetischen Mütter haben meist kein Gesicht, denn fast überall wird anonym gespendet. Eine der wenigen Ausnahmen ist bisher Großbritannien. Dort können Kinder, die nach April 2005 durch Spenderhilfe gezeugt wurden, mit 18 Jahren in einem zentralen Register nach ihren genetischen Wurzeln fahnden. Dagegen liefen vor allem Reproduktionsmediziner Sturm. Sie fürchteten um die Zahl der Spendenwilligen: Die könnte die Angst abschrecken, dass der »fremde« Nachwuchs irgendwann an ihre Tür klopft. Der große Einbruch blieb indes aus, sagen die Experten beim Gamete Donation Trust .
Adoptionsforscher, Elternorganisationen und Kinder, die durch die Mitwirkung einer fremden dritten Person entstanden sind, begrüßen jedoch die Aufhebung der Anonymität. Und viele Spender und Spenderinnen hätten auch nichts dagegen. Jedenfalls haben inzwischen Familienzusammenführungen mittels Internet Konjunktur. Im US-amerikanischen Donor Sibling Registry suchen Tausende nach ihren Verwandten; seit zwei Jahren gibt es ein britisches Pendant, das UK Donor Link .
Auch für María in Spanien könnte eine solche Internetplattform eine Chance sein, die schmerzende Leerstelle in ihrem Leben zu füllen. »Als ich nach der Geburt meinen Sohn zum ersten Mal sah, habe ich sofort an die anderen Kinder von mir gedacht, die vielleicht meinem Sohn ähneln«, erinnert sie sich. Für sie sind die Eizellen mehr als Gewebe. Darum plagen sie immer wieder Schuldgefühle, dass sie einen Teil von sich so leichtfertig weggegeben hat, ohne an die Folgen zu denken – zum Beispiel für ihren Sohn. »Wenn er größer ist, muss ich ihm doch erzählen, dass er vielleicht noch Halbgeschwister hat.«
Im Internet
Informationen zur hierzulande illegalen Eizellspende »
Samenbanken »
Internetregister zur Kontaktaufnahme von Spendern und Kindern
UK Donor Link »
Donor Sibling Registry »
Sperm Bank Cryobank »
National Gamete Donation Trust »
Britische Aufsichtsbehörde für künstliche Befruchtung »
Netzwerk von Eltern mit Kindern aus Eizell- oder Samenspende »
Kliniken
GlobalART USA »
Cromwell Hospital »
The London Bridge Fertility Centre »
Isida Hospital (Ukraine) »
Klinik IVI (Instituto Valenciano de Infertilidad, Spanien) »
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Tagungsbericht: "European Biopolitics. Connecting Civil Society - Implementing Basic Values",17.-19.3.2006 in Berlin »
- Datum 18.1.2007 - 02:54 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 18.01.2007 Nr. 04
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