Ökonomie Wer erlöst uns vom Kapital?

Der Glaube an die Segnungen des freien Marktes ist erschüttert. Neue Heilsfiguren erobern die politische Bühne.

Die Wirtschafts-Zauberformel war märchenhaft schlicht und auch für ungeübte Hexenmeister wie geschaffen. Sie sollte Blech in Gold, Wasser in Wein und Armut in Wohlstand verwandeln. Die Zauberformel, die als »Washingtoner Konsens« in die Geschichte eingehen sollte, lautete so: Wenn alle Nationen dem Staat Zügel anlegen und sich der unsichtbaren Hand des Marktes anvertrauen; wenn sie Steuern senken, Haushalte sanieren, Inflation bekämpfen, öffentliche Güter privatisieren und Kapitalinvestoren mit offenen Armen empfangen – dann werden alle Menschen auf der Erde ihr trauriges Los verbessern. Ihr Wohlstand wird wachsen und sich mehren im Laufe der Zeit. Völker, hört die Signale: »Mehr Markt, weniger Staat.«

Kaum ein Wirtschaftsprogramm hat die Ökonomien der Weltgesellschaft so durchfurcht wie jenes, das Experten der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des US-Finanzministeriums Anfang der neunziger Jahre in harmonischer Runde zu Papier gebracht hatten. Nicht nur eine Handvoll Länder, ganze Kontinente beugten sich dem Washingtoner Ratschluss in der Hoffnung auf Wachstum und Wohlstand. Die Hoffnung ist geblieben, aber die Euphorie verflogen. Die Zauberformel »Mehr Markt, weniger Staat« verliert an Kredit, trotz achtbarer Erfolge bei Inflationsbekämpfung und Haushaltssanierung.

Anzeige

In Lateinamerika verabschieden sich ehemalige Musterschüler gleich reihenweise von ihren amerikanischen Lehrmeistern; Regierungen kippen wie Dominosteine und suchen einen eigenen, den nationalen Weg. Auch in Europa liebäugeln Politiker wieder mit Protektionismus und staatlichen Eingriffen, und dieselben Minister, die sich gestern noch an den Segnungen des Freihandels berauscht hatten, verteufeln nun den Finanzmarktkapitalismus als Invasion der »Heuschrecken«.

Ihnen zur Seite steht die überparteiliche Sangesgemeinschaft aus linken Globalisierungskritikern, rechten Staatskonservativen und ortsüblichen Pastorenkindern. Für sie war der Washingtoner Konsens schon immer Gift aus neoliberalen Denkerstuben – und damit Teil jenes »Teufelswerks«, das Ökonomen wie Milton Friedman nach dem Versagen keynesianischer Rezepte entwickelt hatten.

Derzeit haben sie Rückenwind und gute Argumente. Selbst der IWF musste einräumen, dass übereilte Handelsliberalisierung in Entwicklungsländern zwar hübsche Strohfeuer entfacht, aber auch soziale Flächenbrände. Die Weltbank musste ihren verbissenen Kampf gegen Umverteilungspolitik aufgeben und betont nun, ohne Armutsbekämpfung gebe es kein nachhaltiges Wachstum. In der Tat ist der Nachweis, zwischen Privatisierung und allgemeinem Wohlstand bestehe ein naturwüchsiger Zusammenhang, nicht erbracht. Selbst im Vorzeigeland Südafrika, dem das Washingtoner Programm den Sprung in die Weltwirtschaft ermöglichte, liegt die Arbeitslosenquote zäh bei 30 bis 40 Prozent.

Überraschend daran ist eigentlich gar nichts. Wirtschaftswissenschaftler wie Paul Krugman oder Joseph Stiglitz liegen der Welt mit ihrer Kritik an der Washingtoner Zauberformel seit Jahren in den Ohren. Überraschend allerdings ist die stumme Panik vieler Politiker. Sie werden nervös, weil Ausschluss und Ungleichheit nicht nur in exotischen Randlagen der Weltgesellschaft wachsen, sondern auch im eigenen Wohlstandsgürtel. Globalisierte Reiche leben mit lokalisierten Armen Tür an Tür, in direkter Nachbarschaft, nur durch Selbstschussanlagen getrennt. Die Peripherie wuchert ins Zentrum, und die Klassengesellschaft kehrt zurück. In den USA konnten die Superreichen ihr Jahreseinkommen seit 1980 verdoppeln, während das der unteren Schichten stagniert. Nach einer Schätzung der US-Steuerbehörden hatte im Jahre 2004 jeder Fünfte der 300 Millionen Amerikaner am Tag höchstens sieben Dollar zur Verfügung, während die knapp 140000 reichsten Haushalte 13500 Dollar ausgeben konnten – täglich. Das ist ein Beispiel unter vielen. Weltweit gibt es immer mehr reiche Länder mit armen Menschen; es wachsen Reichtum und Unterschichten, Luxus und Elend.

Auch die Weltbank hat zur Armut in Lateinamerika beigetragen

Die Armut, auch die absolute, vermehrt sich so zuverlässig wie das Millionärsvermögen. Dieses wuchs, allein im Jahr 2004, global um 8,2 Prozent – am schnellsten, schwer zu glauben, in Afrika.

Leser-Kommentare
  1. 'Da gibt's Zinsen wenn Sie ihr Geld da lassen und die sind ueber die letzten hundert Jahre nicht wesentlich gesunken.'

    Das schrieb ich ja. In den letzten hundert Jahren ist die Bevölkerung weltweit massiv angestiegen und der Kapitalismus hat sich geographisch immer mehr ausgebreitet. Das war die Hochzeit des Kapitaismus. Beide Faktoren werden mittelfristig auslaufen. Dann wird der Kapitalismus in seine Endphase eintreten.

    'Wenn Sie sich anschauen wie sich der Kapitalbestand in den letzten 100 Jahren entwickelt hat, ohne dass sich die Verzinsung erheblich verschlechtert hat,'

    Genau hier liegt ja das Problem. Die Verzinsung ist praktisch immer positiv. Sachinvestitionen müssen aber immer höhere Renditen ausstoßen als Finanzinvestitionen sollen sie getätigt werden. Daher vagabundiert schon heute viele Milliarden Dollar um den Globus, die verzweifelt reale Anlagemöglichkeiten suchen. Hedgefonds u.ä. sind ja nur möglich, weil es diese nicht mehr gibt und sich die Börsen immer stärker von der Realwirtschaft abkoppeln.

    'Genau das ist auch das Problem mit Makrototalmodellen. Man versucht sich in statischen und komparativ statischen Modellen, wie sich das Verhalten der Leute aufgrund der Eingriffe verhaelt ist augenscheinlich nebensaechlich.'

    Genau dies ist bei Keynes ja nicht der Fall. Das Verhalten der Leute ist wesentlicher Bestandteil seiner Überlegungen.

    'Die Idee Inflation in Kauf zu nehmen um Arbeitslosigkeit zu bekaempfen ist natuerlich nur marginal wirksam, wenn Inflationserwartungen wie in D. direkt in die Lohnforderungen eingepreist werden.'

    Das kannst du praktisch schon bei Keynes nachlesen (du solltest nicht den Fehler machen Keynes mit Keynesianisten zu verwechseln. Beide haben nur sehr begrenzt etwas miteinander zu tun). Allerdings hat Keynes erstens erkannt, dass Reallohnsenkungen nur schwer durchzuführen sind (weil sich Gewerkschaften und Arbeitnehmer dagegen sperren) und zweitens schädlich sind, da dies ja auch Nachfrageausfall bedeuten. Daher muss die Arbeitslosigkeit anders angegangen werden.

    'Die ausschliessliche Orientierung auf Aggregatgroessen birgt das Risiko zu glauben, dass wenn man einmal im Monat 100l Wasser trinkt es dasselbe ist als wenn man jeden Tag 3l traenke.'

    Das ist natürlich Unsinn. Verteilungen über die Zeit können und werden natürlich berücksichtigt.

    'Zuerst lehne ich das Wort Kapitalismus ab, da Kapital in einer Marktwirtschaft kein besonders herausragender Produktionsfaktor ist und daher eine Marktwirtschaft nicht definiert.'

    Das ist ja völlig lächerlich. Kapital ist einer der beiden Produktionsfaktoren und vor allem im Zeitalter der Globalisierung der dominantere.

    'Freiheit schliesst auch Freiheit des Besitzes ein. Staatseingriffe sind Zwangseingriffe. '

    Ebenfalls falsch. Solange der Staat demokratisch aufgebaut ist, haben der Souverän, das Volk, selbstverständlich die Freiheit solche Eingriffe zu beschliessen. Ist dies ausgeschlossen (also in deiner Vorstellung einer freien Welt), gibt es keine Freiheit. In anderen Fällen (Ich will als Geisterfahrer über die Autobahn fahren. Jeglichen verbot dagegen sehe ich als Eingriff in meine Freiheit an) wird ja auch nicht ernsthaft diskutiert, dass jegliche Regelungen Zwangseingriffe sind. Diese Freiheitsdefinition von Leuten wie Hayek und Friedman zeigt nur, dass diese Leute sich nie ernsthaft mit dem Freiheitsbegriff auseinandergesetzt haben. Ihre Freiheitsvorstellung ist nämlich zwingend auf Unfreiheit aufgebaut.

    'Deswegen ist demokratischer Sozialismus auch naiv:'

    Ich bin ja auch kein Sozialist. Man kann ja Antikapitalist sein, ohne Sozialist zu sein.

    • Anonym
    • 22.01.2007 um 22:34 Uhr
    2. Stern?

    Der Niveau des Artikels ist ja schon mit dem Stern zu vergleichen! Anscheinend kommt das ja bei vielen Lesern traurigerweise an :-(

  2. Ich schlage vor, wir lassen die Diskussion ueber die den Keynsianismus weg. Sinkende Grenzleistungsfaehigkeit des Kapitals ueber die Zeit ist natuerlich Unfug. Die gilt nur CP in einem statischen Modell. Ansonsten wuerde sich Keynes bei der Aussage er sei Antikapitalist gewesen im Grabe umdrehen. Der Mann war prinzipiell liberal und hat gegen Ende seinen eigenen Ideen nicht so ganz getraut. Auf keinen Fall haette er befuerwortet was in D. in den 70ern unter seinem Namen getan wurde.

    Persoenlich misstraue ich allen Makro-Totalmodellen und wuerde mich soweit aus dem Fenster lehnen den groessten Teil der Makro als Unfug zu bezeichnen, zumindest wo es darum geht aus Aggregatgroessen und deren Steuerung eine positive Auswirkung auf die Realwirtschaft zu erwarten. Darin stimme ich mit den meisten Kritikern des Washingtoner Konsensus und dessen hautpsaechliche Konzentration auf Marovariablen durchaus ueberein.

    Was ich sehr interessant finde ist, dass Sie einerseits auf eine durchdefinierte Diskussion bestehen (um ehrlich zu sagen waere mir das fuer ein Internetforum dann doch zuviel Aufwand) andererseits aber den Begriff 'neoliberal' benutzen. Der beschreibt, so wie er im allgemeinen benutzt wird, eine diffuse Gruppe von Leuten, die angeblich irgendwann mal was zu Gunsten des freien Marktes gesagt haben, die aber auf jedenfall alle ganz schrecklich boese sind. Eine entsprechende Theorie oder gar Vertreter einer solchen konnte ich nach langer Suche noch nicht finden. Sie moegen zu Recht einwenden, dass sich die Gruender der sozialen Marktwirtschaft in den 50ern mal so genannt haben, was die aber mit den im Artikel beschriebenen angeblich real existierenden amoralischen Menschen zu tun haben, kann ich nun garnicht sehen.

  3. Ich schlage vor, wir lassen die Diskussion ueber die den Keynsianismus weg. Sinkende Grenzleistungsfaehigkeit des Kapitals ueber die Zeit ist natuerlich Unfug. Die gilt nur CP in einem statischen Modell. Ansonsten wuerde sich Keynes bei der Aussage er sei Antikapitalist gewesen im Grabe umdrehen. Der Mann war prinzipiell liberal und hat gegen Ende seinen eigenen Ideen nicht so ganz getraut. Auf keinen Fall haette er befuerwortet was in D. in den 70ern unter seinem Namen getan wurde.

    Persoenlich misstraue ich allen Makro-Totalmodellen und wuerde mich soweit aus dem Fenster lehnen den groessten Teil der Makro als Unfug zu bezeichnen, zumindest wo es darum geht aus Aggregatgroessen und deren Steuerung eine positive Auswirkung auf die Realwirtschaft zu erwarten. Darin stimme ich mit den meisten Kritikern des Washingtoner Konsensus und dessen hautpsaechliche Konzentration auf Marovariablen durchaus ueberein.

    Was ich sehr interessant finde ist, dass Sie einerseits auf eine durchdefinierte Diskussion bestehen (um ehrlich zu sagen waere mir das fuer ein Internetforum dann doch zuviel Aufwand) andererseits aber den Begriff 'neoliberal' benutzen. Der beschreibt, so wie er im allgemeinen benutzt wird, eine diffuse Gruppe von Leuten, die angeblich irgendwann mal was zu Gunsten des freien Marktes gesagt haben, die aber auf jedenfall alle ganz schrecklich boese sind. Eine entsprechende Theorie oder gar Vertreter einer solchen konnte ich nach langer Suche noch nicht finden. Sie moegen zu Recht einwenden, dass sich die Gruender der sozialen Marktwirtschaft in den 50ern mal so genannt haben, was die aber mit den im Artikel beschriebenen angeblich real existierenden amoralischen Menschen zu tun haben, kann ich nun garnicht sehen.

  4. Keynes glaubte und hoffte(!), dass der Kapitalismus zu einem Ende kommen wird. Warum glaubte er das? Weil die Konsumneigung im reifen Kapitalismus sinken wird und die Investitionschancen im weniger profitabel werden.

    Betrachtet man die Entwicklung seit der Veröffentlichung der General Theory muss man sagen: Keynes hat sich geirrt. Der Kapitalismus war erfolgreich. Warum sollte er es nicht weiter sein.

    Nun, schon 1939 nannte der erste wichtige Keynes-Interpret Hansen die drei externen Kräfte für die kapitalistische Wachstumsdynamik:

    1. Bevölkerungswachstum. Seit Keynes ist die Weltbevölkerung von ca. 2 auf über 6 Mrd. Menschen gestiegen. Und noch immer wächst sie, aber es dürfte klar sein, dass dieses Wachstum mittelfristig zu einem Ende kommen wird und muss.

    2. Erschließung neuer Territorien. Vor allem seit Anfang der 80er und noch stärker seit 1990 hat sich der Kapitalismus weltweit ausgedehnt (Globalisierung). Noch immer gibt es Gebiete, in denen der Kapitalismus noch nicht wirklich angekommen ist (v.a. Afrika), aber auch dieser Faktor wird (begrenzte Erde) irgendwann zu einem Ende kommen.

    3. Technologische Innovation. Da der Erfindungsgeist des Menschen unbegrenzt ist, bleibt dieser Faktor auch langfristig gültig. Nur ob dies reicht den Wachstumsmotor anzukurbeln? Vor allem wenn durch die irgendwann spürbare Begrenztheit der Ressourcen und den Gegendruck der Umwelt (z.B. Klimaerwärmung) gewaltige Wachstumseinschränkungen eintreten werden?

    Ich denke nicht. Das ist dann das Ende des Kapitalismus (nicht zwingend der Marktwirtschaft!) und wir sollten beginnen uns mit Alternativen zu beschäftigen.

    • Devin
    • 26.01.2007 um 20:25 Uhr

    @tilmank. Unverbesserlicher Positivist! Ich wünsche Ihnen nicht, dass Sie eines Tages durch bittere eigene Erfahrungen vom Gegenteil Ihrer heute geäußerten Aussagen überzeugt werden – weil es dann nämlich für Sie persönlich zu spät sein könnte. Es gab schon genug Leute (zum Beispiel in der Weltwirtschaftskrise 1930), die sich dann von hohen Stockwerken aus in die Tiefe gestürzt haben, nachdem Ihnen die verlorene Spekulation nicht nur den letzten Groschen, sondern auch die letzte Illusion geraubt hat. Aber vielleicht kommt Ihnen ja mal der Gedanke, das sie das alles vom Standpunkt nicht der Leute sagen, die Sie da gerade als Gewinner ausgemacht haben wollen, sondern eben von denen – und das werden immer mehr – die keinen Zugang mehr zu sauberem Wasser haben und dies nicht, weil sie unter irgendeiner Planwirtschaft, sondern unter ganz ordinärem Kapitalismus leiden, wo dann das Wasser zunehmend, und wie andere wichtige Ressourcen von einigen wenigen international agierenden Konzernen – unter aktiver Mithilfe korrupter 3.Welt-Regimes - aufgekauft wird!

    • a17
    • 22.01.2007 um 22:52 Uhr
    7. @dakra

    Ihr Denunziationsversuch von Kritikern der derzeit herrschenden Wirtschafts'philosophie' ist
    a. ziemlich hilflos
    und
    b. dumm.

    Wie man's von einem überzeugten Jünger des Neoliberalismus erwartet.

    Dankeschön.

  5. ich muss ja zuerst mal meine Hochachtung ausdruecken, dass Sie die General Theory gelesen haben. Sie sind meines Wissens der erste der es geschafft hat sich da durchzuquaelen. Das gibt Ihnen natuerlich eine gewisse Berechtigung sie fuer den einzigen Quell des Wissens zu halten. Allerdings birgt solch sklavischer Gehorsam einem (und nur einem) Meister gegenueber das Risiko der Umwelt als ausgesprochen einfallslos zu erscheinen.

    Prinzipiell bin nicht ich es, der die Entwicklung der Grenzleistungsfaehigkeit begruenden sollte sondern Sie. Die Behauptung sollte beweisen werden, nicht die Skepsis ihr gegenueber.
    Warum eine sinkende Grenzleistungsfaehigkeit des Kapitals ueber die Zeit Bloedsinn ist, ist allerdings recht offensichtlich, wenn Sie eine Bank betreten. Da gibt's Zinsen wenn Sie ihr Geld da lassen und die sind ueber die letzten hundert Jahre nicht wesentlich gesunken. Die Idee hinter einer abnehmenden Grenzleistungsfaehigkeit des Kapitals ist, dass irgendwann mal alle sinnvollen Investitionen gemacht sind. Davon kann man allerdings nach menschlicher Erfahrung allerdings nicht ausgehen, denn der Kapitalbedarf ist seit jeher erheblich gewachsen. Wenn Sie sich anschauen wie sich der Kapitalbestand in den letzten 100 Jahren entwickelt hat, ohne dass sich die Verzinsung erheblich verschlechtert hat, koennen Sie sich vorstellen was mit der Grenzleistungsfaehigkeit passiert ist.

    Genau das ist auch das Problem mit Makrototalmodellen. Man versucht sich in statischen und komparativ statischen Modellen, wie sich das Verhalten der Leute aufgrund der Eingriffe verhaelt ist augenscheinlich nebensaechlich. Die Idee Inflation in Kauf zu nehmen um Arbeitslosigkeit zu bekaempfen ist natuerlich nur marginal wirksam, wenn Inflationserwartungen wie in D. direkt in die Lohnforderungen eingepreist werden. Die ausschliessliche Orientierung auf Aggregatgroessen birgt das Risiko zu glauben, dass wenn man einmal im Monat 100l Wasser trinkt es dasselbe ist als wenn man jeden Tag 3l traenke.

    Zur Frage: nein, man kann nicht zugeleich liberal und 'Antikapitalist' sein. Zuerst lehne ich das Wort Kapitalismus ab, da Kapital in einer Marktwirtschaft kein besonders herausragender Produktionsfaktor ist und daher eine Marktwirtschaft nicht definiert. Freiheit schliesst auch Freiheit des Besitzes ein. Staatseingriffe sind Zwangseingriffe. Deswegen ist demokratischer Sozialismus auch naiv: wenn Leute sich so verhalten wuerden, wie es der Sozialismus wuenscht, brauechte man ihn nicht. Deswegen sind alle sozialistischen Staaten letztlich zu totalitaeren Diktaturen geworden. Auch Zwangsbeglueckung ist zwang.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service